Rudi Gareis greift in das offene Regal und hebt einen Drehschalter in die Höhe. Er betrachtet ihn von allen Seiten. Sorgfältig nebeneinander angeordnet, stehen hier Seite an Seite die verschiedensten Elektronik- und Leiterplattenschaltsysteme - die neuesten Serien, aber auch ältere Modelle aus dem B & S-Museum ab dem Jahre 1939, allesamt gefertigt von der Firma "Bernhardt & Schulte". Die kleine Muster- und Geschichts-Ausstellung, die einen eindrucksvollen Einblick in die breite Angebotspalette des weltweit agierenden Unternehmens gibt, befindet sich im Besprechungs- und Empfangszimmer des Werks II in Steinwiesen.

Die Firma "Bernhardt&Schulte GmbH & Co.KG" mit Hauptsitz in Meinerzhagen im Ruhrgebiet ist ein Familienunternehmen, das mittlerweile in fünfter Generation geführt wird.
Die Geschäftsbereiche erstrecken sich über die Entwicklung und Herstellung von Einbauschaltern für Geräteapplikationen, die Herstellung technischer Formteile aus Thermo- und Duroplasten, die Konstruktion und Erstellung von Spritzgießwerkzeugen sowie die Nachbearbeitung, Montage und Bedruckung von Kunststoffteilen. Das Werk II in Steinwiesen wurde zum 1. Juli 1965 von den Gründervätern Karl-Heinz Schulte und Werner Bernhardt ins Leben gerufen. Die Produktionsstätte befindet sich in den Räumen eines ehemaligen ausgemusterten Sägewerkes. Betriebsleiter des Werks II wurde Gerwin Gremer.

"Die Produktion für Kunststoffteile wurde damals mit 33 Mitarbeitern im Drei-Schichtbetrieb aufgenommen. Produziert wurden vor allem Isolationsteile, wie Griffe für Bügeleisen, Seitenteile für Fritteusen sowie Drehknöpfe für den eigenen Schalterbau", erklärt Geschäftsführer Rudi Gareis. Zu den Kunden zählten insbesondere die marktnahe fränkisch-bayerische Hausgeräteindustrie - wie die AEG in den Werken Nürnberg, Rothenburg und Uffenheim, die Rowenta-Werke in Offenbach und Kleinauheim, die Steba in Bamberg aber auch das Leuchten-Werk in Traunreut.

Bereits 1967 wurde die Duroplastfertigung verlagert und eine Produktionslinie für Drehschalter eingerichtet. Damals wurden täglich rund 150 Schalter gefertigt. Heute sind es - je nach Ausführung - bis zu 25 000 elektrotechnische und elektronische Schaltsysteme aller Art, die weltweit für alle namhaften Hausgerätehersteller und Maschinenbauer täglich das Werk verlassen.

Durch ständige Innovationen sowie Neuentwicklungen von Schaltern und recht komplexen Schaltsystemen erarbeitete sich "B&S" einen Spitzenplatz in der Branche.

Neue Konstruktionen und Anpassungen sowie Sofortlieferungen zählen zum Alltag des Unternehmens, das schon seit vielen Jahren zertifiziert ist sowie zahlreiche internationale Auszeichnungen hinsichtlich Qualität, Zuverlässigkeit, Flexibilität, Innovation und Preis erhalten hat. Ein echter Produktionsschub für das Werk II war der Neubau der Produktionshalle mit Einrichtung einer axialen Fertigungslinie. Die vielen langjährigen Mitarbeiter sind dabei das höchste Gut des Unternehmens. Derzeit zählt "B&S" in Steinwiesen insgesamt über 110 Mitarbeiter - im Betrieb, in Heimarbeit oder extern in Tschechien. Die Fluktuation ist gering. Viele von ihnen sind schon 40 Jahre und mehr im Unternehmen tätig gewesen und hätten hier das Rentenalter erreicht.

Die Firma "Bernhardt&Schulte" wurde bereits 1918 ins Leben gerufen und ein Jahr später ins Handelsregister eingetragen. Sie ist derzeit das drittälteste Mitglied des VDE (Verband der Elektrotechnik), eine national und international akkreditierte Institution auf dem Gebiet der Prüfung und Zertifizierung. 1932 begann das Unternehmen mit der Herstellung von Schaltern für die damals neuartigen Elektroherde sowie anderer Haushaltsgeräte. Nach dem Zweiten Weltkrieg war "B&S" einer der ersten der Branche, der das völlig neue - stark aufkommende - Material Kunststoff für die Schalterproduktion verwendete. "B&S" in Steinwiesen sei stolz auf das vergangene halbe Jahrhundert und gehe mit viel Freude in die kommenden 50 Jahre. Gefeiert wurde das schöne Jubiläum am Samstag mit einem Festakt im Beisein vieler geladener Gäste.