Ein Blick nach links, einer nach rechts - schon ist Oliver Rühr fündig geworden. "Von dieser Asphaltplatte zum Beispiel habe ich keine Ahnung, wo sie herkommt", sagt er und zeigt auf ein pechschwarzes Stück ehemaligen Straßenuntergrunds in der Größe eines Autoreifens. Nur wenige Meter entfernt entdeckt der Projektleiter von der Servicestelle Kronach des Staatlichen Bauamts Bamberg in Form von Plastiktüten und -flaschen die nächsten ungebetenen Materialien. Denn lagern soll hier nur eines: Aufbaufrostschutzmaterial; besser bekannt als guter alter Schotter. Doch dabei blieb es nicht.


Beschwerde von Anwohnern

Nachdem sich mehrere Anwohner beim Landratsamt über den herumliegenden Müll beschwert hatten, fand das Bauamt bei einer Ortsbegehung des Geländes gegenüber der Johannisthaler Aral-Tankstelle auch zahlreich illegal entsorgten Bauschutt.
Der soll schon bald verschwunden sein - und neuer erst gar nicht mehr hinzukommen. Um das sicherzustellen, hat sich das Bauamt nun dazu entschieden, das offiziell als "Zwischenlagerfläche für Erdstoffe" ausgewiesene Gelände zu sperren.

Andernfalls hätte die Straßenmeisterei Kronach jede Woche nachsehen müssen, ob neuer Müll hinzugekommen ist und hätte diesen entfernen müssen, erklärt Uwe Zeuschel, Bereichsleiter Straßenbau beim Bauamt. "Und das alles auf Staatskosten", fügt er hinzu. Oliver Rühr sieht das ähnlich: "Es gibt definitiv schönere Arbeiten, als den Müll fremder Leute zu entsorgen." Seit Mittwoch hindert nun eine rot-weiß gestreifte Schranke Fahrzeuge daran, auf das Gelände zu kommen.

Das dürfte vor allem LKW-Fahrer und Spediteure treffen. Denn diese nutzten den Schotter-Untergrund gegenüber der Johannisthaler Aral-Tankstelle zunehmend als Übernachtungs- und Abstellplatz. Zwischen zehn und 15 Sattelschlepper standen dort täglich, sagt Jens Laußmann, der neue Leiter der Servicestelle Kronach. "Hier haben auch viele Russen-LKW gehalten und Reparaturen ausgeführt", ergänzt Rühr. "Es ist daher nicht auszuschließen, dass hier auch Ölwechsel gemacht wurden." Der Untergrund sei dann kontaminiertes Material, müsse teuer entsorgt und - noch viel schlimmer - nicht für den Straßenbau genutzt werden. Das ist schließlich der eigentliche Zweck.


Kosten noch unklar

Nach dem Kauf der Fläche ließ das Bauamt 2011 Schotter aufgeschütten, der während der Bauarbeiten für den dreispurigen Ausbau der B 85 zwischen Förtschendorf und Steinbach am Wald abgetragen wurde. Zukünfitg sollen die Erd- und Felsmassen als Untergrund für den vierspurigen Ausbau der B 173 in Richtung Küps und für den Bau der Lerchenhoftrasse verwendet werden. "Das ist schließlich bestes Dämmmaterial", erklärt Rühr. "Was hier liegt, ist verdichtungsfähig und wird, weil es steinig ist, nicht matschig, wie zum Beispiel Lehm." Das Risiko, diese für den Straßenbau wertvollen "Erdstoffe" durch Gifteinlagerungen zu gefährden, möchten die offiziellen Stellen nicht mehr eingehen.

Ganz legal war die Nutzung der Fläche als Parkplatz offenbar ohnehin nicht. Es sei zwar nicht verboten gewesen, aber man habe "alle Hühneraugen zugedrückt", sagt Zeuschel und lacht. Wie teuer die Aufräumarbeiten werden, steht Rührs Angaben zu Folge noch nicht fest. "Das müssen wir erst sehen", so der Projektleiter.


Warten auf Baugenehmigung

Ebenso unklar ist derzeit noch, wann der Untergrund endlich für das genutzt werden kann, wofür er vor fünf Jahren aus Steinbach am Wald nach Küps gebracht wurde. "Wir warten noch auf die Baugenehmigung", erklärt Zeuschel. Doch dafür müsse zunächst die Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofs abgewartet werden. Dieser verhandelt derzeit noch Klagen von betroffenen Anwohnern.