Der Rewe-Supermarkt in Kronach wird wohl seinen Standort in der Industriestraße verlassen. Das ist in der Kreisstadt nicht der erste Fall, bei dem sich die Nachfolge-Frage stellt. Aber auch andere Gemeinden suchen nach Wegen, um große Gewerbe-Objekte wieder zu beleben.
Schlecker ist pleite. Edeka zieht sich am Kreuzberg zurück. Diska streicht die Segel. Wenn der Handel seine angestammten Läden verlässt, stellt sich stets die Frage nach einer sinnvollen Folgenutzung - so wie jetzt beim geplanten Rewe-Umzug von der Indus triestraße nach Ruppen.
In Kronach gab und gibt es immer wieder solche Fälle. Die Stadt versucht hierbei zu helfen, aber auch Gewerbeansiedlungen zu steuern, soweit es ihr möglich ist. Und in vielen Fällen finden sich tatsächlich zeitnah neue Nutzer, wie unsere (bei Weitem nicht vollständige) Beispiel-Bildergalerie zeigt.
"Wir sind nur vermittelnd tätig - wenn wir gefragt werden - damit Leerstände möglichst schnell eine sinnvolle Nachfolgelösung bekommen", erklärt Georg Köstner von der Stadtverwaltung. Er betont, dass die Stadt ein Partner der Beteiligten sei und weder mit Maklern noch Banken konkurriere.
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Der Stadt gehe es darum, den Handel zu strukturieren. Durch Neuansiedlungen soll beispielsweise das innenstadtrelevante Gewerbe nicht negativ beeinflusst werden.
Neuen Ideen eine Chance geben Einen Nachfolger für Gewerberäume zu finden, sei oft nicht leicht, so Köstner. Die finanziellen Erwartungen der Vermieter seien zum Teil hoch gesteckt. Er regt daher an, neuen Geschäftsideen wenigstens mit einer "Probezeit" bei günstiger Miete eine Chance zu geben, sich zu bewähren. Auf der Gegenseite kennt Köstner die Ansprüche der Ketten. Beim Schlecker-Markt in der Knoch-Gasse sei beispielsweise alles für einen Laden vorhanden, aber die Großen der Branche hielten die Lage für zu versteckt.
Oder im Falle der ehemaligen Diska-Räume sei die übliche Umsatzgrenze für einen Lebensmittelhändler kaum zu erreichen - rund zwei Millionen Euro pro Jahr.
Bei Rewe ist es so, dass das Unternehmen durchaus am angestammten Ort geblieben wäre, wenn die Möglichkeiten dort gepasst hätten. Josef Hassler (Bereich Expansion Vollsortiment Süd bei Rewe) freut sich nun aber über die Zustimmung der Stadt zu den Umzugsplänen. Rewe brauche den neuen Markt, um sein Angebot zeitgemäß präsentieren zu können. "Die jetzige Fläche lässt keine Erweiterung zu", erklärt Hassler auf unsere Nachfrage. Auch ein größerer Neubau sei wegen des Hochwasserschutzes dort nicht möglich. Das bestätigt Köstner. Der gesamte Bereich liege den Berechnungen zufolge im Einzugsbereich eines hundertjährigen Hochwassers.
Ohne spezielle Genehmigungen dürfe dort nicht über die schon vorhandene Kubatur hinaus gebaut werden.
Rewe leitet Anfragen weiter Rewe kümmert sich laut Hassler in solchen Fällen zwar nicht aktiv um einen Nachfolger, doch "wenn Anfragen an uns gerichtet werden, leiten wir diese weiter". Für den Kronacher Laden habe es bereits eine solche Anfrage gegeben.
Köstner ist derweil froh, dass in diesem Fall kein "Briefkasten-Fonds" ohne konkreten Ansprechpartner die Eigentumsrechte besitzt - was oft genug vorkomme. Im Fall des Rewe-Marktes gebe es einen Fondsverwalter, der in Bayern sitze und als Kontakt zur Verfügung stehe.
Das lasse hoffen, dass sich auch an diesem eigentlich guten Standort wieder ein Gewerbe ansiedeln werde.
So sieht es in Pressig und Küps aus Nicht nur in Kronach wird die Kommunalpolitik mit der Verlagerung von Supermärkten und Discountern konfrontiert. Beispielsweise in Pressig und Küps kennt man dieses Thema ebenfalls gut. Als Aldi ging, war Pressigs Bürgermeister Hans Pi etz (FW) noch nicht im Amt. Allerdings erinnert er sich gut daran, dass die Bürger sogar mit Unterschriftenlisten versucht haben, eine Abwanderung zu verhindern. Vergebens. "Das nutzt bei solchen unternehmerischen Entscheidungen nichts", hat Pietz aus dieser Erfahrung gelernt.
Vor der Verlagerung des Rewe-Marktes Ende 2014 hätten sich ebenfalls nur zwei Optionen geboten: "Rewe baut oder ist weg." Allerdings hat Pietz Verständnis für solche Entscheidungen der Unternehmen.
Und angesichts dessen, dass der Einzugsbereich Pres sigs nicht zwingend die Größenordnung für einen so genannten Vollsortimenter hat, ist er froh, dass zumindest am Standort festgehalten wurde. "In erster Linie lag mir am Herzen, die Nahversorgung zu sichern", so der Bürgermeister.
Was die Nachnutzungen der alten Gebäude und Flächen betrifft, versucht sich die Gemeinde laut Pietz aktiv einzubringen, auch wenn sie nur flankierend eingreifen kann. Am Ende muss eben doch der Besitzer entscheiden. Aber eine sinnvolle Nachnutzung ist für alle von Vorteil, ist Pietz überzeugt. Beim Aldi-Gelände stellte sich durch das Interesse des Autohauses Vetter schnell ein Erfolg ein. Auch für das Rewe-Gelände berichtet Pietz von einer guten Entwicklung - bis ein Eigentümerwechsel die Verhandlungen auf Anfang stellte. Dennoch sieht der Bürgermeister Perspektiven.
Bedarf war da Dass sowohl für Lidl als auch Rewe an ihren alten Standorten neue Nutzungen gefunden wurden, freut den Küpser Bürgermeister Herbert Schneider (parteilos). Momentan habe Küps daher keine Leerstände zu beklagen. Trotzdem vermutet er, dass ein vielerorts schon übliches Leerstandsmanagement aus demografischen Gründen irgendwann auch in der Marktgemeinde ein Thema werden wird.
Dass heutzutage größere Verkaufsflächen gefragt sind, nimmt Schneider den Unternehmen nicht übel. "Der Bedarf war angezeigt. Der Erfolg gibt Rewe recht", erklärt er am konkreten Beispiel sein Verständnis für derartige Verlagerungswünsche. Wichtig ist seiner Auffassung nach, dass solche Vorhaben in Küps im Dialog und gut vorgeplant durchgeführt werden.
Schneider meint, dass die Kommune hierbei sogar in gewisser Weise in der Pflicht stehe. Einerseits müsse sie im Rahmen ihrer Möglichkeiten steuern, welche Geschäftsarten sich ansiedelten, andererseits "ist es Aufgabe der Gemeinde, nicht nur die soziale Infrastruktur zu entwickeln".
wenn die Stadt auf die Verlagerungen reagieren würde und den Stadtbus für die älteren Leutchen öfters mal durch die Industriestraße bis nach Ruppen schicken würde.