In den Kronacher Schulen ist der Handyempfang prima, doch Smartphones & Co. stören den Unterricht nicht, denn sie sind ausgeschaltet. So will es die Schulordnung.

Wer sich von der Schülerschaft über diese Vorgaben frech hinwegsetzt, der muss befürchten, dass ihm das Handy weggenommen wird: einen Tag lang oder - bei Wiederholungstätern - sogar das ganze Schuljahr.
Auf das Schulgelände mitnehmen dürfen die Schüler ihre Handys schon, aber die elektronischen Spielzeuge müssen die ganze Zeit, in der sich die Kinder und Jugendlichen auf dem Schulareal aufhalten, abgeschaltet sein. Das gilt auch für die Pausen, denn da sollte sich das Gehirn etwas erholen und nicht mit Internetsurfen oder SMS-Schreiben angestrengt werden.

Anita Dauer, Rektorin der Gottfried-Neukam-Mittelschule, lässt Handys, mit denen auf dem Schulgelände telefoniert wird, sofort einziehen. Beim ersten Mal gibt sie das Telefon an die Eltern persönlich zurück. Die dürfen sich das Handy des Kindes dann in der Schule abholen. Und die Erziehungsberechtigten kriegen gratis noch eine Belehrung dazu, die sie an ihren Nachwuchs weitergeben sollen. Das wirkt! Denn an der Gottfried-Neukam-Schule gibt es für Wiederholungstäter eine drakonische Strafe: "Beim zweiten Mal behalte ich das Handy für das gesamte Schuljahr ein. Das kriegen die Eltern mit dem Zeugnis für ihr Kind wieder", deutet Rektorin Dauer an, dass sie bei den Unbelehrbaren kurzen Prozess machen würde. "Machen würde" deshalb, weil die Rektorin diese Maßnahme noch nicht ergreifen musste. Handyentzug für ein Schuljahr wäre wohl die schlimmste aller Strafen.

Es wird viel Unfug getrieben

Anita Dauer lässt auch die ausgeschalteten Handys bei Proben einsammeln, damit keiner auf dumme Gedanken kommt, das Gerät mal kurz anzuschalten und im Internet nach einer Lösung für die gestellte Aufgabe zu suchen. Eigentlich bräuchten die Kinder gar kein Handy in der Schule, sagt die Rektorin, denn wenn sie zu Hause anrufen müssten, könnten sie das auch vom Sekretariat aus tun. Die Smartphones mag Anita Dauer überhaupt nicht, denn damit werde viel Unfug getrieben. Vor allem Cybermobbing sei jetzt verstärkt zu beobachten.

Nicht ganz so drakonisch sind die Strafen für Handysünder in der Lucas-Cranach-Schule. Das berichtet Rektorin Anita Neder. Sie geht davon aus, dass etwa 70 Prozent der Grundschüler ein Handy besitzen. Auch Erstklässler schon! Bei einem der Abc-Schützen hat neulich das Telefon gebimmelt. "Der hat sich nichts dabei gedacht", sieht Anita Neder die Sache nicht so dramatisch. Dem jungen Mann und seinen Eltern hat sie eingeschärft, dass das Handy auf dem Schulgelände ausgeschaltet sein müsse. Die Rektorin berichtete auch von gedankenlosen Eltern, die ihre Kinder während des Unterrichts angerufen hätten. Es sei nicht notwendig, dass Handys mit in die Schule genommen würden. Wer zu Hause anrufen wolle, der könne das auch vom Büro aus tun. Und wenn ein Kind den Schulbus verpasst habe, dann komme die Schulweghelferin mit dem Pechvogel in die Schule und verständige die Eltern.

Anita Neder hat beobachtet, dass der Blick der Schüler, wenn sie das Schulgelände verlassen haben, stets nach unten gerichtet ist: auf das Display des Handys.
Franz Mairoser, stellvertretender Leiter der Siegmund-Loewe-Schule, wies darauf hin, dass es nicht verboten sei, Handys mit in die Schule zu nehmen. Aber: "Handys und digitale Speichermöglichkeiten dürfen nicht eingeschaltet sein." Auch in den Pausen nicht. Denn da sollten die Schüler "abschalten". In den Pausen seien an Schulen - seines Wissens nicht in Kronach - illegal heruntergeladene Musik und pornografische Inhalte getauscht worden.

Über die Konsequenzen der verbotenen Handynutzung seien die Realschüler aufgeklärt, sagt der Konrektor. Wer erwischt werde, und das passiere selten, müsse die Konsequenzen tragen: Das Handy könne vorübergehend einbehalten werden und es gebe eine Schulstrafe: Verweis. Damit kein Schüler bei Prüfungen in Versuchung gerate, gelte dann, dass die Handys vor dem Klassenzimmer eingesammelt würden.

Auch im Kaspar-Zeuß-Gymnasium besteht ein grundsätzliches Verbot, Handys auf dem Schulgelände einzuschalten. Die Mobiltelefone würden sogar hinter den dicken Mauern funktionieren, müssen aber aus bleiben. Einzige Ausnahme: Wenn ein Schüler seine Eltern benachrichtigen will, darf er das Handy nach Rücksprache mit einem Lehrer einschalten und anrufen.

"Wird ein Schüler beim Telefonieren auf dem Schulgelände erwischt, dann handhaben das die Lehrer von Fall zu Fall flexibel", sagt stellvertretender Schulleiter Günther Helmreich. Manche Pädagogen belassen es bei einer Ermahnung, vor allem bei Ersttätern, in manchen Fällen muss das Handy bis mittags im Sekretariat bleiben. Bei Wiederholungstätern hat deren Handy schon mal eine Woche Sendepause im Sekretariat. In der Regel halten sich die Gymnasiasten an das Telefonierverbot in der Schule. Erwischt werden nicht viele, "aber was sie hinter unserem Rücken treiben, wissen wir nicht", meint Günther Helmreich.