Ganze Bücher könne er darüber schreiben, meint Karlheinz Schäck. Gemeint sind die Zeiten, die er in der Diskothek "Brünnla", die anfangs "Don Quichotte" hieß, verbracht hat. Schäck war einer der ersten DJs dort.

Wie am Montag bekannt wurde, bleibt die Traditions-Diskothek in Rothenkirchen bis auf Weiteres geschlossen. Der Betreiber, die Live-Veranstaltungsservice GmbH, hat nämlich Eigenantrag auf Einleitung eines Insolvenzverfahrens gestellt.

Vor 36 Jahren eröffnet
Vor 36 Jahren wurde die Diskothek von der Familie Treuner eröffnet - mit vielen Ehrengästen. Schäck weiß noch genau das Datum: Am 25. Januar 1979, um 20 Uhr.
"Als ,Don Quichotte‘ war es eine der ersten Diskotheken in Deutschland", erinnert er sich. "Rainer (Fips) Treuner und Wolfgang Niermann hatten es möglich gemacht, den alten Treuner-Saal so umzubauen, dass daraus die Diskothek ,Don Quichotte‘ wurde", so Schäck weiter.

Bei der ersten Veranstaltung wenige Tage später seien "Phil&John” die Stargäste gewesen. ",Phil&John‘ war in den 70-er Jahren ein erfolgreiches deutsches Schlagerduo, ihr größter Hit ,Hello Mary Lou‘."

Karlheinz Schäck war nicht nur einer der ersten DJs im "Don Quichotte", sondern vermittelte auch hochrangige Künstler wie "Münchner Freiheit", Wolfgang Petry, Jürgen Drews, "die Flippers" oder "Pur".

"Auch die Popgruppe ,Clout‘ aus Südafrika war schon unter Vertrag im ,Don Quichotte‘. Als sie den Durchbruch als europaweite Nummer Eins in den Hitparaden mit ,Substitute‘ schaffte, war die Gruppe zu Gast in Rothenkirchen."

"Immer volles Programm und volles Haus"
Schäck schwelgt in Erinnerungen: "Man kamgar nicht mehr nach Hause. Mittwochs, freitags bis sonntags - immer volles Programm und volles Haus. Da half jeder mit. Da fragte auch keiner, was krieg' ich als Gage. Essen und Getränke waren stets frei bei den Treuners. Und Resi kochte spitze. Sogar übernachtet wurde bei den Treuners." Bei den sogenannten Gasbardins Hypnoseshows sei der ganze Saal aus dem Häuschen gewesen, berichtet der Musiker von den besten Zeiten in der Rothenkirchener Diskothek. "Modenschauen, Bayrischer Abend, Gesangswettbewerbe und auch der Bayerische Rundfunk machte nicht Halt beim Treuner. Da denke ich noch an die Sendung ,Sagst wast magst‘ - zwei Tage Aufnahmen mit einer Hitparade der Zuschauer. Mein lieber Mann, das war was."

Nach einiger Zeit habe man DJ-Verstärkung gebraucht. Schäck nennt Namen, die vielen im Kreis wohl noch bekannt sein dürften: Hans-Walter Wittig (HaWaWi) zum Beispiel, Winfried Reier (genannt der "Winzer"), Poldi (Leo Lawine) und Thomas Auer (heute Radio Eins).

Auch als die Diskothek schon "Brünnla" hieß, sei es ähnlich weitergegangen - mit Erfolg. Zumindest so lange, bis "der letzte Motor", wie Schäck den damaligen Inhaber Stefan Treuner nennt, starb.

"Das war in den 80-ern unser zweites Zuhause", "Was ich da für Stunden runder getanzt hab!", "Das war meine erste Diskothek, in der ich war", "Erinnerungen kommen da einem hoch - Wahnsinn. Gänsehaut. Geile Zeiten." Die Reaktionen auf die Nachricht, dass die Traditions-Diskothek "Brünnla" in Rothenkirchen geschlossen ist, sind nicht nur auf der Facebook-Seite des Fränkischen Tags von Traurigkeit und Erinnerungen an eine schöne Zeit geprägt.

Bedauern über die Schließung des Brünnlas und der Gaststätte Treuner äußert auch der Ehrenpräsident der Rothenkirchener Faschingsgesellschaft, Hans Möckel. "Die Gastwirtschaft Treuner, Brünnla und Fasching gehören irgendwie zusammen", meint er. In den Räumlichkeiten sei vor über 30 Jahren schließlich die Idee des Faschings geboren worden. Im Treunersaal haben die ersten Büttenabende stattgefunden.

"Es tut mir in der Seele weh"
Doch nicht nur an den Fasching, der auch heuer wieder stattfinden soll, erinnern sich viele, sondern beispielsweise auch daran, dass sie dort ihren Ehepartner kennen gelernt haben. Unser Chefredakteur Frank Förtsch beispielsweise. Am 2. Mai 1987 hat er dort seine heutige Ehefrau Alexandra getroffen. Und auch journalistisch hat er im "Brünnla" seine Anfänge gemacht, hat beispielsweise von den Auftritten von "Pur" oder "Münchner Freiheit" berichtet.

"Es tut mir in der Seele leid, dass diese modernisierte Gaststätte geschlossen ist", sagt auch die Nachbarin, die Inhaberin von Mode-Sport Scherbel, Brigitte Porzelt. "Ich hoffe, dass sich da schnell was bewegt!" Das hofft auch Bürgermeister Hans Pietz. Seiner Meinung nach stehen die Chancen nicht schlecht, zumal es sich bei Treuner um eine renommierte und gut eingeführte Gaststätte handelt. Was die Diskothek angeht, sind einige Facebook-Nutzer allerdings der Meinung, "die besten Zeiten sind vorbei - leider".