Kurz vor 8 Uhr herrscht bereits reges Treiben im Spatzennest. Die Kinder sind schon hellwach und tummeln sich an den Tischen. Legosteine und Puzzleteile liegen bereit. Nach und nach trudeln weitere kleine Ankömmlinge in den Gruppenraum ein und begrüßen ihre Erzieherinnen mit einem Händedruck.

"Das ist uns sehr wichtig", betont Leiterin Birgit Kestel. "So zeigen wir auch den Kindern gegenüber Wertschätzung und wir können besser einschätzen, wie es ihnen heute geht." Einem Kind fällt der Abschied von Mama an diesem Morgen nicht ganz so leicht. Ein paar Tränen kullern die Wangen hinunter. Doch die beruhigenden Worte auf dem Schoß der Erzieherin helfen, und die Tränen trocknen schnell.

Spatzen und Mäuse

Spatzennest und Mäusefamilie nennen sich die zwei Gruppenräumen im katholischen Kindergarten Maria-Theresia-Gerhardinger, der den meisten Kronachern unter dem Namen Rosenberg-Kindergarten ein Begriff ist. Auf jeweils 60 Quadratmetern können sich hier bis zu 27 Kinder den ganzen Tag austoben. Bauplatz, Legoecke, Puppenwohnung, Lesebereich - Langeweile kommt da kaum einmal auf. Viel Platz zum Bewegen gibt es außerdem im hauseigenen Turnraum und dem weitläufigen Garten hinter dem Haus, der mit unzähligen Spielgeräten ausgestattet ist.

Nachdem alle in ihrem Gruppenraum angekommen sind, beginnt der Tag im Kindergarten mit dem Morgenkreis. "Biggi", wie Kestel von den Kindern genannt wird, liest die Namen ihrer Spatzen vor. Diese begrüßen die Gruppe nacheinander singend und dürfen einmal im Stuhlkreis herumspringen. Dabei gibt es auch eine kleine Breakdance-Einlage von Vorschulkind Max. Durch den morgendlichen Stuhlkreis bekommen die Erzieherinnen außerdem einen Überblick, welche Kinder zum Mittagessen bleiben. "Wir besprechen auch, was am jeweiligen Tag ansteht und die Kinder erwartet", erklärt Leiterin Kestel.

Spielerisch wird dann am selbstgebastelten Kalender an der Wand das richtige Datum eingestellt. Zeit für ein paar kurze Kreisspiele ist ebenfalls eingeplant.

Zeit für das Frühstück

Danach steht das gemeinsame Frühstück an. "Das ist umso wichtiger, da oftmals am Morgen zu Hause nicht die Zeit dafür ist", sagt Erzieherin Martina Zwosta. Gerade in der heutigen Zeit voller Stress und Unruhe sei das bewusste Frühstücken für die Kinder daher besonders wichtig. "Außerdem legen wir Wert auf eine gesunde, ausgewogene Ernährung." Deshalb gibt es täglich einen Obst- und Gemüseteller.

Die Größeren sind bei der Vorbereitung mit eingebunden, schneiden und schnippeln fleißig mit. Den Kindern schmecken die Karotten- und Kohlrabistreifen, Bananenscheiben und Apfelstücke. Auch wenn manch einer zwischen Gemüse und Obst noch nicht so richtig unterscheiden kann, werden die Vitamine fleißig gegessen.

Nach der morgendlichen Stärkung geht es ausnahmsweise schon nach dem Frühstück in den Garten. Dort können sich die Zweieinhalb- bis Sechsjährigen nach Lust und Laune austoben. Ein Höhepunkt am Ende des Vormittags ist der Besuch des Waldsofas. Aus Stöcken, Steinen und Moos haben die Kindergartenkinder mit ihren Erzieherinnen vor einiger Zeit eine kreisrunde Sitzmöglichkeit im nahe gelegenen Festungswald gebaut. Ein schattiges Plätzchen unter den Bäumen. Stolz zeigen die Kinder außerdem ihre ebenfalls selbst errichtete Spatzenhöhle, eingegrenzt von Stöcken und Ästen und mit einem Dach aus Blättern über dem Kopf.

Zwosta betont die tolle Lage des Kindergartens, der mitten im Stadtkern und doch nur wenige Meter vom Wald entfernt liegt. Regelmäßig veranstaltet der Rosenberg-Kindergarten daher auch die "Waldwochen", wobei der größte Teil des Tages in der Natur verbracht wird.

An diesem Tag hat sich noch ein ganz besonderer Besucher angekündigt: Abbé Pierre Aye Ndione. Der katholische Priester aus dem Partnerbistum Thies im Senegal übernimmt seit vielen Jahren die Urlaubsvertretung in Kronach. Im Stuhlkreis begrüßen die Kinder den Geistlichen. Die Erzieherinnen planen eine Art Partnerschaft mit dem Kindergarten in Thies. Fotos und selbstgemalte Bilder wollen die Kronacher versenden, um den Kindern im Senegal einen Blick nach Deutschland zu ermöglichen - und umgekehrt.

Die Erzieherinnen wollen den Kindern des Rosenberg-Kindergartens zeigen, wie die Menschen in anderen Ländern leben. Alle freuen sich auf einen regen Austausch. Mit einer entflammten Kerze und dem Lied "Laudato si" besingen die Kinder die Partnerschaft. "Wir hoffen, dass es ein gutes Jahr wird und bitten: Gott segne uns und die Kinder im Senegal", sagt Kestel.

Frisch auf den Tisch

Dann ist auch schon wieder Mittagszeit. Heute gibt es Grießflammeri mit Apfelmus. Im Rosenberg-Kindergarten wird immer noch selbst gekocht. "Wir kochen frisch, und es gibt zu jedem Essen entweder Salat oder Obst", erzählt Kinderpflegerin Elisabeth Zapf. Die Zutaten kauft das pädagogische Personal in seiner Freizeit ein, gekocht wird abwechselnd. "Das geht aber auch nur, wenn das ganze Team mitmacht. Und unser Team funktioniert!", lobt Kestel ihre Kolleginnen. "Hier essen die Kinder auch Sachen, an die sie Zuhause nicht rangehen. Bei uns heißt eine Gemüsesuppe aber auch nicht Gemüsesuppe, sondern zum Beispiel Tabaluga-Suppe. Das schmeckt dann gleich viel besser!", erzählt die Leiterin lachend.

Nach dem Mittagessen ist erst einmal Pause angesagt. Die Kiga-Zwerge verabschieden sich ins so genannte Träumeland. Die Älteren verbringen ihre Ruhepause auf großen Matratzen im Turnraum, während ihnen eine Geschichte vorgelesen wird. Nachdem alle etwas neue Energie tanken konnten, geht es am Nachmittag wieder rund. Das Programm ist ganz unterschiedlich und vielfältig: Englischunterricht, Flötenstunden, Bewegungsbaustelle, Vorschule oder Aktionsnachmittage hält das Angebot bereit. Spätestens um 16 Uhr werden alle Kleinen abgeholt und der Kindergarten schließt bis zum nächsten Morgen seine Türen.

"Das Schöne an unserem Beruf ist, dass jeder Tag spannend ist. Auch wenn es eine grobe Planung gibt, kann durch die Kinder alles wieder umgeworfen werden", meint Kestel. Seit 1993 leitet die 49-Jährige den Rosenberg-Kindergarten. Sie hat schon viele Kinder kommen und gehen sehen.

Eine Bestätigung

Bereits Ende Juli haben sich die "Großen" vom Kindergarten in Richtung Schule verabschiedet. Das bedeutete nicht, für immer "auf Wiedersehen" sagen zu müssen. Die Grundschüler haben die Möglichkeit, den Kindergarten während der nächsten Ferien einen Tag lang zu besuchen - was viele tun. "Wenn die Kinder wieder zurückkommen, hat es ihnen anscheinend bei uns gefallen", sagt Birgit Kestel fröhlich. Und dann haben die Erzieherinnen ihre Arbeit offenbar richtig gemacht.