Kürzlich trafen sich Vertreter verschiedener Vereine, der Landwirtschaft und des Gemeinderates sowie interessierte Bürger, um den Stand der Arten- und Lebensraumvielfalt in Nordhalben zu analysieren. Dabei wurde der Grundstein für eine gemeindeeigene Biodiversitätsstrategie gelegt. Als eine von zehn Projektkommunen in Bayern, die am Modellprojekt "Marktplatz der biologischen Vielfalt" teilnehmen, räumt Nordhalben dem Schutz der Lebensgrundlagen des Menschen höchste Priorität ein.

Es begann mit einer kurzen Exkursion zum "Lerchenhügel". Bürgermeister Michael Pöhnlein stimmte die Arbeitsgruppe mit Hinweisen auf die Einzigartigkeit der Nordhalbener Flur auf den anschließenden Workshop ein, der anschließend im "Haus des Gastes" begann. Knapp vier Stunden lang arbeiteten 32 Personen, quer durch alle Interessensgruppen, sehr produktiv am Auftakt zur Entwicklung einer gemeindeeigenen Biodiversitätsstrategie.

Sicherung der Wiesenflur

Moderiert von Anne Wendl (Landimpuls GmbH, Regenstauf), die als Beraterin den Prozess begleitet, wurde gleich zu Beginn erörtert, warum Biodiversität für Nordhalben wichtig ist und welche Erfahrung in der heimatlichen Natur für jeden Teilnehmer die prägendste war. So vielfältig wie die Lebensräume in Nordhalben sind, so vielfältig waren die Antworten, aus denen die vielfach genannten Bärwurzwiesen herauszuheben sind. Es folgte die Analyse der Stärken und Schwächen in der Gemeinde, aufgeteilt in sechs Handlungsfelder. Eine Stunde beratschlagten die Teilnehmer über Landwirtschaft und Vermarktung, Gewässer, Wald, Siedlung sowie über Naturerleben und Umweltbildung.

Kooperation mit Waldbesitzern

Neben vielen positiven Voraussetzungen kamen dabei auch einige Herausforderungen auf den Tisch, die es anzugehen gilt. Hohe Priorität muss auf der Sicherung der einzigartigen Wiesenflur liegen. Diese soll durch die gezielte Gehölzrücknahme für bodenbrütende Vögel aufgewertet werden.

Ebenfalls wichtig ist in Nordhalben die Zusammenarbeit mit den privaten Waldbesitzern und den Bayerischen Staatsforsten, da das Gemeindegebiet zu zwei Dritteln bewaldet ist. Fritz Maier, Forstbetriebsleiter in Nordhalben, hat seine Unterstützung während des Workshops bereits zugesagt.

Parallel zur Strategie-Entwicklung, die Mitte 2020 abgeschlossen sein soll, werden schon in der Frühphase des Projekts erste praktische Maßnahmen umgesetzt. Unter dem Motto "Essbare Landschaft" soll Streuobst im Gemeindegebiet gepflanzt werden. Für die Bäume sollen Baumpaten gewonnen werden, die Pflegearbeiten übernehmen und das Obst ihres Baumes ernten können. Neben dem Streuobst könnte auch der Bärwurz in verträglichem Umfang zur Maßnahme beitragen und zum Beispiel als Gewürz die lokale Küche erweitern. Nachdem der örtliche Forstbetrieb bereits seine Unterstützung zugesagt hat, sollen im Herbst Privatwaldbesitzer bei einer Informationsveranstaltung mit Exkursion ebenfalls für die ökologische Aufwertung ihrer Bestände gewonnen werden.

Eine dritte Maßnahme zielt auf die Integration des Themas "Biodiversität" in das Programm des ersten Kunstsommers in Nordhalben ab: Wenn vom 27. Juli bis 10. August eine Vielzahl an Künstlern unterschiedlicher Schaffensbereiche den Markt in ein offenes Atelier verwandelt, soll ein Brückenschlag zum Lebens- und Artenreichtum der Gemeinde geschaffen werden.

Am Ende stand für alle Teilnehmer die Erkenntnis, dass es ein gesellschaftliches Umdenken und viel Engagement braucht, wenn man folgenden Generationen eine lebenswerte Heimat hinterlassen möchte. Nordhalben packt es an.red