Zum ersten Mal in der Geschichte der Gemeinderatssitzungen in Steinwiesen wurden Referenten per Videokonferenz in die Sitzung übertragen. Aufgrund der momentanen Situation konnten Andreas Hamper vom Fraunhofer-Institut sowie Eva-Maria Müller vom Caritasverband Kronach nicht persönlich vor Ort sein. Deshalb war eine Videoschaltung eingerichtet worden, um den Gemeinderäten die Möglichkeit zu geben, sich zu informieren. In seiner Präsentation ging Andreas Hamper zuerst auf die Ausgangslage des "Digitalen Gesundheitsdorfs Oberes Rodachtal" ein.

Das Obere Rodachtal ist als Modellregion inzwischen deutschlandweit bekannt. Insgesamt gibt es in Bayern fünf solcher Modellregionen, die jeweils einen anderen Fokus haben. Für das Obere Rodachtal sind dies die "digitale medizinisch-pflegerische Versorgung und assistiertes Wohnen im Oberen Rodachtal". Insgesamt sechs Haushalte mit sieben Probanden sind in der Testphase dabei. Es werden hier drei Elemente miteinander vernetzt, einmal die Pflege, dann das häusliche Umfeld und die beteiligten Hausärzte.

Das Wichtigste dabei ist, dass sich alles noch in den eigenen vier Wänden abspielt. Eingesetzt werden Geräte, die schon vorhanden, getestet und im Handel sind. Außerdem neu entwickelte Geräte wie z.B. die "körpernahe textilintegrierte Vitaldatensensorik", einfach gesagt ein T-Shirt, das die Herztätigkeit usw. selbstständig überwacht. Diese Daten können je nach Wunsch des Patienten teilweise oder ganz weitergegeben werden an die Angehörigen, den ambulanten Pflegedienst, den Arzt und auch ehrenamtliche Helfer. Hier wird jedoch ausdrücklich Wert auf die digitale Souveränität der Daten gelegt, die sensiblen Daten unterliegen der Datensicherheit und dem Datenschutz.

In diesem Zusammenhang wies Brigitte Geiger (SPD) darauf hin, das das Ganze sicher eine gute Sache sei, aber mit Sicherheit nicht für alle geeignet. Gerade Demenzkranke würden sich bei Veränderungen sehr schwer tun, sie sträuben sich gegen Neues. "Man sollte nicht vergessen, dass der Mensch stets an erster Stelle steht, Technik ist nicht alles", betonte Geiger.

Finanzierung noch offen

Bei genauer Betrachtung ergeben sich hier noch viele Fragen und Stolpersteine. Vor allem gibt es ja auch noch die Sache mit der Finanzierung. Andreas Hamper betonte, dass man hier klar trennen müsse, was die Forschung finanziert und was es bereits für Hilfsmittel gibt. Es werden Ergebnisse gesammelt und die Technologie "menschgerecht" gemacht, um später die Assistenztechnologien und -systeme flächendeckend einsetzen zu können. Für Bürgermeister Gerhard Wunder sind gerade in der heutigen schwierigen Zeit solche Systeme, die Technik und den Menschen koordinieren, sehr wichtig. Sie wollen unterstützen und den Anstoß geben für die nächste Generation.

Nach Fertigstellung des "Gerberhauses" in Steinwiesen wird es eine lokale Anlaufstelle "In der Heimat wohnen" dort im Haus geben. Die Beratung zu den Assistenzsystemen und Informationen zur Finanzierung sowie zur Inbetriebnahme werden dann dort erfolgen. Die Technologien können somit vor Ort erprobt werden. Es wird eine Koordination der Nachbarschaftshilfe und Ansprechpartner zum BayernFunk persönlich vor Ort geben. Außerdem werden Veranstaltungen, Workshops und Vorträge hier geplant und durchgeführt. In der großen Fensterfront soll auf Displays über die Caritas, den Digi-Ort usw. informiert werden.

Andreas Hamper ging auch kurz auf die im Zuge von Digi-Ort neu entwickelte kostenlose digitale Nachbarschaftsplattform im Oberen Rodachtal "BayernFunk" ein. Die App wurde als Teil des Projektes "Digitale Dörfer" entwickelt und in Zusammenarbeit mit der Versicherungskammer Bayern und dem Fraunhofer-IESE Kaiserslautern realisiert. Sie soll eine soziale Vernetzung und Hilfestellung innerhalb der Kommune ermöglichen. Die kostenlose App für mobile Endgeräte ist für Nordhalben, Steinwiesen und Wallenfels verfügbar. Sie bietet den Bürgern sowie den Vereinen die Möglichkeit zur sozialen Vernetzung, Information und Nachbarschaftshilfe, und zwar lokal innerhalb der individuellen Voreinstellung der Reichweite auf der geografischen Karte. Das heißt, nicht die ganze Welt bekommt die Daten zu Gesicht, wie z.B. bei Facebook oder Twitter, sondern nur das Gebiet, das man selbst bestimmt hat. Informationen der Gemeinde, amtliche Meldungen, Sondermülltermine und geänderte Fahrpläne sind nur einige Beispiele, die man abrufen kann. Die Kommune hat die Hoheit über die Freischaltung von Institutionen, Vereinen und Firmen, es gibt keine Werbeeinblendungen. Die App BayernFunk werde kontinuierlich durch das Fraunhofer-Institut weiterentwickelt mit nutzbringenden Funktionalitäten. Ansprechpartnerin für den BayernFunk im Digi-Ort Oberes Rodachtal ist Janet Januszewski vom Caritasverband Kronach.

Steinwiesen will eines von acht neuen Tanklöschfahrzeugen im Landkreis

Schon 2016 wurde die erste Fassung des Fahrzeugkonzeptes für die Feuerwehr im Gemeinderat vorgestellt und fand großen Anklang. 2019 wurde bereits das LF 10 als Ersatz für das bisherige LF 8/6 in Dienst gestellt, und für das Frühjahr 2021 ist geplant, das neue HLF 20 als Ersatzfahrzeug für den Rüstwagen in Betrieb zu nehmen.

Das 36 Jahre alte Tanklöschfahrzeug TLF 16/25 kommt in die Jahre und muss in den nächsten Jahren ersetzt werden. Der Landkreis Kronach hat nun ein Konzept zur Anschaffung von acht Tanklöschfahrzeugen in den nächsten Jahren und Stationierung bei diversen Feuerwehren auf den Weg gebracht. Als einer der möglichen Standorte ist Steinwiesen angedacht. Dies könnte man als Ersatzbeschaffung für das TLF 16/25 ansehen. Diese landkreiseigenen Tanklöschfahrzeuge TLF 4000 bieten mit ihrem Fahrgestell bis 15 Tonnen einen permanenten Allradantrieb und sind voll geländegängig, was gerade in dieser Gegend mit Wald und Wiesen sehr benötigt wird.

Kommandantin Kerstin May ging auf die Vorteile des TLF 4000 ein. Bei einem Gemeindegebiet, das zu 80 Prozent aus Wald besteht, sei ein solches Fahrzeug ein Muss. Einsatzbereiche wären nicht nur das gesamte Gemeindegebiet, sondern auch die Landkreise Kronach, Hof und Kulmbach. Bereits in der jüngsten Vergangenheit habe man oft bei überörtlichen Einsätzen und auch bei schlechter Wasserversorgung zur Stelle sein müssen. Der Wasserwerfer des TLF 4000 biete gerade beim Erstangriff viele Vorteile, da hier wertvolle Sekunden genutzt werden können. Gerade jetzt, wo längere Trockenperioden, Niedrigwasser und die Umstellung der Güllefässer nach EU-Verordung mit Schleppverfahren ins Gewicht fallen, sei ein geeignetes Fahrzeug oft lebenswichtig.

Die Finanzierung erfolgt in Kooperation mit dem Landkreis Kronach. Der gesamte Fahrzeugpreis beträgt inkl. feuerwehrtechnischer Beladung und Allradfahrgestell 320 000 Euro. Nach Abzug der Zuschüsse der Regierung und dem Anteil des Landkreises Kronach bleibt für den Markt Steinwiesen ein Eigenanteil von etwa 90 000 Euro. Das Konzept wird zeitnah im Kreistag vorgestellt. Dies sollte eigentlich bereits erfolgt sein, musste jedoch wegen Corona verschoben werden. Die Planung und Ausschreibung erfolgt 2021, die Beschaffung 2022/2023. Acht TLF 4000 sollen für den Landkreis angeschafft werden.

Zweiter Bürgermeister Frank Hauck (CSU) bezeichnete es als einmalige Chance, die Finanzierung mit über den Landkreis zu machen. Seine Fragen nach dem Führerschein, der Besetzung und der Mannschaft konnte Kommandantin May positiv beantworten. "Drei Personen Besatzung im TLF 4000, 15 vorhandene geeignete Führerscheine und kein Problem beim Besetzen der anderen Fahrzeuge", war ihr Kommentar. Robert Unglaub (SPD) meinte, dass sich der Landkreis noch mehr beteiligen könne, da das Konzept ja von dort ausgehe und das Fahrzeug auch im Landkreis genutzt werde. Hier meinte Bürgermeister Gerhard Wunder (CSU), man werde versuchen, höhere Zuschüsse vom Landkreis zu bekommen. "Wir stehen aber trotzdem hinter dem Konzept und nutzen die Chance zur Anschaffung", betonte Wunder. Einstimmig wurde beschlossen, der Anschaffung des neuen TLF 4000 grundsätzlich zuzustimmen und sich an den Kosten zu beteiligen.

Aus dem Gemeinderat

Sonderaktion für Vereine Es wurde vom Gremium beschlossen, auch für das nächste Jahr den Vereinen in der Gemeinde verbilligte Eintrittskarten für das Erlebnisbad Steinwiesen anzubieten.

Bürgerversammlungen Wegen der Pandemie und den eingeschränkten Möglichkeiten finden in diesem Jahr keine Bürgerversammlungen statt. Über eine Infobroschüre wird über die Situation im Markt Steinwiesen informiert.

Volkstrauertag Die Abhaltung des Volkstrauertages in bisheriger Form ist in diesem Jahr nicht möglich. Es soll jedoch eine Kranzniederlegung durch die Bürgermeister geben und nach Möglichkeit eine Mahnwache am Ehrenmal durch die örtlichen Soldatenkameradschaften.

Bauflächen In Neufang wurden die Grundstückseigentümer angeschrieben. Es gab auch schon positive Rückmeldungen. Es soll nun eine Informationsveranstaltung geben.