"Woher kommen Sie denn? Aus Kronach. War da nicht mal die Gartenschau? Haben Sie da nicht eine große Festung? Und einen berühmten Künstler gab es doch auch?" Eigentlich gibt es genügend Gründe, warum auch Auswärtige die Kreisstadt kennen sollten - so wie in unserem fiktiven Gespräch. Die Realität sieht aber anders aus. Verlässt man das Frankenland, dann sehen viele Menschen nur einen weißen Fleck, dort wo die Cranach-Stadt liegt. Daran möchte Jonas Geissler etwas ändern.

"Ich habe mal jemanden aus Cham kennen gelernt", erinnert sich der CSU-Stadtrat. Dieser Mann hat ihm erst eine normale Visitenkarte gegeben, dann noch eine zweite. "Botschafter aus Cham" stand darauf. Geissler habe gestutzt, sich dann aber nicht weiter damit beschäftigt.
"Bis der nächste Chamer auf mich zukam und sich das Spielchen wiederholte."


In Cham ganz normal

Aus dem Landkreis Cham werben seit über zehn Jahren Menschen und Unternehmen aktiv für ihre Region. Solche Multiplikatoren sollen den Namen "Cham" durch ihr öffentliches Wirken weithin geläufig machen. Etwa 800 Bürger repräsentieren dort als Botschafter ihre Heimat. Ein Konzept, dass schnell Geisslers Interesse geweckt hat.

"Die Idee haben wir schon relativ lang", erinnert sich das Stadtratsmitglied an Treffen der Jungen Union. Man habe sich anfangs nur nicht dazu durchgerungen, in dieser Sache aktiv zu werden. Nun kursiert die Idee auch in den Reihen der CSU und stößt dort auf eine positive Resonanz. Daher soll das Konzept morgen dem Tourismusausschuss des Kronacher Stadtrats schmackhaft gemacht werden.

"All diejenigen, die überregional tätig sind" wünscht sich Geissler - falls die städtischen Gremien den Antrag positiv bewerten - als Werbeträger für die Kreisstadt. Historische Gruppen, Politiker usw. - es gebe viele potenzielle Kandidaten für den "Botschafterposten". Diese könnte man ohne große Kosten mit Material ausstatten und ihnen zum Beispiel einmal jährlich eine Schulung anbieten, um sie fit für ihre ehrenamtliche PR-Aktion zugunsten der Stadt zu machen.

Dass es genügend Menschen in der Stadt gibt, die auf diesen Zug aufspringen würden, daran zweifelt Geissler keine Sekunde: "Man kennt doch uns Kronacher, wie stolz wir auf unsere Stadt sind."


"Die Sache wäre ganz cool"

Bei einer Kronacherin hat er mit seiner Idee schon offene Türen eingerannt: Tina-Christin Rüger. Die ehemalige bayerische Bierkönigin würde sich nach den vielen öffentlichen Auftritten während ihrer Amtszeit eine solche Werbung für Kronach dringend wünschen. Oft sei sie dabei mit anderen Königinnen aus anderen Regionen zusammengetroffen. "Die haben auf Messen und anderen Veranstaltungen nicht nur ihr Produkt beworben, sondern auch ihre Heimatregion präsentiert", erzählt sie. Als Bierkönigin habe sie das mangels Material leider nur sehr eingeschränkt für Kronach und den Frankenwald tun können. Deshalb glaubt sie an Geisslers Idee: "Die Sache wäre ganz cool."

Denn auch sie meint, dass sich die Auffassung vieler Auswärtiger ändern müsse, die heute noch so aussehe: "Für die hört Bayern irgendwo im Süden auf. Und Oberfranken wird vergessen."