Kommunen im Kreis Kronach werden zu Vermittlern

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Noch ist die Rewe in der Industriestraße zu finden, doch sie will zeitnah nach Ruppen umsiedeln. Stellt sich die Frage, was dann aus dem bisherigen Markt passiert. Fotos: Marco Meißner
Noch ist die Rewe in der Industriestraße zu finden, doch sie will zeitnah nach Ruppen umsiedeln. Stellt sich die Frage, was dann aus dem bisherigen Markt passiert. Fotos: Marco Meißner
Was Rewe vorhat, hat Aldi längst hinter sich. Früher war der Discounter zentral in der Industriestraße angesiedelt. Inzwischen hat es Aldi jedoch auch in Richtung Ruppen gezogen. Die Zufahrt zum Geschäft erfolgt allerdings noch immer über die Industriestraße. In den früheren Räumen hat sich wieder Gewerbe angesiedelt - ein Sonderposten-Baumarkt. Foto: Marco Meißner
Was Rewe vorhat, hat Aldi längst hinter sich. Früher war der Discounter zentral in der Industriestraße angesiedelt. Inzwischen hat es Aldi jedoch auch in Richtung Ruppen gezogen. Die Zufahrt zum Geschäft erfolgt allerdings noch immer über die Industriestraße. In den früheren Räumen hat sich wieder Gewerbe angesiedelt - ein Sonderposten-Baumarkt. Foto: Marco Meißner
 
Eine gepflasterte Einfahrt mit einer Reihe Garagen, der Blick an einem sanierten Wohngebäude vorbei auf den blauen Himmel und die Bäume. Wäre da nicht ein Einschnitt an der weißen Fassade zu erkennen, käme man kaum auf den Gedanken, dass dort in der Kaulangerstraße früher ein Lebensmittelmarkt zu finden war. Das Geschäft wurde komplett abgerissen. Foto: Marco Meißner
Eine gepflasterte Einfahrt mit einer Reihe Garagen, der Blick an einem sanierten Wohngebäude vorbei auf den blauen Himmel und die Bäume. Wäre da nicht ein Einschnitt an der weißen Fassade zu erkennen, käme man kaum auf den Gedanken, dass dort in der Kaulangerstraße früher ein Lebensmittelmarkt zu finden war. Das Geschäft wurde komplett abgerissen. Foto: Marco Meißner
 
Lange Jahre hatte Edeka mit dem "Kreuzbergmarkt" die Nahversorgung für das Wohngebiet am Kreuzberg sichergestellt. 2012 fiel der Vorhang. Der Laden passte von den Räumlichkeiten her nicht mehr ins Konzept. Durch einen Bäcker, einen Metzger und einen Getränkehandel konnte ein Teil des Angebots erhalten werden. Foto: Marco Meißner
Lange Jahre hatte Edeka mit dem "Kreuzbergmarkt" die Nahversorgung für das Wohngebiet am Kreuzberg sichergestellt. 2012 fiel der Vorhang. Der Laden passte von den Räumlichkeiten her nicht mehr ins Konzept. Durch einen Bäcker, einen Metzger und einen Getränkehandel konnte ein Teil des Angebots erhalten werden. Foto: Marco Meißner
 
Direkt auf dem Weg der Schüler vom Schulzentrum in die Stadt und unmittelbar neben Berufsschule und Kaspar-Zeuß-Gymnasium gelegen, schien die Diska in der Rodacher Straße gut aufgehoben. Dennoch wurde aus betriebswirtschaftlichen Gründen im Mai dieses Jahres die Reißleine gezogen, der Betrieb eingestellt. Das Gebäude steht seitdem leer. Foto: Marco Meißner
Direkt auf dem Weg der Schüler vom Schulzentrum in die Stadt und unmittelbar neben Berufsschule und Kaspar-Zeuß-Gymnasium gelegen, schien die Diska in der Rodacher Straße gut aufgehoben. Dennoch wurde aus betriebswirtschaftlichen Gründen im Mai dieses Jahres die Reißleine gezogen, der Betrieb eingestellt. Das Gebäude steht seitdem leer. Foto: Marco Meißner
 
Schlecker zum Ersten: Das Aus der Drogeriekette erwischte auch die Filialen in der Kreisstadt. Eine davon war am Kreuzberg zu finden. Schon vor Schlecker war es ein Geschäftsgebäude (Sperschneider). Inzwischen werden diese Räume am Inneren Ring wieder gewerblich genutzt. Dort hat sich ein ein Discount-Laden für Fitness-Ernährung angesiedelt. Foto: Marco Meißner
Schlecker zum Ersten: Das Aus der Drogeriekette erwischte auch die Filialen in der Kreisstadt. Eine davon war am Kreuzberg zu finden. Schon vor Schlecker war es ein Geschäftsgebäude (Sperschneider). Inzwischen werden diese Räume am Inneren Ring wieder gewerblich genutzt. Dort hat sich ein ein Discount-Laden für Fitness-Ernährung angesiedelt. Foto: Marco Meißner
 
Schlecker zum Zweiten: Die Obere Stadt hat in den vergangenen Jahren einen spürbaren Wandel erlebt, was die Geschäftswelt betrifft. Auch dort musste Schlecker die Segel streichen und hinterließ einen Leerstand in der Lucas-Cranach-Straße. Für das historische Gebäude gibt es heute allerdings wieder eine gewerbliche Nutzung. Dort findet sich "Schöss Zeuch". Foto: Marco Meißner
Schlecker zum Zweiten: Die Obere Stadt hat in den vergangenen Jahren einen spürbaren Wandel erlebt, was die Geschäftswelt betrifft. Auch dort musste Schlecker die Segel streichen und hinterließ einen Leerstand in der Lucas-Cranach-Straße. Für das historische Gebäude gibt es heute allerdings wieder eine gewerbliche Nutzung. Dort findet sich "Schöss Zeuch". Foto: Marco Meißner
 
Schlecker zum Dritten: In der Johann-Knoch-Gasse konnten sich Leseratten bis zur Sanierung der Kreisbibliothek auf die Bücher stürzen. Nicht lange davor war dort ein Schlecker-Markt angesiedelt. Der Drogeriemarkt hatte aber wegen der Pleite der Kette nicht lange Bestand. Zurzeit sind die Räume nahe dem Stadtkern verwaist. Foto: Marco Meißner
Schlecker zum Dritten: In der Johann-Knoch-Gasse konnten sich Leseratten bis zur Sanierung der Kreisbibliothek auf die Bücher stürzen. Nicht lange davor war dort ein Schlecker-Markt angesiedelt. Der Drogeriemarkt hatte aber wegen der Pleite der Kette nicht lange Bestand. Zurzeit sind die Räume nahe dem Stadtkern verwaist. Foto: Marco Meißner
 
Schlecker zum Vierten: Nur einige Hundert Meter entfernt vom Schlecker-Markt in der Knoch-Gasse war ein weiterer Laden der Drogeriekette in der Mangstraße angesiedelt, wo zuvor einmal ein Getränkemarkt untergebracht war. Inzwischen herrscht wieder Geschäftsbetrieb in diesen Räumen. Statt Limo oder Duschgel gibt es dort heute Unterwäsche zu kaufen. Foto: Marco Meißner
Schlecker zum Vierten: Nur einige Hundert Meter entfernt vom Schlecker-Markt in der Knoch-Gasse war ein weiterer Laden der Drogeriekette in der Mangstraße angesiedelt, wo zuvor einmal ein Getränkemarkt untergebracht war. Inzwischen herrscht wieder Geschäftsbetrieb in diesen Räumen. Statt Limo oder Duschgel gibt es dort heute Unterwäsche zu kaufen. Foto: Marco Meißner
 

Der Rewe-Supermarkt in Kronach wird wohl seinen Standort in der Industriestraße verlassen. Das ist in der Kreisstadt nicht der erste Fall, bei dem sich die Nachfolge-Frage stellt. Aber auch andere Gemeinden suchen nach Wegen, um große Gewerbe-Objekte wieder zu beleben.

Schlecker ist pleite. Edeka zieht sich am Kreuzberg zurück. Diska streicht die Segel. Wenn der Handel seine angestammten Läden verlässt, stellt sich stets die Frage nach einer sinnvollen Folgenutzung - so wie jetzt beim geplanten Rewe-Umzug von der Indus triestraße nach Ruppen.

In Kronach gab und gibt es immer wieder solche Fälle. Die Stadt versucht hierbei zu helfen, aber auch Gewerbeansiedlungen zu steuern, soweit es ihr möglich ist. Und in vielen Fällen finden sich tatsächlich zeitnah neue Nutzer, wie unsere (bei Weitem nicht vollständige) Beispiel-Bildergalerie zeigt.

"Wir sind nur vermittelnd tätig - wenn wir gefragt werden - damit Leerstände möglichst schnell eine sinnvolle Nachfolgelösung bekommen", erklärt Georg Köstner von der Stadtverwaltung. Er betont, dass die Stadt ein Partner der Beteiligten sei und weder mit Maklern noch Banken konkurriere. 1#googleAds#100x100
Der Stadt gehe es darum, den Handel zu strukturieren. Durch Neuansiedlungen soll beispielsweise das innenstadtrelevante Gewerbe nicht negativ beeinflusst werden.


Neuen Ideen eine Chance geben

Einen Nachfolger für Gewerberäume zu finden, sei oft nicht leicht, so Köstner. Die finanziellen Erwartungen der Vermieter seien zum Teil hoch gesteckt. Er regt daher an, neuen Geschäftsideen wenigstens mit einer "Probezeit" bei günstiger Miete eine Chance zu geben, sich zu bewähren. Auf der Gegenseite kennt Köstner die Ansprüche der Ketten. Beim Schlecker-Markt in der Knoch-Gasse sei beispielsweise alles für einen Laden vorhanden, aber die Großen der Branche hielten die Lage für zu versteckt. Oder im Falle der ehemaligen Diska-Räume sei die übliche Umsatzgrenze für einen Lebensmittelhändler kaum zu erreichen - rund zwei Millionen Euro pro Jahr.

Bei Rewe ist es so, dass das Unternehmen durchaus am angestammten Ort geblieben wäre, wenn die Möglichkeiten dort gepasst hätten. Josef Hassler (Bereich Expansion Vollsortiment Süd bei Rewe) freut sich nun aber über die Zustimmung der Stadt zu den Umzugsplänen. Rewe brauche den neuen Markt, um sein Angebot zeitgemäß präsentieren zu können. "Die jetzige Fläche lässt keine Erweiterung zu", erklärt Hassler auf unsere Nachfrage. Auch ein größerer Neubau sei wegen des Hochwasserschutzes dort nicht möglich. Das bestätigt Köstner. Der gesamte Bereich liege den Berechnungen zufolge im Einzugsbereich eines hundertjährigen Hochwassers. Ohne spezielle Genehmigungen dürfe dort nicht über die schon vorhandene Kubatur hinaus gebaut werden.


Rewe leitet Anfragen weiter

Rewe kümmert sich laut Hassler in solchen Fällen zwar nicht aktiv um einen Nachfolger, doch "wenn Anfragen an uns gerichtet werden, leiten wir diese weiter". Für den Kronacher Laden habe es bereits eine solche Anfrage gegeben.

Köstner ist derweil froh, dass in diesem Fall kein "Briefkasten-Fonds" ohne konkreten Ansprechpartner die Eigentumsrechte besitzt - was oft genug vorkomme. Im Fall des Rewe-Marktes gebe es einen Fondsverwalter, der in Bayern sitze und als Kontakt zur Verfügung stehe. Das lasse hoffen, dass sich auch an diesem eigentlich guten Standort wieder ein Gewerbe ansiedeln werde.


So sieht es in Pressig und Küps aus

Nicht nur in Kronach wird die Kommunalpolitik mit der Verlagerung von Supermärkten und Discountern konfrontiert. Beispielsweise in Pressig und Küps kennt man dieses Thema ebenfalls gut. Als Aldi ging, war Pressigs Bürgermeister Hans Pi etz (FW) noch nicht im Amt. Allerdings erinnert er sich gut daran, dass die Bürger sogar mit Unterschriftenlisten versucht haben, eine Abwanderung zu verhindern. Vergebens. "Das nutzt bei solchen unternehmerischen Entscheidungen nichts", hat Pietz aus dieser Erfahrung gelernt.
Vor der Verlagerung des Rewe-Marktes Ende 2014 hätten sich ebenfalls nur zwei Optionen geboten: "Rewe baut oder ist weg." Allerdings hat Pietz Verständnis für solche Entscheidungen der Unternehmen. Und angesichts dessen, dass der Einzugsbereich Pres sigs nicht zwingend die Größenordnung für einen so genannten Vollsortimenter hat, ist er froh, dass zumindest am Standort festgehalten wurde. "In erster Linie lag mir am Herzen, die Nahversorgung zu sichern", so der Bürgermeister.

Was die Nachnutzungen der alten Gebäude und Flächen betrifft, versucht sich die Gemeinde laut Pietz aktiv einzubringen, auch wenn sie nur flankierend eingreifen kann. Am Ende muss eben doch der Besitzer entscheiden. Aber eine sinnvolle Nachnutzung ist für alle von Vorteil, ist Pietz überzeugt. Beim Aldi-Gelände stellte sich durch das Interesse des Autohauses Vetter schnell ein Erfolg ein. Auch für das Rewe-Gelände berichtet Pietz von einer guten Entwicklung - bis ein Eigentümerwechsel die Verhandlungen auf Anfang stellte. Dennoch sieht der Bürgermeister Perspektiven.


Bedarf war da

Dass sowohl für Lidl als auch Rewe an ihren alten Standorten neue Nutzungen gefunden wurden, freut den Küpser Bürgermeister Herbert Schneider (parteilos). Momentan habe Küps daher keine Leerstände zu beklagen. Trotzdem vermutet er, dass ein vielerorts schon übliches Leerstandsmanagement aus demografischen Gründen irgendwann auch in der Marktgemeinde ein Thema werden wird.

Dass heutzutage größere Verkaufsflächen gefragt sind, nimmt Schneider den Unternehmen nicht übel. "Der Bedarf war angezeigt. Der Erfolg gibt Rewe recht", erklärt er am konkreten Beispiel sein Verständnis für derartige Verlagerungswünsche. Wichtig ist seiner Auffassung nach, dass solche Vorhaben in Küps im Dialog und gut vorgeplant durchgeführt werden.

Schneider meint, dass die Kommune hierbei sogar in gewisser Weise in der Pflicht stehe. Einerseits müsse sie im Rahmen ihrer Möglichkeiten steuern, welche Geschäftsarten sich ansiedelten, andererseits "ist es Aufgabe der Gemeinde, nicht nur die soziale Infrastruktur zu entwickeln".