Einmal, erinnert sich Ramona Smettane, einmal hat sie schon eine Polonäse durch ihr Wohnzimmer gemacht. Das war ihr Geburtstag und gleichzeitig der Rosenmontag. Ihre Gäste und sie haben sich kostümiert und dann flogen die Löcher aus dem Käse. Doch Prinzessin Ramona I. von der Faschingsgesellschaft Steinwiesen ist nicht glücklich über den Gedanken, wie die Faschingssaison 2020/21 starten wird. Büttenabende, Paraden, Rathaussturm... Kamelle gibt es 2020 nur auf der Wohnzimmercouch.

Ramona I., ihr Mann Frank II., Kinderprinzessin Amelie I., Kinderprinz Nils I. und der Präsident Wieland Beierkuhnlein haben sich auf Anfrage des FT vor dem Rathaus getroffen, um immerhin einmal im November ihre Kostüme aus der vergangenen Saison anzuziehen. Im Abstand, versteht sich. "Immerhin sind wir wegen Corona zwei Jahre hintereinander das Prinzenpaar", sagt Ramone I. mit einem enttäuschten Lächeln. Statt heute traditionell vom Wirtshaus Grüner Baum zum Rathaus zu wallen, sich mit Bürgermeistern und Gefolgschaft im Sitzungssaal zu treffen und einen ausgelassenen Start in die Faschingssaison zu erleben, ist stattdessen: nichts. Oder fast nichts.

Der Tenor der Narren ist klar: Da müssen wir durch. Sagt auch Präsident Beierkuhnlein. Er berichtet immerhin von einem Trostpflaster, das sich die FG Steinwiesen überlegt hat, um durch eine fünfte Jahreszeit unter Pandemie-Bedingungen zu kommen. Pünktlich um 19.11 Uhr wird die FG ein Video auf Facebook und auf ihrer Webseite hochladen. Die "Schdaawiesne Tagesschau", ein kurzer Sketch, den sich jeder im heimischen Wohnzimmer kostenlos anschauen kann. Weitere Auftritte - zur Zeit nur mit einem bis zwei Darstellern - werden im Internet folgen, verspricht Beierkuhnlein. Polonäse? Wenn dann nur mit dem eigenen Haushalt.

Der Präsident berichtet noch aus der rauschenden vergangenen Saison: "Franken Helau!" in Steinwiesen. Politikerin Barbara Stamm sitzt noch auf der Titelseite des Saisonmagazins "Schdaawiesne Leitnscheiße", das Wieland Beierkuhnlein mitgebracht hat. Erinnerungen an den Fasching vor der Pandemie. Es sei hart, wenn man mit so viel Einsatz und Liebe den Fasching lebt, sagt die Prinzessin.

Keine Chance für den Fasching

Kehlbach, Wallenfels, Neukenroth: In den vergangenen Wochen haben immer mehr Vereine verkündet, Rathaussturm und Büttenabende abzusagen und für den zweiten Teil der Faschingssaison 2020/21 abzuwarten, wie sich die Pandemie entwickelt. Doppelt hart hat es den Neukenrother Faschings Club getroffen. Der Keller im alten Schulgebäude, in dem der Club sein Lager eingerichtet hat, stand plötzlich unter Wasser. Die Musikanlage: wahrscheinlich kaputt. Zwei Container an Material musste der Verein entsorgen und hatte nur in einer Sache Glück, das man kaum so bezeichnen kann. Weil gerade eh keine Veranstaltungen stattfinden, liegt nun der Rest des Inventars in der Zecherhalle. Der Keller wird gerade mit Gebläsen getrocknet.

Das findet Geschäftsführerin Ulla Opel gar nicht witzig. Auch wenn der NFC dank Corona eine schnelle Unterstellmöglichkeit gefunden hat, bleibt am Ende nur ein Achselzucken. Was soll man auch machen? Der Verein hat vorerst alle Veranstaltungen abgesagt. "Wir können uns den Schuh nicht anziehen", sagt sie. Vor allem der beliebte Umzug, der etwas Geld in die Kassen spült, wird auf keinen Fall stattfinden. Wenn es das Virus zulässt, denkt der Verein noch an eine kleine Aktion auf dem Dorfplatz nach, erklärt die Geschäftsführerin. Aber das ist Zukunftsmusik.

Keine Ruotenkernge Fousanocht, keine Büttenabende. Kai Baumstark spricht das aus, was viele denken: "Das macht alles keinen Sinn. Geselligkeit und Freude bleiben auf der Strecke." Auch Videoübertragungen sind nicht geplant. Der Präsident der Rothenkirchener Faschingsgesellschaft weiß nicht, "ob das alles was bringt."

In Kronach wird immerhin darüber nachgedacht, mit Videobeiträgen an bessere Zeiten zu erinnern. Georg Löffler, Präsident der Kroniche Fousanaocht: "Vielleicht machen wir ein Best Of der letzten zehn Jahre als Bildergalerie", sagt er. Selbst interne Faschingsveranstaltungen stellt er sich nach dem Lockdown schwierig vor. Wenn ins Schützenhaus 100 Leute gelassen werden, müssten im schlimmsten Fall Tanzgruppen auftreten und danach wieder aus dem Saal verschwinden.