"Nicht nur Blabla": Social-Media-Verbot für Jugendliche? Söder spricht Klartext

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Söder skeptisch bei Social-Media-Verbot
Söder zeigt sich beim Thema Social-Media-Verbot weiterhin äußerst skeptisch.
Söder skeptisch bei Social-Media-Verbot
Malin Wunderlich/Elisa Schu/dpa/Collage: inFranken.de

Seit Wochen wird ein Social-Media-Verbot auch in Deutschland diskutiert. Die CDU will Nägel mit Köpfen machen. Der Chef der Schwesterpartei bleibt kritisch.

Update vom 12.03.2026: Expertin mahnt Politik bei Social-Media-Debatte zu Geduld

CSU-Chef Markus Söder steht einem potenziellen Social-Media-Verbot für Jugendliche weiterhin äußerst skeptisch gegenüber. Er sei offen, über mögliche Maßnahmen zum Jugendschutz zu diskutieren, sagte Söder im Sender ntv. Gleichzeitig betonte er: "Ich höre und lese in Australien, dass dieses große Social-Media-Verbot zu was führt? Zu gar nichts, weil alles umgangen werden kann." Bereits jetzt existierten Altersbeschränkungen auf Social Media. "Warum klappt es nicht? Weil die Eltern nicht dafür sorgen."

Gleichzeitig zog Bayerns Ministerpräsident einen Vergleich: "Und eins muss man auch sehen: Alle wollen, dass man jünger wählt, dass man die Strafmündigkeit heruntersetzt", sagte er und ergänzte: aber "Social Media hoch". Er fügte hinzu: "Ich bin da zurückhaltend."

Die Diskussion über Verbote und Einschränkungen nimmt auch in Deutschland immer mehr Fahrt auf, seit Australien im Dezember 2025 als erstes Land ein Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige eingeführt hat. Söder hatte sich bereits im vergangenen Jahr ablehnend gezeigt und argumentiert: Ein Verbot mache TikTok, Instagram und Co. eher noch interessanter für Jugendliche und Kinder.

Expertin mahnt Politik bei Social-Media-Debatte zu Geduld

Die Schwesterpartei CDU hatte auf ihrem Parteitag im Februar beschlossen, ein Mindestalter von 14 für soziale Medien wie Tiktok und Instagram zum Schutz von Kindern und Jugendlichen einführen zu wollen. Auch von Ex-Bundespräsident Christian Wulff gibt es ähnliche und Forderungen.

Der Parteitagsbeschluss enthalte keinen Vorschlag, wie man das technisch umsetze, sagte Söder nun. "Ich würde mir gerne anschauen, ob es da einen konkreten technischen Vorschlag gibt, nicht nur so ein Blabla: 'wir müssen, wir sollen'."

Die Co-Vorsitzende der Expertenkommission zum Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt, Nadine Schön, fordert in der Debatte die Politik dazu auf, die Arbeit des Gremiums abzuwarten. "Ich rate der Politik dringend, uns in Ruhe arbeiten zu lassen", sagte sie dem Tagesspiegel.

Forderungen nach schnelleren Ergebnissen

Hintergrund sind Forderungen nach schnellerem Handeln, etwa von Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD). "Es wäre wichtig, dass die Expertenkommission schon eher zu Ergebnissen kommt", hatte Schwesig gesagt.

Schön verwies hingegen auf den vereinbarten Zeitrahmen. "Vereinbart war, dass wir für unsere Arbeit ein knappes Jahr Zeit haben. Dabei muss es auch bleiben." Die Mitglieder leisteten die Aufgabe im Ehrenamt und hätten zahlreiche andere Verpflichtungen. "Ich erwarte ein bisschen Respekt vor der Zeit und dem Engagement der Fachleute."

Zudem gehe es bei der Arbeit der Kommission um mehr als nur ein mögliches Mindestalter für soziale Netzwerke, "sondern viel umfassender um Schutz, Befähigung und Teilhabe in der digitalen Welt", sagte Schön.

Teile der Ergebnisse kommen früher

Die von der Bundesregierung eingesetzte Kommission mit 18 Fachleuten aus Wissenschaft und Praxis soll bis zum Sommer Empfehlungen für besseren Kinder- und Jugendschutz im Netz vorlegen. Teile der Ergebnisse will das Gremium nun früher veröffentlichen.

"Die konkreten Handlungsempfehlungen und die Bestandsaufnahme zum Ist-Zustand bei Jugendmedienschutz werden wir jetzt vorziehen", sagte Schön. Ziel sei es, beides vor der parlamentarischen Sommerpause vorzulegen. "Wir haben also durchaus auf das Bedürfnis nach Eile reagiert."

Ursprungsmeldung vom 11.03.2026: Mehrere Politiker fordern Social-Media-Verbot

Bayerns Landtagspräsidentin Ilse Aigner hat sich für ein Social-Media-Verbot für Kinder ausgesprochen. "Was auf Social Media passiert, hat für mich in Teilen eben nichts mehr mit der Meinungsfreiheit zu tun", sagte die CSU-Politikerin beim Frühlingsempfang der Schleswig-Holsteinischen CDU-Fraktion in Kiel. Dort werde angefeindet, gehetzt und sehr viel Desinformation verbreitet.

Insbesondere Kinder und Jugendliche bezögen ihre Nachrichten nur noch über Social-Media. "Ja, Medienkompetenz muss ausgebaut werden", erklärte Aigner. "Das ist für mich sehr wichtig, aber ich fürchte, es wird vielleicht nicht reichen." Daher müsse gerade mit Blick auf den Jugendschutz eine Regelung gefunden werden - dort stünde sie an der Seite der Schleswig-Holsteinischen CDU.

Mit noch eindringlicheren Worten untermauerte Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther seine Forderung nach einem Social-Media-Verbot für junge Menschen. "Wenn wir so weitermachen wie bisher, ohne einzugreifen, führt das unsere Gesellschaft in den Abgrund", sagte der CDU-Politiker dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Auch an Erwachsenen gehe eine intensive Nutzung sozialer Medien "nicht spurlos vorbei".

Günther setzt bei Social-Media-Verbot für Kinder auch auf Söder

Teilhabe sei zwar wichtig, sagte Günther. "Aber welche Kinder wollen Teilhabe an Gewaltvideos, Enthauptungen, Stigmatisierungen und verzerrten Schönheitsbildern, die sie in Depressionen treiben?", fragte er. "Wir haben in den vergangenen Jahren eine schwere Sünde begangen, weil wir das zu spät erkannt und nichts getan haben." Bei jüngeren Menschen habe man "erhebliche Schäden mitzuverantworten, weil wir unserer Schutzfunktion als Staat nicht nachgekommen sind."

Ein Verbot müsse daher zügig umgesetzt werden, forderte Günther. CDU und SPD hätten sich ähnlich positioniert, eine Mehrheit in Bundesregierung und Bundestag sei absehbar. "Jeder Monat, den wir warten, schadet Kindern und Jugendlichen", sagte der CDU-Politiker. "Es gibt keinen Grund mehr zu warten." Sobald die Kommission Vorschläge mache, müssten diese umgehend umgesetzt werden.

Auch die Haltung der CSU sieht Günther nicht als Hindernis. Dessen Vorsitzender, Bayerns Ministerpräsident Markus Söder, hatte argumentiert, dass ein Verbot soziale Medien noch interessanter für Jugendliche und Kinder mache. "Ich kenne Markus Söder so, dass er durchaus auf Entwicklungen reagiert. Deshalb kann es gut sein, dass er nochmal in sich geht", sagte Günther. "Sonst bin ich immer für Kompromisse. Bei diesem Thema nicht."

Australien als Vorreiter

Der Landesverband Schleswig-Holstein hatte das Thema auf dem Parteitag initiiert. Ein ursprünglicher Antrag der Nord-CDU schlug eine Altersgrenze von 16 Jahren und mehrere weitere Forderungen vor.

Schließlich hatte die Bundes-CDU in einem Parteitagsbeschluss im Februar die Bundesregierung aufgefordert, eine Altersgrenze von 14 Jahren bei Social Media einzuführen. Auch aus der SPD und von Ex-Bundespräsident Christian Wulff gibt es ähnliche Initiativen und Forderungen. Die CSU hingegen zeigte sich zuletzt skeptisch gegenüber einem solchen Verbot. Kritiker wie das Deutsche Kinderhilfswerk lehnen ein Verbot ab, weil es die digitale Teilhabe von Kindern einschränke.

Altersgrenzen für soziale Netzwerke sind in letzter Zeit ein heißes Thema. Ein Grund dafür ist unter anderem, dass Australien Vorreiter ist und als erstes Land entsprechende Regelungen eingeführt hat.

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