"Kleines Püppchen, freches Bübchen" so beginnt das Lied von "Pinocchio", der kleinen hölzernen Puppe, die so gerne ein richtiger Junge sein möchte. Karolin Trübenbach und Alexander Voss vom Kindertheater des "Fränkischen Theatersommers" zeigen den kleinen und großen Zuschauern eine Inszenierung, die "etwas anders" ist, aber Begeisterungsstürme bei den Kindern auslöst.

Gespannt sitzen die Kinder auf den Sitzkissen am Boden, die Erwachsenen erwartungsvoll auf Stühlen dahinter. Nur wenige Requisiten stehen auf der improvisierten Bühne, als Karolin Trübenbach als Katze hereingefegt kommt, gefolgt von Alexander Voss als Fuchs, der großen Lärm macht, weil ihm Dosen an den Schwanz gebunden waren. Beide streiten sich um einen geklauten Lolli und wettern über den Jungen, der die Dosen angebunden hat.
Und dann sehen sie die Kinder - aufgeregt wollen sie ihnen die Geschichte des frechen Jungen, der Pinocchio heißt, erzählen.

Wahre Lachsalven

"Einfach erzählen ist langweilig, vielleicht kennen sie die Geschichte schon", maunzt die Katze. "Lass uns sie vorspielen, das ist lustiger." Vorspielen, zu zweit, all die vielen Rollen? Doch es findet sich schnell eine Lösung, die im weiteren Verlauf zu wahren Lachsalven verleitet. Die Katze (Karolin Trübenbach) spielt Pinocchio und der Fuchs (Alexander Voss) all die anderen Rollen. Da sind der Vater Gepetto, die Grille und die gute Fee, außerdem die Katze und der Fuchs sowie die Taube. Nicht zu vergessen der Kutscher und der Theaterdirektor.

Das ist alles kein Problem, mit einfachen Verkleidungen wie Hut, Mütze oder Schleier verwandelt sich der 1,90 Meter große Mann in all die Gestalten aus der Geschichte. Als Gepetto teilt er mit seinem Pinocchio sein karges Mahl und kauft ihm eine Fibel für die Schule. Als sich der Junge vom Marionettentheater verführen lässt, kommt er als Grille ins Geschehen und sein "tsss, tsss" und die beiden "Fühler" auf der Stirn lösen bei den Kindern und Erwachsenen wahre Lachsalven aus. Doch es kommt noch besser, als Pinocchio erst den "falschen Freunden" Katze und Fuchs in die Hände fällt und von den Räubern überfallen wird, taucht Alexander mit seinen 1,90 Metern als Fee auf, und hüpft "leichtfüßig" über den Boden des Tipico im Gasthof "Goldener Anker" in Steinwiesen. Nur ein kleiner Schleier im Haar verleiht ihm ein Flair, nicht zu beschreiben. Doch Pinocchio hört nicht auf die gute Fee und wird vom österreichisch sprechenden Wachtmeister (Alexander Voss) ins Gefängnis gesteckt. Als ihm nach seiner Entlassung die Taube einen Brief bringt, vortrefflich dargestellt von Alexander mit Postmütze und Posttasche, "ich bin eine Brieftaube" und Pinocchio auf den Rücken der Taube springt, um nach Hause zu kommen, sieht der Junge ein, was er alles falsch gemacht hat und geht wieder fleißig zur Schule. Mit einem frohen "Klipp klapp, klappe die klapp" hüpft er durch den Saal, geradewegs gegen seinen Mitschüler Stöpsel (wer sollte es anders sein als Alexander). Der verleitet ihn, mit ins Juchu-Land zu kommen, wo man nichts lernen muss, nur spielt, nascht und Spaß hat und beim Tanzen sofort in den "Recall" kommt.

Da wird es nicht langweilig

Doch Pinocchio ist nicht so froh wie die anderen Kinder. "Stellt Euch vor, einen ganzen Monat auf dem Rummel, da wird es Euch auch langweilig", sagt Karolin Trübenbach alias Pinocchio zu den zuschauenden Kindern. Und dann geschieht es - Pinocchio wachsen Eselsohren, genau wie den anderen Kindern, die nichts anderes tun als Spaß haben. Als Esel sollen sie auf dem Viehmarkt verkauft werden, doch der störrische Pinocchio-Esel wird ins Meer geworfen, wo ihn ein riesiger Wal verschluckt. Zusammen mit der sprechenden Grille findet er im Inneren des großen Walbauchs seinen Vater Gepetto wieder. Nur durch einen Trick gelangen sie wieder an Land. Mit Hilfe einer Flasche "Lufterfrischer" bringen sie den Wal zum Niesen, tatkräftig unterstützt von den Kindern, die gespannt auf dem Boden sitzen und den Ausgang des Abenteuers erwarten.

Von nun an ist Pinocchio ein braver Junge, geht in die Schule und vor allen Dingen bleibt er ehrlich, denn wie alle wissen, wächst seine Nase bei jeder Lüge ein großes Stück. Und was wird aus dem Fuchs und der Katze? Auch sie schwören ihrer Hinterlist ab und werden ehrlich. Aber was das Allerschönste ist, die gute Fee macht den Holzjungen zu einem richtigen Kind aus Fleisch und Blut.

"Es war toll", "die vielen Rollen, die der Alexander gespielt hat, einfach super" und "das war wirklich was für Kinder, aber auch für uns Großen" - das sind nur einige Stimmen, die am Schluss durch den Saal hallten, als wieder alle Kinder eingesammelt, die Jacken angezogen und über die große kräftige Fee, die lustige Grille und die Brieftaube mit Postmütze gelacht worden war.
Aber wer sind diese zwei Darsteller, die es so gut verstanden, alle in ihren Bann zu ziehen? Karolin Trübenbach stammt aus Dresden und Alexander Voss aus Karlsruhe. Sie singen und spielen ab März beim "Fränkischen Theatersommer" und sind bei verschiedenen Produktionen dabei. Die Vorstellungen finden im ganzen fränkischen Raum statt, von Rödental und Hof bis Nürnberg, Wunsiedel und Ebrach.



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sd



Foto: Susanne Deuerling
Bildbeschreibungen:
Pinocchio 1: Der windige Fuchs (Alexander Voss) und die clevere Katze (Karolin Trübenbach) streiten um den gemopsten Lolli.

Pinocchio 2: Im Tipico des Gasthofs Goldener Anker begrüßen die Katze (Karolin Trübenbach, re) und der Fuchs (Alexander Voss, links) die Kinder und ihre Eltern.

Pinocchio 3: Alexander Voss als Gepetto schnitzt seinen Pinocchio (Karolin Trübenbach) aus einem Stück Holz.

Pinocchio 4: Zusammen schmeckt es am Besten, auch wenn der Käse alt und die Gurke nicht mehr frisch sind. Pinocchio (Karolin Trübenbach, links) und Vater Gepetto (Alexander Voss, rechts) essen trotzdem.

Pinocchio 5: Alexander Voss als "zierliche gute Fee" redet Pinocchio (Karolin Trübenbach) ins Gewissen.

Pinocchio 6: Lügen machen lange Nasen - das musste Pinocchio (Karolin Trübenbach) schmerzlich erfahren. Die gute Fee (Alexander Voss) hilft ihm.

Pinocchio 7: Schulfreunde sind Pinocchio (Karolin Trübenbach, links) und Stöpsel (Alexander Voss, rechts), doch es fällt ihnen nichts Gescheites ein.

Pinocchio 8: Pinocchio (Karolin Trübenbach, links) braucht Hilfe. Im Juchu-Land ist er zum Esel geworden. Die sprechende Grille (Alexander Voss, rechts) will ihm helfen.

Pinocchio 9: Der Esel Pinocchio (Karolin Trübenbach) wird ins Meer geworfen, wo ihn ein Wal verschluckt. Die treue Grille (Alexander Voss) ist an seiner Seite.