Die Rechnung nach der Kreistagswahl vom vergangenen Sonntag ist für den CSU-Kreisvorsitzenden Jürgen Baumgärtner einfach zu lösen: minus zwei, plus vier ist gleich voller Erfolg. Das heißt, obwohl die CSU das erklärte Ziel verpasst hat, hat sie es unter dem Strich doch erreicht.

"Meine Prognose war, mit der CSU die Sitze zu halten und bei der JU zwei zu gewinnen", blickt Baumgärtner auf die Tage vor der Wahl zurück. Die Christsozialen mussten nun jedoch der größeren Zahl an Listen Tribut zollen. Sie büßten zwei Mandate ein. Künftig stellen sie noch 19 Kreisräte.

Ein Ausgleich

Dieser Verlust wurde jedoch innerhalb der Unionsfamilie aufgefangen. Die JU entpuppte sich in ihrem ersten Anlauf nämlich als der große Gewinner der Wahl. Statt der erhofften zwei schickt sie sogar vier Vertreter in den neuen Kreistag.

Für Baumgärtner, der sich besonders freut, dass gleich sechs CSU-Frauen ins Gremium einziehen, ist das keineswegs Konkurrenz unter dem eigenen Dach. "JU und CSU sind eine Mannschaft", betont er. Deshalb sei er mit dem Gesamtergebnis auch "super zufrieden". Die Union im Landkreis habe die jungen Leute auf der politischen Bühne abbilden wollen. Deshalb sei ihnen auch besonders viel Platz in Form einer eigenen Liste eingeräumt worden. Der Erfolg bestätige dieses Vorgehen.

Dass mitunter auch kritische Töne von JU-Mitgliedern "aus dem Blickwinkel der Jugend" gegenüber der CSU gefallen seien, ist für Baumgärtner nicht nur legitim, sondern sogar positiv: "Respekt dafür!" Wenn solcher Nachwuchs in der eigenen Jugendorganisation reife, sei ihm nicht Bange um die Zukunft der Frankenwald-CSU.

Ein Vertrauensbeweis

Das wird Markus Oesterlein als JU-Kreisvorsitzender und - Spitzenkandidat gerne hören. "Wir sind überwältigt", stellt er angesichts des Ergebnisses ("ein Vertrauensbeweis") fest. Allerdings räumt er ein, mit einem guten Abschneiden gerechnet zu haben. "Unser Ziel war, das habe ich immer klar gesagt, Fraktionsstärke zu erreichen. Und das haben wir deutlich geschafft."

Dass die CSU als Mutterpartei für die JU-Fraktion natürlich der erste Ansprechpartner im Gremium sein wird, ist selbstredend. Einen Freifahrtschein stellt Oesterlein den Christsozialen jedoch nicht aus. Die Junge Union sei bei allen thematischen Überschneidungen trotzdem eine eigenständige Fraktion. Deshalb könne es durchaus passieren das sie in manchen Punkten auch eigene Wege einschlägt.

Im Vergleich zu den anderen Mitbewerbern ist Oesterlein anzumerken, dass er sich freut, weil sein Konzept aufgegangen ist. "Die Menschen wünschen sich eine Verjüngung", macht er auch daran fest, dass mit Lea Schütz (18) die jüngste Bewerberin als erste JU-Nachrückerin nur hauchdünn einen Platz im Gremium verpasst hat. Und dann meint er noch: "Ich freue mich, dass wir so viele Frauen im Gremium haben, wie SPD und Freie Wähler zusammen."

Für Baumgärtner ist die Wahl jedoch nicht nur mit Blick auf das eigene Ergebnis einer "bärenstarken Liste" ein voller Erfolg. Er schaut auch auf die Mitbewerber. Nur in Schneckenlohe hat die SPD noch einen Vorsprung von sechs Prozent. In Ludwigsstadt und Tettau trennt die Union nur ein knappes Prozent von den Sozialdemokraten. Alle anderen Gemeinden haben die "Schwarzen" für sich entschieden.

Keine Kooperation mit der AfD

Unter dem Strich heißt das für das Duo CSU/JU, dass die nächststärkste Fraktion, die SPD, 13 Sitze weniger vorweist. Zudem stellt die CSU mit Klaus Löffler auch noch den Landrat. "Wir sind damit ein Impulsgeber", betont der Kreisvorsitzende daher. Er sendet aber gleich ein Signal hinterher, diese Position nicht ausreizen zu wollen: "Wir sind ein Impulsgeber, der versuchen wird, alle einzubinden."

Nur einer Partei erteilt er eine klare Absage für jegliche Kooperation. "Eine Zusammenarbeit mit der AfD wird's weder punktuell noch in Personalfragen geben", unterstreicht Baumgärtner. Ehe er die drei Vertreter der Alternative in Entscheidungen einbeziehen würde, nähme er sogar Nachteile für die eigene Fraktion in Kauf, verspricht er, eine kompromisslose Haltung gegenüber der AfD im Kreistag.

Das sagen die anderen Gruppierungen

Während CSU und Junge Union feiern, tritt bei der SPD nach der Kreistagswahl eine Ernüchterung ein. Die Sozialdemokraten büßten gleich vier Sitze gegenüber der vorherigen Wahl 2014 ein.

Dennoch gibt sich Kreisvorsitzender Ralf Pohl kämpferisch: "Wir sind immer noch die zweitstärkste Kraft", lautet seine Bilanz. Daher habe das Wort der SPD im Gremium weiterhin Gewicht. "Mit unserem künftig kleineren Team müssen wir eben noch effektiver Arbeiten", schlussfolgert er.

Pohl erklärt, warum die Sozialdemokraten diesen Rückschlag aus seiner Sicht hinnehmen mussten. Da sei der bundesweite Auftrieb der Grünen, die gegenüber 2014 stärkere AfD und vor allem "100 ,CSU‘-Kandidaten mit dem Landrat an der Spitze". Für das SPD-Engagement im neuen Gremium versichert der Kreisvorsitzende, weiterhin eine konstruktive Mitarbeit. Vernünftige Ideen werde seine Fraktion auch mittragen, wenn sie nicht aus den eigenen Reihen kommen. Allerdings werde sich die SPD vorbehalten, in Zweifelsfällen Themen kritisch zu hinterfragen.

Mit Ergebnis zufrieden

Bei den Freien Wählern nimmt Fraktionsvorsitzender Stefan Wicklein das Wahlergebnis gelassen. "Wir haben uns auf den Weg gemacht, das alte Ergebnis in etwa zu halten", erklärt er. Trotz einer größeren Zahl an Kandidaten und Listen sei dieses Ziel beinahe erreicht worden. Nur ein Sitz ging verloren, "und wir waren knapp am neunten Sitz dran". Deshalb seien die Freien Wähler recht zufrieden mit ihrem Abschneiden.

Auch Petra Zenkel-Schirmer, Fraktionsvorsitzende der Frauenliste, ist erst einmal dankbar für jede Stimme, die ihre Gruppierung erhalten hat. Dass es nicht mehr zur Fraktionsstärke reicht, sei zwar ärgerlich, doch wolle sich die Frauenliste daran nicht festbeißen. "Der verlorene Sitz ist bedauerlich, aber das wird uns in unserer Arbeit nicht einschränken", versichert Zenkel-Schirmer. Die FL wolle so aktiv wie in den vergangenen Jahren mitarbeiten. "Ich freue mich schon auf den neuen Kreistag und eine gute Zusammenarbeit - dann hoffentlich mit mehr Frauen als bisher."

Neu im Gremium

Mit drei Räten steigt die AfD neu ins Kreistagsgeschehen ein. "Das haben wir so erwartet, und es ist so eingetreten", zieht Wahlkampfmanager Detlef Rauh eine erste Bilanz. Dieses Ergebnis sei zwar nicht der ganz große Wurf, aber für den Einstieg durchaus achtbar. Bayernweit liege die Kreis-AfD damit auf dem gleichen Level wie vergleichbare AfD-Listen. Die Widerstände gegen seine Partei hätten daher keine Früchte getragen, meint Rauh. Betrachte man dann noch, dass die Kronacher AfD geringere Werbebudgets als andere und keinen Bürgermeister als Stimmenmagneten in ihren Reihen habe, "ist unser Ergebnis doch gut".

Ein weiterer Gewinner der Wahl sind die Grünen. Sie schraubten ihre Ausbeute von zwei auf vier Sitze im Kreistag hoch. "Wir haben uns natürlich gefreut, dass wir uns verdoppelt haben und zudem ein Generationenwechsel stattfindet", erklärt Kreisvorsitzende Edith Memmel. Zwei junge und zwei ältere Vertreter, die obendrein thematisch ein breites Feld abdecken, das sei ein starkes Team.

Selbst die Sitze für die neu hinzugekommenen Parteien, hätten dem Aufwärtstrend der Grünen nicht geschadet. Deshalb betont Memmel: "Über einen Sitz mehr hätten wir uns gefreut, aber zwei sind für uns ein Riesenschritt, um unsere Themen weiter voranzubringen."

Die Sitzverteilung im Kreistag: CSU (19/-2 gegenüber der Wahl 2014), SPD (10/-4), FW (8/-1), JU (4/neu), Grüne (4/+2), AfD (3/neu), Frauenliste (2/-1).