Als große Seefahrer- und Handelsnation lernten die Niederländer vor vielen Jahrhunderten sowohl das Reisen als auch die Errungenschaften im fernen und nahen Ausland zu schätzen. Im Reformationsjahr verband der "Holland Christian Male Choir" (HCMC) die beiden Vorlieben aufs Angenehmste: Er besuchte seine deutschen Nachbarn mit einem Programm, das unter dem Namen "500 Jahre Luther - Chorkonzert" die Best-of-Kirchenlieder aus Deutschland, Italien, Frankreich und England sammelte. Über Luthers Freundschaft zu Lucas Cranach d.Ä. steht Kronach in besonderer Weise in Verbindung zum Reformator.


65 Männer

An diesem Wochenende gab er sich sogar selbst die Ehre beim Historischen Stadtspektakel. Am Sonntag fand überdies der evangelische Dekanatstag auf dem Landesgartenschaugelände statt. Das Chorkonzert am Freitagabend stimmte auf diese Veranstaltungen bestens ein. "Stimmgewaltig" ist zwar ein oft bemühter Ausdruck in der Beschreibung von Gesangsereignissen, in diesem Fall aber mehr als angemessen, schließlich besteht der HCMC aus 65 Männern. Deren Freude am Singen war in jeder Sekunde herauszuhören und die bekannten kirchlichen Gassenhauer waren genau richtig für diesen heißen Abend in der Christuskirche. Mit dem englischen "Rise up, oh church, of god!" gelang ein schmissiger Einstieg. Dass der Chor auch durchaus sanfte und feinabgestimmte Töne beherrscht, zeigte er mit dem Sanctus "Heilig, heilig, heilig" und der Bach-Kantate "Jesu bleibt meine Freude". Ganz in ihrem Element schwollen die Männerstimmen zu kräftigem Fortissimo bei "Die Himmel erzählen" an, dessen Text dem Psalm 19 entnommen ist.


Neffe des Dirigenten an der Orgel

Chorleiter Freddy Veldkamp dirigierte präzise mit klaren Dynamikanweisungen, die der Chor unmittelbar umsetzte. Veldkamps Spezialgebiet sind Männerchöre in großer Besetzung. Der größte besteht aus 150 Männern, der HMCM mit seinen 65 Stimmen ist das kleinste Ensemble. Alle sechs Wochen treffen sich die Laiensänger zum Proben. Als Solist wirkte aus dem Chor heraus Geert Westerhof. Mit weittragender Stimme transportierte er einfühlsam die Demut vor dem Schicksal und vor Gott mit "Auf auf mein Herz mit Freuden" und einem Abendlied. Lobgesänge in lateinischer Sprache, Gesänge über Barmherzigkeit und Frieden und englische Lieder gaben einen Überblick über das weite Repertoire des Chors. Vokale Intermezzi von Geert Westerhof und Soli an der Orgel sorgten für Abwechslung im Programmablauf. Mit Wilco Veldkamp, dem Neffen des Dirigenten, hatte der Chor einen hervorragenden Organisten an der Seite. Er erwies sich als versierter Begleiter und als Solist, der sein Instrument beherrscht.


Dramatische Steigerung

Mit musikalischem Ausdruck und durchdachter dramaturgischer Steigerung von Händels "Ombra mai fu" läutete er die Abschlusssequenz des Chores aus vier deutschen Dankes- und Lobliedern ein. Wie das vorweggenommene Finale erklang das hymnische "Lobt den Herrn der Welt". Aber beim letzten "Dank sei Dir" gelang dem Chor eine dramatische Steigerung zum Abschluss.