Die Kinder- und Jugendprojekte von Salesianerpater Hermann Schulz in Litauen und Ruanda laufen weiterhin gut. Im März dieses Jahres war Pater Schulz bei seinem litauischen Jugendprojekt in der Nähe von Klaipeda und wollte in Kürze nach München. Da machte Corona seinen Plänen einen Strich durch die Rechnung und er saß in Litauen fest. In München wollte er zur 25-Jahr-Feier der Kinderhilfe des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnen-Verbandes (BLLV), die aber ebenfalls verschoben werden musste.

Das Waisenhaus in Ruanda war nach dem dortigen Völkermord das erste Vorhaben der damals neu gegründeten BLLV-Kinderhilfe. Sehr viele der dort aufgewachsenen Kinder haben einen glänzenden Start in ein eigenbestimmtes Leben gefunden, und Ehemalige haben einen eigenen Förderkreis gegründet.

"Ein Geschenk des Himmels"

Plötzlich war der Pater wegen der Corona-Beschränkungen abseits von den vielen Verpflichtungen und fand eine ungekannte Ruhe. Im litauischen Jugendprojekt war plötzlich auch nicht viel los. Schulz: "Ich habe das so genossen. Das war für mich ein Geschenk des Himmels." Inzwischen finden dort wieder fast normal Ferienlager statt; es ist ein Treffpunkt für viele Menschen.

Solche Ferienlager gibt es normalerweise den ganzen Sommer über. Es gibt aber auch Treffen von Gruppen wie den litauischen Diabetikern. Etliche Gruppen aus dem Umfeld und auch von Schulen und einer Tanzschule nutzen Gebäude und Gelände. Auch Pfarreien haben diese Möglichkeiten, und ganzjährig werden die Einrichtungen für viele Zwecke gebraucht. Auch aus Norwegen, Dänemark oder Schweden kommen junge Menschen über die Europäische Union hier zusammen. Es dient auch der Völkerverständigung. Ein tolles Ferienlager veranstalteten Studenten aus Georgien.

Eigentlich wollte Pater Schulz hier einen ökologischen Bauernhof mit jungen Menschen entwickeln. Viele der Lebensmittel werden auch selbst erzeugt. "Wir haben unsere eigenen Kartoffeln, unser eigenes Sauerkraut, unsere eigenen Eier", erläutert Schulz. Und man kann mit Ponys reiten und mit einer Kutsche fahren.

Keine Infektionen im Jugenddorf

Wie war die Situation mit Corona im ruandischen Jugenddorf? "Kein Problem", berichtete der Salesianerpater zufrieden. Über das Internet war er stets bestens informiert. Lange Zeit wurde hier niemand hineingelassen und keiner ging aus der großen Einrichtung heraus. Fünf der sechs ruandischen Studenten kamen rechtzeitig ins Jugenddorf zurück. Dann kam niemand mehr. So kam es zu keinerlei Infektionen im Jugend- und Schuldorf.

Ruanda war anfangs nur durch einige Rückkehrer aus dem Flugverkehr betroffen. Bei den Lastwagen aus Tansania ergriff Ruanda schnell strenge Schutzmaßnahmen. Die Fahrer aus Tansania verließen an der Grenze die Fahrzeuge, die desinfiziert wurden. Dann übernahmen sie ruandische Fahrer.

Der Unterricht an der Schule ist unterbrochen. Allerdings ist etwa durch die Studenten ein eigener Unterricht installiert. Insgesamt sind vielfältige Aufgaben eingeteilt. So wird vormittags im Garten und auf den Feldern gearbeitet. Die Kleineren sammeln Holz. Nachmittags ist etwas Freizeit und dann auch selbst organisierter Unterricht.

Die Kleineren spüren nichts von einer Quarantäne. Die Älteren bringen den Jüngeren Vieles bei und lernen so selbst viel.

Es sind auch zwei Findelkinder dabei, 13 und 24 Jahre alt. "Die verstehen sich wie Brüder, haben das gleiche Schicksal", erzählt Schulz. Der Jüngere heißt Benedikt, nach dem ehemaligen deutschen Papst benannt.

Die Hauptorganisatoren

Nachdem die Richtlinien es zuließen, dass der Pater nach Deutschland reiste, traf er sich mit seinen Hauptorganisatoren für die Hilfe aus Deutschland. Gabriele Gabriel (Wunsiedel) lernte Pater Schulz 1990 bei einer Seelsorgerkonferenz in Johannesburg (Südafrika) kennen. Sie war damals in Äthiopien und unterstützte Pater Anton Specht in Kenia. Dieser nahm sie mit.

"Da kamen Pater Schulz aus Ruanda, Pater Specht aus Kenia und ich aus Äthiopien", erinnert sich Gabriel. Ihr Mann Manfred Gabriel arbeitete damals an der deutschen Botschaftsschule, sie begann fürs katholische Auslandssekretariat zu arbeiten. Sie gab Erstkommunionunterricht, machte Hausgottesdienste. "Sie war praktisch wie eine Pastoralreferentin", meinte Pater Schulz.

Beim Abschied versprach sie Pater Schulz, sollte er einmal Hilfe brauchen, werde sie helfen. So baute sie ein Patenschaftsprogramm für Kinder in Not im und vor allem auch im Umfeld des Jugend- und Waisendorfes auf. Schließlich herrschte auch im Umfeld Not und der Pater wollte der ganzen Region helfen.

Der in Deutschland arbeitende Priester Heinz Vogel, heute Pfarrer in Radolfzell am Bodensee, hatte damals schon Fotos von Kindern. Gabriele Gabriel katalogisierte diese und baute eine Patenschaftskartei auf. "Es wurde mehr und mehr." Zuerst stellte sie diese in Wunsiedel vor. Der damalige Kronacher Stadtpfarrer Georg Holzschuh kam mit Rainer Glissnik zu einem Treffen nach Wunsiedel. Die Freude war groß, denn Pfarrer Holzschuh hatte einst Gabriele Gabriel und ihren Mann Manfred getraut. Als das Ehepaar Gabriel einmal beruflich nach Hongkong ging, gab sie die Leitung der Patenschaften an Ursula und Reinhard Wunderlich in Eichenbühl (Weißenbrunn bei Kronach) ab, übernahm die Aufgabe noch einmal selbst und gab diese schließlich an Michaela Burger in Wunsiedel weiter.

Der Kronacher Rainer Glissnik kam im Dezember 1994 dazu, als Pater Schulz mit zwei seiner Jugendlichen aus Ruanda über die BLLV-Kinderhilfe und den BLLV-Kreisverband Kronach mit seinem damaligen Vorsitzenden Rolf Habermann in den Landkreis Kronach kam. Glissnik war 1996 zur Einweihung des Waisendorfes in Ruanda und erstellt seitdem einen jährlichen Rundbrief.