Ein perspektivisch verzerrter Einsteinkopf mit physikalischen Geräten. Bei frontaler Draufsicht total verzogen, wird das Bild vom Treppenaufgang aber perspektiv korrekt gesehen. Seit 1984 prangt dieses Gemälde nun schon im Hauptgebäude des Kaspar-Zeuß-Gymnasiums, auf der linken Wandseite im ersten Stock. Es handelt sich dabei um eine Anamorphose, die speziell für die Sicht vom Treppenaufgang perspektiv verzerrt wurde. "Das hat viel Arbeit gemacht - nicht nur das Malen selbst, sondern insbesondere auch die Vorbereitung. Es musste ja vorher alles für den richtigen Blickwinkel genau berechnet werden", erinnert sich Robert Wachter, der das Kunstwerk mit seiner Zwillingsschwester Ilona Wachter sowie Gerlinde Langold weitgehend geschaffen hat.
An der Wand gegenüber befindet sich ein Bild ganz anderer Art. Es ist eine flott hingepinselte komikhafte Figur, geschaffen von Daniel Leistner. "Das Bild ging ganz schnell.
Die Wand war noch frei, da habe ich halt spontan etwas drauf gemalt", erinnert sich der heutige Intendant der Kronacher Faust-Festspiele.

Die geschaffenen Wandbilder sollten alle einen Bezug zur Physik haben, da sich damals in diesem Stockwerk die Physiksäle und -sammlungen befanden. Gemalt wurden diese vom Leistungskurs Kunst 1983 bis 1985 mit seinem Betreuer Karol J. Hurec.

"Unser damaliger Direktor Hans Hübner meinte, wenn es schon einen Kunst-Leistungskurs an der Schule gebe, dann sollten wir auch die Wände verschönern", erinnert sich Andreas von Heßberg, der heute in Bayreuth lebt. Er steuerte ein Wandbild mit typischen 80er Jahre-Raumschiffwelten bei.

An einem anderen Wandbild hat Christian Schmidt, heute wohnhaft in München, mit gemalt. Schmidt ist inzwischen ein international agierender Bühnenbildner, der unter anderem für die Salzburger Festspiele, die Bayreuther Festspiele, der Dresdner Semperoper oder die Mailänder Scala für das Bühnenbild verantwortlich zeichnet. Er konnte leider beim Abi-Treffen nicht dabei sein. "Er ist der einzige unseres Leistungskurseses, der diese Richtung beruflich eingeschlagen hat", meint Robert Wachter.

Klaus Richter, gebürtiger Schwarzenbacher, fuhr damals wegen des Kunst-Leistungskurses extra immer nach Kronach ans KZG. "In unserem Gymnasium in Naila gab es leider keinen Kunst-Leistungskurs", blickt er zurück. Auch am KZG war das Zustandekommen eines solchen Leistungskurses durchaus die Ausnahme. Er kam damals nur dadurch zusammen, da sogar aus anderen Landkreisen und Schulen Teilnehmer kamen - so wie eben Klaus Richter aus Schwarzenbach am Wald oder Christian Schmidt aus Lichtenfels.

An die damalige Zeit haben alle nur gute Erinnerungen. "Ich war die letzten Jahre bis zum Abi quasi dauernd an der Schule - entweder zum Malen oder Theaterspielen", erinnert sich Daniel Leistner. Die Bilder wurden keineswegs nur während des Unterrichts gemalt. Im Gegenteil: "Wir haben oft bis zum Abend gemalt. Die Anamorphose entstand in unseren Pfingstferien", verrät Robert Wachter.

Vor dem diesjährigen Klassentreffen hatten sich die Teilnehmer des Leistungskurses Kunst am Wochenende nochmals bei ihren Werken eingefunden, da diese ja schon bald wegend er Sanierung der Vergangenheit angehören werden.