Ist es ein Brandszenario wie in der Kronacher Industriestraße, auf das sich die Feuerwehren in Zukunft häufiger einstellen müssen? Am Dienstag, 9. Juni, wird die Kronacher Feuerwehr alarmiert. Ein Rad brennt auf einem Betriebsgelände im Gewerbegebiet. Den Brand haben die Einsatzkräfte schnell gelöscht. Was zurückbleibt, sind die verkohlten Überreste eines E-Bikes, das nach dem Einsatz "aus bislang ungeklärten Ursachen" Feuer fing. Zuvor haben die Zeugen genau richtig gehandelt: Sie haben das brennende Rad aus dem Gebäude hinausgeschoben und den Notruf alarmiert.

Es ist ein Szenario, das wahrscheinlich in den nächsten Jahren häufiger vorkommt. Nicht, weil der Hauptverursacher, der Lithium-Ionen-Akku, grundsätzlich gefährlich ist, sondern lediglich deshalb, weil die Verbreitung von Akkus Jahr für Jahr wächst. Das Statistische Bundesamt weist nach, dass sich der Import der Akkus - größtenteils aus Fernost - zwischen 2012 und 2018 vervierfacht hat. Im Jahr 2018 hat die deutsche Wirtschaft rund 190 Millionen Millionen Lithium-Ionen-Akkus importiert und 87 Millionen exportiert. 40 Prozent der Einfuhrmenge kam aus China.

In Deutschland müssen die Akkus eine strenge Sicherheitskontrolle durchlaufen. Das weiß Dirk Moser-Delarami, Pressesprecher beim TÜV Süd. Er hat in den vergangenen Jahren immer mehr Anfragen von Journalisten wegen diverser Akkubrände erhalten - immer häufiger: das brennende E-Bike.

E-Bike-Akkus bergen Gefahren

Am Karsamstag setzt der explodierende Akku eines E-Bike ein Wohnzimmer in Erlangen in Brand. Schaden: eine fünfstellige Summe. 2017 wird bundesweit über einen Akkubrand in Hannover berichtet. In einem Fahrradladen hat auch in diesem Fall die Batterie das Feuer verursacht. Schaden: rund 500 000 Euro. Hamburg, Hagen, Denkendorf - allein in den vergangenen Tagen finden sich landauf landab zahlreiche Berichte von brennenden E-Bike-Akkus, die einen mehr oder minder hohen Schaden verursacht haben.

Sind die Akkus wirklich so gefährlich? Pressesprecher Moser-Delarami erklärt, dass die Akkus grundsätzlich sicher seien: "Bei sachgerechter Handhabung geht von Lithium-Ionen-Akkus kein außergewöhnliches oder erhöhtes Brandrisiko aus." Der TÜV Süd prüfe die Batterien aus Fernost sogar unter härteren Bedingungen, als der Gesetzgeber für eine Zulassung vorschreibt. Doch das Akku-Aufkommen in Deutschland wächst und wächst im Zuge der E-Mobilisierung. Auf die Menge der genutzten Akkus berechnet - nicht nur bei E-Bikes oder E-Autos, auch in Kleingeräten -, sei die Anzahl der Zwischenfälle verschwindend gering, erklärt der Pressesprecher. Doch die logische Folge eines wachsenden Marktes ist eben auch, dass mehr der sogenannten wiederaufladbaren Batterien im Umlauf sind. Damit steigt auch die Gefahr, dass sie falsch genutzt werden.

Darum geht es eigentlich, erklärt der TÜV-Pressesprecher, die richtige Behandlung eines Lithium-Ionen-Akkus. Die zweite Möglichkeit, ein technischer Produktionsfehler, sei höchstselten. Er erinnert sich zuletzt an das Samsung Galaxy Note 7, das der südkoreanische Hersteller im Jahr 2016 zurückgerufen hat. In diesem Fall war nicht der Nutzer schuld, sondern die Produktion.

Der Normalfall, warum ein Akku Feuer fängt, sei eine "mechanische oder thermische Einwirkung", erklärt Pressesprecher Moser-Delarami. Fällt der Akku auf den Boden, stürzt ein Radler mit dem E-Bike, ist die Gefahr grundsätzlich höher, dass der Akku einen Schaden davongetragen hat. Die chemischen Stoffe in den Zellen vermischen sich. Ein Kurzschluss beim Laden verursache schließlich den Brand. Aber auch die Temperatur ist entscheidend. Wird ein Akku zu stark gekühlt oder zu hoch erhitzt, kann es vorkommen, dass sich das hochenergetische Innere des Akkus verändert. Ein dritter Punkt ist die Tiefenentladung, wenn der Akku restlos aufgebraucht wird. Auch dabei kann es zu einer chemischen Veränderung an den Elektroden kommen.

Das Institut für Schadenverhütung und Schadenforschung (ifs) spricht von einem "thermal runaway", dem thermischen Durchgehen der Batterie. Dabei entlädt sich die gespeicherte Energie schlagartig als thermische - und nicht wie gewünscht als elektrische Energie. Die Batterie fängt Feuer und kann sogar explodieren.

Akkubrand vermeiden - aber wie?

"Vielen Verbrauchern ist oft nicht klar, dass es sich bei ihren Akkus um kompakte Energiebündel handelt, mit denen entsprechend sorgfältig umgegangen werden sollte", erklärt der TÜV-Pressesprecher. Der richtige Umgang ist wichtig. Wir haben einige Punkte zusammengeschrieben, die es zu beachten gilt:

1. Akkus möglichst nicht unbeaufsichtigt aufladen - Experten raten sogar, die Geräte nicht nachts aufzuladen, da man den Vorgang nicht im Blick hat.

2. Akkus und Elektrogeräte nicht permanent am Stromnetz hängen lassen. Das Gerät abzustecken, wenn es aufgeladen ist, schont die Batterie und verlängert die Lebensdauer.

3. Vom Aufladen von Akkugeräten auf Unterlagen, die zusätzlich Wärme erzeugen, wie einem Kissen oder einer Decke, ist abzuraten.

4. Auch wenn andere Stecker passen - man sollte am besten nur Originalzubehör verwenden, um den Akku aufzuladen.

5. Akkus und Elektrogeräte nicht herunterfallen lassen - Erschütterungen können zu Zellschädigungen in der Batterie führen.

6. Größere Hitze und Kälte setzen Akkus zu, sie können zu Schäden führen.

7. Beim Verdacht, dass ein Akku beschädigt ist, sollte ein Fachhändler aufgesucht werden.

8. Entsorgung nur auf dem Wertstoffhof, auf keinen Fall in den Hausmüll - neben dem Entsorgungsverbot besteht auch Brandgefahr.

Und wenn das Rad doch einmal brennt? Dann, empfiehlt der TÜV-Pressesprecher, nicht eigenmächtig einen Löschversuch zu starten. "Die Hitzeentwicklung kann enorm sein", erklärt er.