Allein in den vergangen Jahren wurden um das Gebiet der Schildwiese bei Kleintettau rund 170 historische Kohlenmeiler wieder entdeckt, erklärt Kreisheimatpfleger Siegfried Scheidig und zeigt die Standorte, die in der Kulturgüterkartierung aufgenommen wurden.

Bei einer Begehung des Gebiets erinnerten die Initiatoren der "Kulturgüterkartierung Frankenwald" und der Forstbetrieb Rothenkirchen der Bayerischen Staatsforsten an die geschichtliche und wirtschaftliche Bedeutung von Kohlenmeilern in früheren Jahren.

Diese historische Bereicherung nahmen der Frankenwaldverein und die Kleintettauer Vereine in Zusammenarbeit mit dem Forstbetrieb Rothenkirchen zum Anlass, an den Pfingstfeiertagen ein Köhlermeilerfest an der Frankenwaldhütte am Rennsteig zu feiern.

Altbürgermeister Alfred Schaden, der auch Vorsitzender des Frankenwaldvereins ist, dankte den Veranstaltern, Mitwirkenden und dem Schirmherrn, der Marktgemeinde Tettau
und Kreisrat Carl- August Heinz für die Initiative und Organisation des Festes.

Das Forstrevier Tettau der Bayerischen Staatsforsten, mit Revierleiter Christian Goldammer unterstützt das "Meilerfest", das an der Schildwiese bei Kleintettau. Der Forstbetrieb Rothenkirchen, zu dem das Revier gehört, hat bereits in den vergangenen Jahren zusammen mit der Initiative "Kulturgüterkartierung Frankenwald" immer wieder auf die große historische Bedeutung der Köhlerei für den Frankenwald hingewiesen und setzt sich für den Erhalt von Traditionen ein.

Die Produktion von Holzkohle für die Metall- und Glasindustrie war über Jahrhunderte die bedeutendste Holznutzung am Rennsteig. In großen Mengen wurde das Handelsgut Holzkohle in die vielen Hammerwerke des Frankenwaldes sowie die Schmieden der Dörfer und Städte verkauft. Flurnamen wie "Kohlleite, Kohlholz oder Kohlstatt" erinnern bis heute an die Köhlerei.

Im Thiemitztal und bei Kleintettau schüren noch alljährlich ehrenamtliche Helfer einen Kohlenmeiler, um an den alten Berufsstand der Köhler zu erinnern. Im Bereich der Glashütten kam noch ein gewaltiger Holzbedarf für die Gewinnung von Pottasche hinzu. Beides führte zu einer radikalen Veränderung des Waldes: Die natürliche Waldzusammensetzung aus Tannen und Buchen musste der schnellwachsenden und robusteren Fichte weichen, die bis heute den Charakter des Frankenwaldes prägt.

Gleichzeitig war die damalige Übernutzung der Holzvorräte der Beginn der geregelten Forstwirtschaft: Die "Holznot" zwang die Landesherren schon ab dem ausgehenden Mittelalter dazu, die abgeholzten Wälder wieder gezielt anzupflanzen und zu pflegen.

Ziel war die Sicherstellung der laufend gleichblei benden Holzproduktion und damit das erste nachhaltige System der menschlichen Wirtschaftsgeschichte. "Die Förster haben die Nachhaltigkeit erfunden", sagt Forstbetriebsleiter Peter Hagemann. "Am Anfang ging es nur um die Holznutzung, nach und nach erkannte man aber, dass auch die anderen Leistungen des Waldes nicht selbstverständlich sind."

Heute seien Förster und Waldbesitzer gefordert, neben der Rohstoffproduktion alle weiteren gesellschaftlichen Ansprüche an den Wald als Erholungsraum und Rückzugsgebiet bedrohter Arten sowie seine Schutzfunktionen für Wasser, Luft und Boden nachhaltig zu gewährleisten. "Mit Blick auf die Geschichte ist deshalb der Kohlenmeiler im Frankenwald so etwas wie ein Symbol für die Geburt der Nachhaltigkeit", so die Worte des Forstbetriebsleiters Hagemann.

Die Idealisten der Kulturgüterkartierung weisen darauf hin, dass bisher nur im Staatswald die ehemaligen Kohlenmeilerplätze mit einem gelben Zeichen an Bäumen markiert wurden. Da im Privatwald eine ebenso große Anzahl zu vermuten ist, wäre es sinnvoll, auch dort die Kennzeichnung anzubringen. Deshalb werden die Privatwaldbesitzer um Zusammenarbeit gebeten (Kontakt über Martin Weber Ludwigsstadt, Tel. 0160/8577925, oder Siegfried Scheidig, 09263/8372, oder Bernd Heinz Ebersdorf 0171/3452067. Der Schutz der Bodendenkmäler basiert auf Freiwilligkeit und es entsteht kein Nachteil.