Am Flößermuseum Unterrodach erlebten die Flößer aus Wallenfels, Neuses, Unterrodach, Friesen und aus Uhlstädt/Saale eine außergewöhnliche Aktion, das so genannte "Wiedendrehen".

Auf Initiative von Vorsitzendem Friedrich Fricke (Floßverein Unterrodach) wurden diese Holzseile wie in alter Zeit gedreht. Schließlich war das Wiedendrehen in den Wintermonaten eine absolute Notwendigkeit für die Flößerei.

Ein Sprichwort weist auf die Bedeutung hin: "Es Lejm ve an Flüoße hengt o aane Wieh, und wenn die Wieh zerreißt, nochet is der Flüoße hie!"

"Ich will diese alte Tradition aufrecht erhalten, denn dieses unglaublich belastbare Einbindematerial gehörte zum Flößer wie das Holz", betonte der Initiator. Und bei Gefahr konnte man die Wieden problemlos mit dem Beil zerteilen.


Die "Wieh" (mundartlich ausgesprochen) habe man lange Jahre aufheben können. Wurde sie dürr, bevor man sie brauchte, hatte man sie ein paar Stunden ins Wasser gelegt und mit Steinen beschwert. So wurde sie wieder zäh, elastisch und geschmeidig. Mit der Wieh wurden die einzelnen Stämme zu Flößen zusammengebunden.

Allerdings braucht es für das Wiedendrehen eine generalstabs mäßige Vorbereitung. Wieder einmal mehr bewiesen die Unterrodacher Flößer Kreativität. Denn in den letzten Wochen hatten Matthias Müller und Martin Hetz aus Edelstahl einen drei Meter langen Wassertrog konzipiert, in dem das Material - in diesem Fall bis zu drei Meter lange Haselnussruten oder junge Fichtenstämmchen - gekocht wurden. Und diese mussten bereits eine Woche vorher gewässert werden.

In den Morgenstunden erfolgte das Anfeuern dieser außergewöhnlichen Konstruktion. Im Edelstahltrog - gefüllt mit 600 Liter Wasser - wurden die Stämmchen etwa 40 Minuten erhitzt, man spricht vom "Bähen". Danach begann die Rinde aufzuspringen. Anschließend wurden die heißen Stangen im "Wiedstock", in diesem Falle ein Baustellenschraubstock, eingespannt.

Das anschließende Wiedendrehen erforderte vor allem Kraft. Durch eine gedrehte Schlinge am dünnen Ende wurde eine 1,20 Meter lange Drehstange geschoben und die Flößer drehten nun die Wiede um die Stange.
Beim Drehen sprang die Rinde vollends ab und der brodelnde Saft spritzte heraus.

Bevor diese "Holzseile" dann zum Einbinden der Flöße in alter Zeit verarbeitet wurden, mussten sie nochmals ausreichend gewässert werden.

Die Flößer hatten an dem Experiment ihre helle Freude. Nach kurzer Zeit waren an die 30 Wieden gedreht und die Männer ließen sich nach Abschluss der Arbeiten die Flößerbrotzeit schmecken. Vorsitzender Friedrich Fricke vom Floßverein Unterrodach dankte allen Mitstreitern für ihren Einsatz. "Ihr habt gute Arbeit geleistet! Der Edelstahltrog ist eine optimale Lösung", war sein Kommentar.