Nach alter Tradition fanden ein Dankgottesdienst und eine Erntedankfeier - heuer im Schützenhaus in Kronach - unter Einhaltung der Hygieneschutzbestimmungen statt. Die Bauern legen großen Wert darauf, eine traditionelle Feier im Herbst abzuhalten, nachdem die Ernte eingebracht worden war, um Gott für die Gaben der Ernte zu danken. Der Gottesdienst wurde von den "Haacher Volksmusikanten" unter der Leitung von Thomas Rauh musikalisch umrahmt.

Mit einer bemerkenswerten Festpredigt beeindruckte Pfarrer Thomas Teuchgräber die anwesenden Bauern und Ehrengäste. Der Priester, der passionierter Jäger und Naturfreund ist, ließ seine Kenntnisse anklingen und sparte nicht mit Kritik an der Politik, die den Landwirten so manchen Ärger bereite. Er stellte fest, dass die Stimmung unter den Landwirten ziemlich gedämpft sei. Die Ernte habe zwar gute Qualität gebracht und mengenmäßig nur etwas unter dem Durchschnitt gelegen. Allerdings könnten die Erzeugnisse nur zu niedrigen Preisen abgesetzt werden.

Von Preisverfall stark betroffen

Einerseits habe die Corona- Pandemie zutage gebracht, dass die Landwirtschaft als "systemrelevant" einzustufen ist. Andererseits seien die Betriebe mit Schweinehaltung durch den Preisverfall als Folge von Industrieschlachthof-Skandalen und wegen des Auftretens der Afrikanischen Schweinepest (ASP) stark betroffen.

Die Sonderkulturbetriebe hätten insbesondere durch Ausbleiben von Saison-Arbeitskräften, die nicht einreisen durften, gelitten, und den Milchviehbetrieben setzten die anhaltend niedrigen Preise und die Futterknappheit aufgrund viel zu geringer Niederschläge zu.

Unklar sei auch, wie ein gesellschaftlich gewünschter Umbau der heimischen Landwirtschaft mit höheren Standards in den Bereichen Tierwohl, Umwelt- und Naturschutz erfolgen soll, ohne dass die landwirtschaftlichen Betriebe dadurch ihre Zukunftsperspektiven verlieren. So hätten die Bauern an mehreren Fronten um ihre Existenz zu kämpfen, nämlich aufgrund extremer Wetterlagen, Corona-Krise, politischer Entscheidungen sowie sinkender Preise für die Lebensmittel - und dies bei deutlich steigenden Produktionskosten, monierte Pfarrer Teuchgräber.

Die Bürger dürften dankbar dafür sein, "dass die Bauern auch in den Zeiten der Corona-Pandemie die Versorgung mit qualitativ hochwertigen Produkten sichergestellt haben". Dabei, so stellte der Pfarrer fest, seien die Lebensmittelpreise im Verhältnis zum Einkommen vieler Leute im Durchschnitt leider fast ein Spott.

Der Verbraucher gehe eiskalt nach billigen Preisen und frage nicht danach, welches Wissen und welche Arbeit dahintersteckt. Er wisse auch nicht zu schätzen, dass man alles kaufen könne, wonach man Appetit hat.

Das Erntedankfest solle somit aus dem Trott der Selbstverständlichkeit und der Gedankenlosigkeit herausreißen. Das Erntedankfest solle anregen, gemeinsam innezuhalten, um dem Schöpfer allen Lebens, dem Schöpfer der Welt, Gott, für die Fülle des Lebens zu danken.

Ein völlig falsches Bild

Dabei beklagte Pfarrer Teuchgräber, dass die große Mehrheit der Gesellschaft eine unrealistisch romantische Vorstellung vom bäuerlichen Leben habe und die Nöte und Sorgen der Landwirte nicht mehr verstehe, deren Berufsbild sich durch die Maschinentechnik und die Fortschritte in der Tiermedizin sehr weiterentwickelt und verändert habe. "Dies ist wahrhaft ein großes Dilemma!", konstatierte Teuchgräber.

Erntedank sei für Christen nicht einfach nur ein Herbstfest. Es solle vor allem ein Tag und ein Fest der Rückbesinnung darauf sein, dass Gott uns beschenkt hat. Damit das Erntedankfest aber nicht nur einmal im Jahr ist und nicht in Gefahr gerät, zur Folklore zu verkommen, forderte der Pfarrer zum täglichen Tischgebet auf: "Pflegen Sie täglich die Tradition des Tischgebetes", war sein Appell.

Ernte einst überlebensnotwendig

"Der Pfarrer fühlt mit den Bauern", zeigte sich BBV-Bezirkspräsident Hermann Greif begeistert von der Ansprache des Geistlichen. Er habe es schwer, als Festredner da noch eins draufzusetzen, "denn da war viel Kenntnis, Wissen und sogar Leidenschaft zu spüren".

Greif fragte: "Merkt die Bevölkerung überhaupt etwas davon, ob eine Ernte gut oder schlecht ausgefallen ist?" Heute glaubten viele an stets volle Regale und die Grenzenlosigkeit des Welthandels. An Erntedank sollten wir uns darauf zurückbesinnen, dass es auch Zeiten gab, in denen Ernte überlebensnotwendig und Hunger nicht nur eine Nebenerscheinung einer Diät war. Greif: "Das Erntedankfest erinnert daran, dass wir Menschen von und mit der Natur leben und dass wir ihr deshalb mit Demut und Respekt begegnen sollten. Schließlich erinnert es uns auch daran, dass unsere Nahrung nicht nur ein Agrarprodukt, sondern eine Gabe Gottes ist."

Der Bezirkspräsident blickte skeptisch auf die Trockenjahre 2018, 2019 und jetzt auch 2020. Es fehlte an Futtervorräten, heuer gebe es erstaunliche Ertragsausfälle bei Getreide und Obst. Späte Fröste hätten erhebliche Ertragsminderungen gebracht. Vor allem für den Wald sei die anhaltende Trockenheit schlimm. Durst nach Wasser und massenhaft Schädlinge ließen den Wald großflächig sterben. "Da helfen keine Lippenbekenntnisse der Politik."

Land- und Forstwirtschaft seien die einzigen Branchen, die mit ihren Betrieben einen Beitrag zum Klimaschutz leisteten, sagte der Bezirkspräsident. Des Weiteren ging er auf Horrormeldungen über angeblich schlechte Bedingungen in Ställen ein und wies diese Vorwürfe auf das Schärfste zurück: "Nur gut gehaltene Tiere bringen Leistung, und das lernen die Landwirte schon in ihrer Berufsausbildung von der Pike auf."

"Unsachliche Kritik an Bauern"

Es sei manchmal schon unerträglich, wie sich Bauern von Außenstehenden belehren und in ihrem Beruf kritisieren lassen müssen. Es zeuge weder von Klugheit noch von Anstand, immer auf "die Ernährer dieses Volkes" mit dem Finger zu zeigen. Planwirtschaft und Regelwut vernichteten kleine und mittlere familiengeführte fränkische Bauernhöfe, schimpfte Greif auf allzu unbedachte und unsachliche Kritik an Bauern.

Der BBV feiere sein 75-jähriges Bestehen und blicke auf eine Erfolgsgeschichte, die im Trümmerhaufen nach dem Zweiten Weltkrieg begonnen habe. Greif dankte dem BBV-Kreisverband Kronach mit seinem Vorstand und den Mitgliedern für das beharrliche Eintreten für die Wahrung des Bauernstandes.

Bernd Rebhan, Bürgermeister von Küps und Vorsitzender im Bayerischen Gemeindetag, Kreis Kronach, dankte den Landwirten des Landkreises für ihre nachhaltige Arbeit zur Aufrechterhaltung der Nahrungskette. Er sprach von einem besonderen Tag des diesjährigen Erntedankfestes, denn dieses sei auch ein Zeichen der Bauern: "Wir lassen uns nicht unterkriegen, auch in Zeiten der Corona- Krise nicht", betonte Rebhan.

Balsam auf die Seele der Landwirte

Nachdenkliche Worte sprach Kreisobmann Erwin Schwarz. Zuvor aber fand auch er lobende Worte für die Predigt von Pfarrer Teuchgräber, die wirklich wie Balsam auf die Seele der Landwirte gewirkt habe, meinte er. "Der Borkenkäfer und unser Wald machen uns große Sorgen." Schwarz bedauerte, dass "nicht eher schon mal Mittel eingesetzt werden durften, die einiges trotz der anhaltenden Trockenheit der vergangenen drei Jahre hätten retten können". Die Fichte sei einst das Brot des Bauern im Frankenwald gewesen. "Welche Bäume sollen folgen?" Schwarz machte deutlich, dass nicht die Bauern und Waldbesitzer an der Misere schuld seien, sondern der Klimawandel.

Die Schlussworte zu diesem besonderen Erntedankfest oblagen Kreisbäuerin Rosa Zehnter. Ihr besonderer Dank galt Pfarrer Thomas Teuchgräber für seine emotionale und sehr fundierte Ansprache, die Mut und Hoffnung zugleich gemacht habe.