Es war zwar "nur" ein Jugendspiel der Kronach Royals, doch die Freude bei den Eltern war groß. "Es ist schön, den Jungs und Mädels wieder zuschauen zu können", meinte eine Mutter am Rande des ersten Saisonspiels 2020 in Erlangen. Der vorgeschriebene Sicherheitsabstand wurde dafür klaglos in Kauf genommen. Dass sie ihrem Sohn am Samstag überhaupt zujubeln konnte, war keine Selbstverständlichkeit. Noch einen Tag vorher hätte sie nicht zum Spiel auf die Sportanlage gedurft, obwohl sie ihr Kind die rund 100 Kilometer nach Mittelfranken kutschieren musste.

Jörg Schnappauf, Vorsitzender der Turnerschaft Kronach, erklärt, dass die Zuschauerfrage in den ersten Wochen nach dem Wiedereinstieg in den Sportbetrieb "sehr diffizil" war. Selbst Eltern durften bis zum 19. September nicht so einfach in die Hallen oder auf die Plätze. "Es kam immer darauf an, wie sie einzuordnen waren. Waren sie auch Betreuer oder eben nur Zuschauer? Eltern ohne Funktion sind grundsätzlich Zuschauer - und ihr Aufenthalt bei den Sportlern war damit bisher nicht zulässig."

Nachdem bei den Fußballprofis in Deutschland die Mauern an den Stadiontoren langsam fallen, brachte das vergangene Wochenende auch eine Lockerung bei den Amateuren. 100 Zuschauer in der Halle, 200 im Freien sind nun wieder möglich. Das Doppelte bei fest zugewiesenen Sitzplätzen. Die üblichen Corona-Hygienebedingungen gelten natürlich weiter. Das heißt: Abstand halten und gegebenenfalls Maske tragen.

Wie ein Verein mit dieser Situation umgeht ist nicht einfach. Einerseits steht er in der Verantwortung, andererseits "ist es vom sozialen Aspekt her enorm wichtig", erklärt Schnappauf. Da gehe es gar nicht um "normale" Zuschauer, sondern darum, dass Eltern und Freunde wieder einbezogen werden können. Besonders im Amateurbereich zähle das sehr. Bei der Turnerschaft mit ihren 20 Abteilungen, zu denen auch die Kronach Royals zählen, ist der Start mit Zuschauern im Baseball erfolgt. Am 3. Oktober wird die Jugend dann erstmals wieder auf ihrem heimischen Platz in Steinberg Gäste zu einem Spiel empfangen. Die Tischtennissparte wird als nächste folgen.

Doppeltes Hygienekonzept

Dann muss sich das Hygienekonzept der TSK auch beim Hallenspielbetrieb bewähren. "Der Unterschied ist nicht so groß", findet Schnappauf. Ob Abstandsregeln oder Maskenpflicht - solche Dinge seien drinnen wie draußen ähnlich zu handhaben. Einzig die Belüftungsfrage stelle in der Halle eine zusätzliche Herausforderung dar. Grundsätzlich arbeitet die Turnerschaft im Sportbetrieb vor dem Corona-Hintergrund mit zwei Konzepten. Der Dachverein regelt Grundsätzliches in seinen Vorgaben, die einzelnen Abteilungen ergänzen diese um sportartspezifische Anforderungen und Gebote. Wer dagegen verstößt muss mit Sanktionen rechnen - egal ob als Sportler oder Zuschauer. "Bei einem groben Fehlverhalten könnte zum Beispiel sogar ein Abbruch vorgenommen werden", sagt Schnappauf.

Soweit möchte es natürlich niemand kommen lassen. Gerade die Eltern sind ja froh, ihren Nachwuchs endlich wieder in Aktion zu sehen. Und das Jubeln und Mitfiebern klappt auch mit Sicherheitsabstand.

Rückkehr der Zuschauer geht mit vielen offenen Fragen einher

Der Landesligist SV Friesen ist als das fußballerische Aushängeschild des Landkreises Kronach ein Club, der sich die Zuschauer wieder herbeisehnt. Dass jetzt 200 Gäste kommen dürfen, ist für SV-Vorsitzenden Alexander Graf aber ein zweischneidiges Schwert.

Das Hygienekonzept des Vereins steht schon seit Monaten, "die Hausaufgaben" auf der Sportanlage sind gemacht, wie Graf versichert. Alles ist startbereit. "Ganz klar - ohne Zuschauer ist kein Spielbetrieb möglich", stellt er fest. Die Ausgaben für die Partien lassen sich nicht vermeiden, also braucht es auch Einnahmen, um sie aufzufangen. Der Verein will zur Kontrolle Listen führen, "und wenn der 200. drin ist, wird eben zugesperrt". Die Frage, die aus Grafs Perspektive auf den Nägeln brennt: Wie erklärt er dem 201., der eine weite Anfahrt hatte, dass er nicht mehr ins Stadion darf? Da erwartet er jetzt schon intensive Diskussionen.

Mehr Zuschauer sind nur Theorie

Eine Lösung für 400 Gäste auf fest zugewiesenen Plätzen hält er nicht nur in Friesen für unrealistisch, sondern bei den meisten heimischen Fußballvereinen. "Um 400 Zuschauer reinzubekommen, bräuchte ich wegen der Abstandsregeln ja eigentlich 800 Plätze. Welcher Verein soll das denn bewerkstelligen?"

Schwierig ist die Lage auch für die Kegler. Dort ist der letzte Stand: "Bei uns steht klipp und klar drin: keine Zuschauer!" Damit meint Horst Wich, Vorsitzender des Vereins Kronacher Sportkegler, die Anschreiben des Dachverbandes. Auch nach den jüngsten politischen Aussagen zur Zuschauerfrage habe er bisher noch nichts Neues für den Kegel-Spielbetrieb gehört. Der soll übrigens im Oktober, November oder erst im Januar beginnen. Wich spricht von einem Drei-Stufen-Plan des Verbandes.

"Ich glaube schon, dass die Sache in den Kegelbahnen schwieriger zu regeln ist", zeigt er Verständnis für die momentane Zurückhaltung, eine Änderung der Zuschauerzahlen zu verkünden. Viele dieser Sportstätten seien ja in Gaststätten integriert. Da bedürfe es einer feinen Abstimmung mit den Wirten. Ein Beispiel: Die Kegler führen für ihren Betrieb Anwesenheitslisten, die Wirte ebenso. Allerdings sind das laut Wich nicht die gleichen. Während die Sportler nämlich mehrere Anwesende auf einem Vordruck erfassen, müssen die Gaststätten Einzelnachweise führen.

Angesichts der unsicheren Situation gehen die Kronacher Kegler ohnehin vorerst noch davon aus, die kommende Saison zu pausieren. Absteiger soll es dann nicht geben.

Kommentar von Redakteur Marco Meißner:

Die Medaille hat zwei Seiten. Der Schutz der Bürger vor dem Virus steht dem Wunsch nach Freizeitgestaltung gegenüber. Sind 100 oder 200 Zuschauer da ein erfreuliches Zugeständnis oder eher eine staatliche Bremse? Was diese Werte auf alle Fälle sind: sehr über einen Kamm geschert. Jede Sportstätte hat ganz unterschiedliche Rahmenbedingungen. Das sollte sich auch in individuellen Vorgaben widerspiegeln. Den Vereinen wurde wegen Corona schon viel Eigenverantwortung auferlegt. Die haben sie mit eigenen Konzepten gut geschultert. Warum sollte das bei den Zuschauern nicht klappen?