Kronach — "Wir setzen ein deutliches Signal für die Arbeitnehmer im Kampf um gute Arbeit und um ein soziales Europa", betonte der katholische Betriebsseelsorger in Kronach, Eckhard Schneider beim Arbeitnehmerempfang des DGB- Kreisverbands Kronach in der ehemaligen Synagoge am Vorabend zum 1. Mai. Mit konkreten Forderungen setzten die folgenden Redner einige Akzente als Schwerpunkte zukünftiger Gewerkschaftsforderungen und der katholischen Arbeitnehmerpastorale der Erzdiözese Bamberg. Einer der Hauptredner war der Leiter der katholischen Betriebsseelsorge Bamberg, Manfred Böhm.

"Arbeit ist nicht alles im Leben"

Zum Motto "Gute Arbeit" fand er deutliche Worte: "Arbeit ist nicht alles im Leben, es gibt viel Schöneres, Lebens- und Erlebenswertes darüber hinaus.
Aber ohne Arbeit ist eben alles nichts." Wer je seinen Arbeitsplatz verloren habe, und sei es nur für begrenzte Zeit, werde diese Erfahrung schmerzhaft bestätigen können. Erwerbsarbeit sei eine "wichtige Quelle der menschlichen Selbstentfaltung" und trage zum Selbstwertgefühl und der Identität eines Menschen bei. Die Frage, was "gute Arbeit" ausmache, beantwortete Böhm mit dem Stichwort angemessene Bezahlung, wobei der Mindestlohn nicht die Lösung des Problems sei, aber ein wichtiger Baustein. Dass Langzeitarbeitslose bei der Wiederaufnahme einer Arbeit keinen gesetzlichen Mindestlohn erhalten sollen, wie es ein Gesetzentwurf vorsieht, bezeichnete Böhm als "moralische Schande". Applaus bekam er auch für seine Aussage, dass gute Arbeit unbefristete Arbeitsverträge brauche.

Plädoyer für arbeitsfreien Sonntag

Ein weiterer Aspekt seien menschengemäße Arbeitsbedingungen. "Die Leistungsverdichtung nimmt seit Jahren bedenklich zu. Ganz offensichtlich arbeiten wir am Anschlag und wenn wir so weitermachen, wird die psychische und physische Erschöpfung zum Normalzustand, mit allen Konsequenzen für die Gesundheit und für das Zusammenleben in der Gesellschaft", so Böhm. Und gute Arbeit brauche zudem eine regelmäßige Unterbrechung, den Sonntag. Die Abschaffung des Sonntags als arbeitsfreier Tag bezeichnete Böhm als "kulturellen Mord".
Mit dem Thema soziales, demokratisches und gerechtes Europa und der Integration ausländischer Mitarbeiter befassten sich der Geschäftsführer der DGB Region Oberfranken, Matthias Eckardt und Wolfgang Barnickel, Betriebsratsvorsitzender bei Dr. Schneider, Neuses: "Der Mensch muss wieder zum Mittelpunkt des politischen Handelns in Deutschland, in Europa und weltweit werden." In manchen südosteuropäischen Ländern sei die Situation vor allem für junge Menschen dramatisch, wie Eckardt an Fakten feststellte. Die wirtschaftliche Schwäche dort, gepaart mit mangelnden Zukunftsperspektiven, ergebe eine hochbrisante Mischung, die für Rechtspopulisten ein Nährboden sei.
Dritter Bürgermeister Hans Simon (SPD) erinnerte daran, dass der Arbeitnehmerempfang auf historischem Boden stattfinde: Die ehemalige Synagoge wurde 1883 errichtet; 1890 wurde hier erstmals der 1. Mai als internationaler Kampftag der Arbeitnehmerbewegung begangen. eh