"Im Aufzug kriegt man zu dritt Platzangst. Der Brandschutz muss neu gemacht werden. Und jeder weiß, dass an den Toiletten etwas gemacht

So erhält das alte Bezirksamt neue Büros

Tagesordnungspunkt 7 der Sitzung des Kronacher Kreisausschusses begann am Montagvormittag mit einem Vortrag von Günther Daum. Der Kreiskämmerer zählte auf, was am Landratsamts-Gebäude in der Güterstraße nach 50 Jahren Nutzung so alles getan werden muss. Wie bei der alljährlichen Vorstellung des Haushalts war er in seinem Element und las in aller Ruhe große Zahlen vor. Die auf der Tagesordnung geäußerte Absicht, das Bauvorhaben unbesprochen an den Kreistag weiterzuleiten, der einen Grundsatzbeschluss zum Umbau fassen sollte, schien beschlossene Sache.

Dann aber kam es anders. 3000 Euro könnte der Umbau insgesamt kosten. Für jeden der etwa 4300 Quadratmeter, die das Landratsamt an Fläche umfasst. Förderung könne man dabei etwa 1,5 Millionen Euro enthalten, so Daum. Bei dieser Aussage meldete sich Timo Ehrhardt (SPD) zu Wort.

"Hat man überhaupt schon einmal über einen Ersatzneubau nachgedacht?", fragte der Ludwigsstadter Bürgermeister anhand der die Zehn-Millionen-Euro-Marke übersteigenden Baukosten. Und brachte damit Landrat Klaus Löffler (CSU) zum Schmunzeln. Warum? Genau das, so erklärte Löffler, habe er den Kämmerer auch schon gefragt.


Ehrhardt stößt auf offene Ohren

Jetzt war die Diskussion eröffnet. Kreiskämmerer Daum: "Die Idee eines Neubaus kam schon mehrfach auf, wurde aber immer wieder schnell verworfen." Ehrhardt entgegnete: "Es stand aber auch noch nie so klar im Raum, dass die Sanierungskosten deutlich die zehn Millionen übersteigen könnten."

Auch im Kreisausschuss: Landkreis Kronach will Wohnungsnot bekämpfen

Deshalb sollte dem Kreistag in seiner nächsten Sitzung am 16. Juli eine Gegenüberstellung der Kosten beider Varianten aufgezeigt werden. Daum: "So ein Kostenvoranschlag kostet Geld und ist in drei Wochen nicht zu machen."

Außerdem müssten die Fördergelder des Bundes im Rahmen des Kommunalen Investitions-Programms (KIP) zeitnah beantragt werden. Daum: "Die Prüfung eines Neubaus gefährdet die Förderung."

Bei Jens Korn (CSU) stieß die Ehrhardt-Anfrage dennoch auf offene Ohren. "Ich würde gerne eine fundierte Prüfung haben. Das wäre mir der Aufwand wert." Zustimmung erhielt er von seinen Parteikollegen Reinhold Heinlein und Bernd Liebhardt. Letzterer schlug vor, Architekten im Kreistag zu den Herausforderungen eines Neubaus zu befragen. "Vielleicht ist nach diesen Aussagen schon eine Einschätzung möglich."


Wie beim Kreiskulturraum?

Richard Rauh und Ralf Pohl (beide SPD) forderten ebenfalls für die Abstimmung einen Vergleichswert ein. Und auch Stefan Wicklein (FW) sagte: "Wir müssen wissen, ob zwischen Sanierung und Neubau ein großer finanzieller Unterschied ist oder ob er ähnlich wie beim Kreiskulturraum gar nicht so sehr ins Gewicht fällt."

Kämmerer Daum war nicht begeistert. "Wir haben ja auch das Bezirksamt nebenan erst renoviert, das darf man auch nicht vergessen." Landrat Löffler versprach, auf die Wünsche der Kreisräte einzugehen. "Das ist das Gremium", begründete er in Richtung seines Kämmerers und versprach, bis zur Kreistagssitzung relevante Vergleichswerte zu ermitteln.


Kommentar von Andreas Schmitt: Eine gute Einstellung


Wenn die Kreisräte über etwas abstimmen sollen, müssen sie genau wissen, über was. Diese Einstellung, die Landrat Klaus Löffler am Montag im Kreisausschuss nicht zum ersten Mal verdeutlichte, imponiert und stärkt die demokratischen Gremien.

Freilich sollte ein Landrat als Führungsperson eines Landkreises nicht nur Moderator politischer Vorgänge sein und Beschlüsse des Kreistages umsetzen. Aber das eine schließt das andere ja nicht aus! Wer schlagkräftige Argumente für seine Politik hat, der wird wahrscheinlich auch dann eine Mehrheit erhalten, wenn die gegensätzlichen Positionen genau bekannt sind.

Deshalb ist die Entscheidung, vor einer Generalsanierung des Landratsamtes die Option Ersatzneubau zumindest zu prüfen, genau die richtige.Schließlich sollen die Kreisräte die Hand heben für einen Beschluss, der finanziell und städtebaulich Auswirkungen auf viele Jahre haben wird. Und dies sollte man nicht tun, ohne sich mit der Alternative befasst zu haben.