Nur hundert Meter Waldweg trennen die Sudetendeutschen Pilger vom Parkplatz und ihrem Ehrenmal. Es zu erreichen wäre kein Problem. Würde der Altersschnitt im Verein der Egerländer Gmoi nicht bei 75 Jahren liegen. Einige Mitglieder sind auf Rollatoren angewiesen. Deshalb wird der Wald vor allem bei Matschwetter zur Hürde. Der Vereinsvorsitzende Heinz Neuerer sähe das Kreuz gern an einem anderen, zentraleren Ort. Er hat sich an die Stadtverwaltung gewandt. Die prüft das Anliegen.

Gedenken an Allerheiligen

Auf dem Kronacher Friedhof hätte Heinz Neuerer, Vorsitzender des Egerländer Gmoi Kronach, das Ehrenmal am liebsten. "Da wäre es besser zu erreichen. Und unsere Leut' könnten auch mal eine Kerze anzünden, wenn sie aus anderem Grund auf dem Friedhof sind", sagt er.
Momentan versammeln sich die Männer und Frauen des Vereins bloß einmal im Jahr - an Allerheiligen - an ihrem besonderen Ort.

Das Ehrenmal dient dem Gedenken an die Toten und an das Leid der Entrechteten in der Heimat der Sudetendeutschen, zu denen auch die Egerländer gehörten (siehe Kasten). Die Gmoi singt Lieder und liest Gedichte im Dialekt ihrer Heimat und richtet Blumen und Kerzen für die Verstorbenen an.

Viele sind sie nicht mehr. Die Sudetendeutsche Landsmannschaft in Kronach, die früher mit zum Kreuz pilgerte, ist Geschichte. Und zur Gmoi zählen nur noch 20 Männer und Frauen, schätzt Heinz Neuerer. Von denen könnten nur noch zehn problemlos zu dem Ehrenmal gelangen.

Würden es aus eigener Tasche zahlen

Vor etwa einem Monat habe er sich an die Stadt Kronach gewandt, mit dem Anliegen, das Kreuz und die Gedenktafeln umzusetzen, sagt der 82-Jährige. Seitdem warte er auf Rückmeldung. Die Finanzierung des Vorhabens, bot Neuerer an, würden Mitglieder der ehemaligen Sudetendeutschen Landsmannschaft übernehmen, der er früher vorstand.

Doch das Anliegen erfordere Zeit, sagte Stefan Wicklein von der Stadt Kronach auf Anfrage unserer Zeitung. "Wir unterziehen den Fall einer internen Prüfung." Der Bauhof und die Stadtwerke seien damit betraut, zu prüfen, ob und in welchem finanziellen Rahmen die Umsetzung des Kreuzes möglich sei. Alles weitere müsse dann im Verwaltungsausschuss geklärt werden. Die Dauer des Verfahrens kann Wicklein nicht schätzen. "Wir müssen schauen, wo auf dem Friedhof es angebracht werden kann, ohne dass es der Friedhofsatzung widerspricht", sagte der Sprecher der Stadt.

Seit 60 Jahren steht das Sudetendeutsche Ehrenmal hinter der Festung Rosenberg auf der Schwedenwiese. Am Samstag, Allerheiligen, um 10 Uhr wollen die Mitglieder der Gmoi wieder ihrer Toten gedenken.

Die Egerländer Gmoi

Die Egerländer Gmoi ist ein Verband, der 1907 mit dem Ziel gegründet wurde, die Interessen der Deutschen im Egerland zu vertreten. Nach der Vertreibung der Deutschen aus dem Egerland durch die Tschechoslowakische Republik 1945/46 wandelte sich die Egerländer Gmoi in einen Vertriebenenverband um. Das Gebiet des historischen Egerlandes liegt heute an der Grenze von Tschechien und Bayern. Es war ein Teil des Sudetenlands.