"Egal ob Medikamente gut sind oder nicht, ich nehme mein Ginkgo und mir geht es gut", sagte Gunda Gareis resolut, nahm Norbert Grundhöfer etwas den Wind aus den Segeln und hatte die Lacher auf ihrer Seite. "Naja, wenn sie daran glauben" meinte der Dozent schmunzelnd. Gunda Gareis gab nicht auf und bewies beim kleinen Test mit Wortspielen, Zahlenreihen und Sprichwörtern, dass sie sich auf "ihr Ginkgo" verlassen kann. "Ich bin fit mit meinen 78 Jahren, wenigstens im Kopf", lautete ihr Resümee und alle, auch Grundhöfer, gönnen ihr die Wirkung "ihres Ginkgo".

"Wenn das Gedächtnis nicht mehr so will", lautete der Vortrag von Norbert Grundhöfer beim jüngsten Seniorennachmittag in Wallenfels. Das heißt aber nicht, dass man dement wird oder sich "Alzheimer" einschleicht. Das heißt nur, man wird älter. Denn nicht nur der Körper wird älter und verändert sich, nein auch das Gehirn wird älter, etwas langsamer und erinnert sich von Zeit zu Zeit eben nur noch an das Wichtigste.

Gedächtnis entstand aus dem Geruchssinn

All dies ist aber kein Anlass dazu, Angst zu haben, es ist ganz normal. Wenn man sich überlegt, dass von den 10¹³, das heißt zehn Trillionen Zellen, täglich ca. 85 000 verloren gehen, ist das noch nicht bedenklich. Im Lauf des Lebens verliert der Mensch so etwa zehn Prozent davon. Erst bei 30 Prozent Verlust könnte man von Alzheimer und Demenz reden. Das Gedächtnis ist in früher Vorzeit aus dem Geruchssinn entstanden. Alles wurde nach Geruch sozusagen registriert und in der Erinnerung abgelegt, bis man es wieder brauchte. Auch heute bleibt der Geruchssinn bis ins hohe Alter erhalten. Deshalb wecken besondere Gerüche die Erinnerungen. "Wer einen länger anhaltenden Geruchsverlust feststellt, der sollte zum Arzt gehen, das könnte allerdings ein Vorzeichen für Alzheimer sein", erklärte Norbert Grundhöfer.

Doch man kann auch im Alter noch viel für seine "Gedächtnisfitness" tun. Bewegung, soziale Kontakte, viel Trinken (Wasser, Tee) und Gehirntraining helfen und machen Spaß. "Das Gehirn verträgt keinen Stress, da streikt es und man wird vergesslich. Deshalb gelassen bleiben, dann funktioniert auch das Gedächtnis recht lange. Was auch nicht gerade gut für den Denkapparat ist, sind viele Medikamente, immer nur Routineaufgaben, Mangelernährung, Einsamkeit und zu viel Fernsehen, das oft nur so nebenbei läuft und das Gehirn nicht im geringsten fordert. Richtig gut tut Bewegung, sich für Neues interessieren, Geselligkeit." Und dass dies bei den Senioren in Wallenfels funktioniert, zeigte die lebhafte Diskussion während und vor allem am Ende des Vortrags.

Das Hirn ist komplex, es besitzt keine "Schubladen", um Erinnerungen oder Gelerntes darin abzulegen und nach Bedarf wieder herauszuholen. Das Gehirn "denkt mit" und unterscheidet die einzelnen Erinnerungen. Wer kennt das nicht, da will man sich was merken, braucht es aber nie wieder. Das Ultrakurzzeitgedächtnis speichert deshalb nur kurz, was nicht sofort wieder gebraucht wird, wird rausgeschmissen. Beim Kurzzeitgedächtnis halten sich die Eindrücke einige Zeit, aber auch da entfernt das Hirn irgendwann, was nicht mehr gebraucht wird. Wichtig für den Mensch ist und bleibt das Arbeits- und Wiederholungsgedächtnis, das ins Langzeitgedächtnis übergeht. "Alles, was wir gelernt haben, immer wieder gebraucht und angewandt haben, werden wir nicht so schnell vergessen. Wir alle wissen, was dreimal drei ist oder wie man isst und trinkt. All das ist erarbeitet und im Langzeitgedächtnis abgelegt", sagt Grundhöfer. Nun wäre es müßig, zu sagen, nur das Erlernte hält sich. Nein, es kommen Eindrücke ins Gedächtnis über die Augen. Man sieht etwas und erinnert sich immer, was es ist und was man damit macht. Auch über das Gefühl behält man vieles im Gedächtnis. Ein Teil des Hirns ist für das Wissen und ein anderes für Bewegungsabläufe, die dann automatisch geschehen.

Man lernt immer mehr dazu

"Wir müssen hier nichts machen. Oder sagen sie jedes Mal ihrem Gehirn, heb den Fuß, ich gehe jetzt?", fragte der Dozent. "Und dann gibt es natürlich noch das Autobiografische Gedächtnis, das uns immer wissen lässt, wann und wo wir im Urlaub waren oder wichtige Tage wie Hochzeit usw. Soweit so gut könnte man sagen. Die Nervenzellen sind da und man lernt immer mehr dazu. Das stimmt schon, aber im Lauf des Lebens werden wir älter und die Zellen auch. Sie können nicht mehr so gut und schnell speichern. Deshalb sind oft ältere Erinnerungen frischer als neue, weil damals auch die Nervenzellen frischer und jünger und bessere Speicher waren. Doch viele Eselsbrücken helfen, sich zu erinnern. So kann man Namen mit Bildern verknüpfen oder Zahlen mit Reimwörtern. Trainieren kann man das Gedächtnis mit dem Spielen eines Instrumentes oder dem Singen. Hier müssen besonders viele Erinnerungen aktiviert werden. Bleiben sie aktiv, gesellig und konzentrieren sie sich auf das Wesentliche, dann wird auch ihr Gehirn und ihr Gedächtnis noch lange munter bleiben und nicht in Trägheit verfallen", gab Norbert Grundhöfer den Senioren und Seniorinnen mit auf den Weg.