Wir schreiben das Jahr 1881: Auf einer Ausstellung in Paris sind die Besucher von der gerade entwickelten Glühlampe wie elektrisiert, in Berlin wird das erste Telefonnetz mit sagenhaften 48 Teilnehmern eröffnet - und in Kronach ein Backsteinhaus, das mittlerweile unter dem Namen "VHS-Gebäude" fest in den Köpfen der Einwohner verankert ist.

Klar: 135 Jahre später sieht die Welt anders aus. Deutlich anders. Die klassische Glühbirne wird - nicht zuletzt dank einer EU-Verordnung - zunehmend von LED-Lampen verdrängt und nicht nur in Berlin gibt es inzwischen mehr Handy-Verträge als Einwohner. Nur in Kronach scheint die Zeit stehengeblieben zu sein. Zumindest in der Kulmbacher Straße 1. "Es gab immer wieder kleinere Reparaturen, aber generalsaniert wurde es seit der Errichtung nie", erklärt die Zweite Bürgermeisterin Angela Hofmann (CSU). Das soll sich ab Herbst 2017 ändern.

Anfang April fand ein Abstimmungsgespräch mit der Regierung von Oberfranken und dem beauftragten Architekturbüro Spindler statt, in dem die Raumnutzung und die Änderungen an den Außenanlagen besprochen wurden. "Die Struktur bleibt erhalten, das ist uns sehr wichtig", sagt Hofmann, die auch VHS-Kreisvorsitzende ist. "Der Charakter des Hauses soll auf jeden Fall erhalten bleiben." Schließlich stehe es unter Denkmalschutz und sei zusammen mit dem dazugehörenden Park stadtbildprägend. Daran werde sich auch nach der Generalsanierung nichts ändern. Lediglich zusätzliche Parkplätze für Kursleiter sollen im Außenbereich hinzukommen.


Treppenhaus wird verschont

Während sich - abgesehen von Anbauten links und rechts des Gebäudes - äußerlich wenig verändern wird, sieht das hinter den Mauern deutlich anders aus. Das gesamte Haus soll energetisch saniert, die Haustechnik erneuert werden. Um im Winter nicht in kalten Räumen lernen zu müssen, ist zudem eine Nahwärmeanbindung zur benachbarten Lucas-Cranach-Grundschule geplant. Verschont wird hingegen das markante Treppenhaus, das in seiner jetzigen Form bestehen bleiben darf. "Auch wenn das nicht gerade barrierefrei ist", sagt Hofmann. Um barrierefrei zu werden, soll gleich nebenan ein Aufzug gebaut werden.

Das bestehende Raumkonzept bleibe unverändert, da es für den Schulbetrieb zweckmäßig sei, so Hofmann. "Das mit den Räumen passt für uns. Wir haben auf jeder der drei Etagen 200 Quadratmeter zur Verfügung, Mehr sollen es nicht werden", erklärt sie. Zu Spitzenzeiten könne auf andere Schulen ausgewichen werden.

Weil das Haus auch weiterhin langfristig von der Volkshochschule öffentlich genutzt werden soll, geht Hofmann als erfahrene Politikerin von "relativ hohen" staatlichen Zuschüssen aus. Laut der letzten Kostenrechnung aus dem Jahr 2015 ergibt sich nun ein Gesamtvolumen von rund drei Millionen Euro. Der Großteil von zwei Millionen wird demnach durch die Städtebauförderung übernommen, jeweils 300 000 Euro durch die Stadt und den Kreis Kronach, während die Landesstiftung 100 000 Euro zuschießen soll.


Hürde wohl genommen

Die größte Hürde scheint demnach endlich genommen; war es doch das Geld, das eine Sanierung in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder scheitern ließ. Schon 1987, als die Volkshochschule zunächst nur in den ersten Stock des damals als Realschule genutzten Gebäudes einzog, fehlten nur 20 Prozent Fördermittel für eine Komplettsanierung. "Es gab immer wieder Förderanträge, die aber nicht erfolgreich waren, da die Fördersumme zu gering gewesen wäre", sagt Kronachs Zweite Bürgermeisterin. Zuletzt wäre die Stadt bei einer Summe von 2,3 Millionen Euro auf rund einer Million Euro sitzengeblieben.

Das Problem: Bislang hatte die Stadt als Eigentümerin des Gebäudes eine Förderung bei der Regierung von Oberfranken beantragt. Diese verwies allerdings auf die bestehenden Mieteinnahmen, die Kronach vom Landkreis (Träger der VHS) erhalte. "Dadurch verringerte sich dann die Fördersumme", sagt Hofmann. Eine genaue Zahl möchte sie nicht nennen: "Es wäre aber deutlich weniger gewesen als nun die zwei Millionen." Dass nun die volle Summe finanziert werden kann, liegt an einem kleinen, wenn auch kostenintensiven Kniff. "Wenn der Landkreis das Gebäude übernimmt, muss er keine Miete an sich selbst zahlen", erklärt Hofmann. Im Sommer dieses Jahres soll es von der Stadt an den Kreis übereignet werden. "Man muss dem Kreistag danken, dass er für dieses Modell gestimmt hat", so Hofmann. Das sei nicht selbstverständlich, da es nicht nur eine formale Angelegenheit sei, sondern dafür auch Geld in die Hand genommen werden müsse.


Eventuell eine Container-Lösung

Ein Jahr später zieht die Geschäftsstelle um. Im sanierten Haus wird sie rechts neben dem Haupteingang eine neue Bleibe finden, wo sie aber in der Zwischenzeit unterkommt, ist noch offen. Gegebenenfalls werde auf eine Lösung mit Containern zurückgegriffen, sagt Hofmann. Der Unterricht könnte in den umliegenden Schulen stattfinden. Dafür müsse allerdings erst noch mit den Schulleitern gesprochen werden. Die Bauarbeiten am VHS-Gebäude sollen im Herbst 2017 beginnen - wenn alles gut geht. Rund zwei Jahre dürften ins Land gehen, ehe sie abgeschlossen sind.