Manipulation, Korruption, Einwirkung illegaler Kräfte - seit geraumer Zeit standen ungeheuerliche Verdächtigungen im Raum. Sollte es tatsächlich beim Viertelmeisterlauf, den vier Mal in Folge Stefan Wicklein mit seinen Bräuknechten für sich entscheiden konnte, nicht mit rechten Dingen zugegangen sein? Um diese empörenden Mutmaßungen aus der Welt zu schaffen, fand heuer kein "Wettrennen" mit einem 70-Liter-Fass durch die Amtsgerichtsstraße statt. Vielmehr maßen sich dort die wackeren Teilnehmer erstmals in einem kulinarischen Dreikampf, über deren genauen Aufgaben im Vorfeld größtes Stillschweigen geherrscht hatte.

Klößwurf, Kunigundenschluck und Bratwurstellentanz - das waren die neuen Disziplinen, mit denen die Viertelmeister der Oberen Stadt Jürgen Ditsche, Stefan Wicklein, Jens Schick und Markus Steller ihre Gegner herausforderten. Acht Viererteams stellten sich dem neuen Wettbewerb. Hierzu zählten neben den Viertelmeistern die Teams Bürgerwehr, die Tapferen Weiber, die Wirtzweiber, die Bräuknechte, die Cronacher Ausschuss Compagnie, der SV Höfles und die Mimen der Rosenbergfestspiele "Schillers Räuber komma alle". Diese verließen eigens für einige Zeit ihre Spielstätte auf der Festung Rosenberg, um ihre Fähigkeiten in diesem Wettkampf unter Beweis zu stellen. Und wer hätte das gedacht: Sie machten ihre Sache ganz hervorragend.


Das Geheimnis wird gelüftet

Mit dabei im Viertelmeister-Team war natürlich auch Wicklein, der eingangs die Regeln erläuterte und ein wachsames Auge auf Einhaltung derselben hatte. So wurde endlich das Geheimnis gelüftet, was es mit dem Historischen Dreikampf auf sich hat. Es handelt sich dabei um einen Staffellauf, bei dem im K.o-Verfahren jeweils zwei Teams gegeneinander antreten und dabei drei wohlmundende, aber durchaus knifflige Aufgaben lösen müssen.
Gefragt waren Gleichgewichtssinn, kulinarisches Feingefühl, Kooperationsvermögen, Zielsicherheit und natürlich Schnelligkeit. Dem Gewinner-Team lockte ein großes Fass Kaiserhof-Bier. Als kleinen Vorgeschmack und zur Stärkung durften alle Teilnehmer vorher schon einmal einen Schluck Kunigundenmaß genießen. Dieser durfte aber nicht zu groß ausfallen, denn dies war zugleich die erste Disziplin. So galt es, von einem Kunigundenmaß mit lediglich einem Schluck möglichst genau "a Viertel Seidla" zu trinken. Falls dies nicht in einem tolerierbaren Rahmen geschah, wurde wieder nachgeschenkt und es musste erneut ein entsprechender Schluck genommen werden.

Die Kunigundenmaß-Bezwinger mussten von der Amtsgerichtsstraße nach unten zu ihren Mannschaftskollegen rennen, die die zweite Aufgabe, den Klößwurf, zu meistern hatten. Dabei musste ein nasser Tennisball mittels eines Kochlöffels in einen großen "Klöß-Houfn" befördert werden. Ihre anderen beiden Teammitglieder mussten beim Bratwurstenellentanz zusammen eine Bratwurstelle zwischen Zähnen und Lippen festhalten und gleichzeitig dabei die Amtsgerichtsstraße hinauf laufen. Sollte die Bratwurst brechen, musste ihr größerer Teil aufgegessen und der kleinere Teil entsprechend wieder mit dem Mund transportiert werden. Hierüber wachten zauberhafte Hochmoorgeister, die in ihren neckischen Negligees neben den Teilnehmern her liefen.


Viertelmeister wurden diqualifiziert

Ganz wichtig bei alledem: Die Teilnehmer mussten einen Steinmetz-Klüpfel als Starterlaubnis mit sich führen. Wer dies vergaß, wurde disqualifiziert. Genau dies passierte auch - man höre und staune - den Viertelmeistern und zwar ausgerechnet Wicklein selbst, der daraufhin schnaufte: "Wer hat denn diese Regeln gemacht?" Allerdings hätte es für sein Team auch ansonsten nicht zum Sieg gereicht, waren sie doch den Mimen der Festspiele deutlich unterlegen, die scheinbar während ihrer Zeit in Kronach schon die Vorzüge der edlen Speisen und Getränke zu schätzen gelernt haben.

In den drei weiteren Vorrunden-Wettkämpfen besiegten die Wirtzweiber die Tapferen Weiber, der SV Höfles die Bräuknechte sowie die Bürgerwehr die Ausschüsser. Im zweiten Halbfinale "Festspiele" gegen "Bürgerwehr" stürzte leider ein Teilnehmer unglücklich, sodass der Wettkampf abgebrochen werden musste. Wann dieser fortgesetzt wird, steht noch nicht fest.