Auf prollige Sprüche des Flachbildschirm-Hehlers Bonzo hat er diesmal verzichtet, und der betrunkene Onkel Hans wurde auch vermisst, aber nur ein bisschen. Denn sein neues Programm bot andere fiktive Persönlichkeiten, bissige Kommentare und Pointen fast im Minutentakt, deftig und derb, wie man es von Günter Grünwald eben erwartet.

Vor knapp drei Jahren war er erstmals im Landkreis Kronach zu Gast, damals in Tettau, wo er auf den "Polarhöhen des Frankenwaldes" für allerbeste Unterhaltung sorgte. Im Februar 2011 trat Günter Grünwald dann mit seinem Programm "Gestern war heute morgen" im Kreiskulturraum auf . Am Mittwoch kehrte der 56-jährige Ingolstädter in das "Popel-Kaff" zurück, das wegen des Auftritts extra untertunnelt worden sei.

Böse war ihm ob dieser Bezeichnung - natürlich - niemand.
Lag's vielleicht auch ein bisschen daran, dass er seine Drohung doch nicht wahr machte, nämlich sich unters Publikum zu mischen, ab und zu jemanden mit auf die Bühne zu nehmen "und den dann fertig zu machen"?

Wer Günter Grünwald kennt, weiß, dass er seine Gäste zwar gut zwei Stunden lang bestens zu unterhalten weiß, sie allerdings ungeschoren davon kommen lässt. Für viele Promis aus der Unterhaltungsbranche gilt das gleichwohl nicht. Ob Iris Berben oder Uschi Glas, Florian Silbereisen oder die "Amigos" - über alle weiß er etwas zu erzählen, selbst über das englische Königshaus mit der den Schleier tragenden Pippa, deren Hintern zum offiziellen Hochzeitsfoto bei der Trauung von Kate und William geworden sei.

Sein Programm schreibt Günter Grünwald, der 2005 mit dem Bayerischen Kabarettpreis ausgezeichnet worden ist, nach wie vor selbst. Bei seinem Versuch, dies an einen tschechischen Autor "outzusourcen", sei er immerhin an einige lustige Geschichten aus der Bibel gekommen, erzählt er, angefangen von den "inneren Stimmen", die Noah und Abraham gehört hätten, bis zur unbefleckten Empfängnis. Und er konnte auch erklären, wieso am 21.12.2012 die Welt doch nicht untergegangen ist. "Das war gar nicht der Maya-Kalender, sondern der Kalender von Reifen-Mayer aus dem Jahr 1970, der falsch übersetzt worden ist."

Von "Beini" und der Bild

Dass Deutschland zügig am Verblöden ist und "wir im Plemplem-Land leben", kann Grünwald mehrfach belegen. Etwa durch eine Umfrage, wonach nicht etwa Bundeskanzlerin Angela Merkel die bekannteste Deutsche sei sondern Daniela Katzenberger. Oder durch den Hype, den zum Beispiel der einbeinige Tausendfüßler im Münchner Zoo Hellabrunn auslöst, von der Namenssuche durch die Bild ("Beini") bis zur Vorstellung des Liedes für "Beini" in der Hitparade der Volksmusik.

Auch in vielen anderen Alltags-Situationen versteht es Günter Grünwald glänzend, dem "Volk aufs Maul zu schauen", diese bis ins Absurde zu überzeichnen und sich mit abenteuerlichen Überleitungen durch das kurzweilige Programm zu hangeln. So beleuchtet er das Anmach-Verhalten eines romantische Komödien mögenden und von Putzlappen-Partys schwärmenden "neuen Mannes", der gegen seinen südeuropäischen Konkurrenten ("Typ Halbaffe") den Kürzeren zieht und in der Folge an Burnout leitet.

Unvergessliche Zugfahrten

Er erzählt von nicht erfüllten Erwartungen in der Pizzeria samt den Folgen und am Beispiel eines Leergut-Rücknahmeautomaten davon, dass "ich es immer mit dem Depp zu tun habe". Zu den Höhepunkten des Programms gehören zweifelsohne die unvergesslichen Zugfahrten von Ingolstadt nach Köln und dann nach München, wo er sich angesichts des ausgeprägten sächsischen Dialekts im Zug nach Zwickau wähnt.

Bei der Zugabe klärt Grünwald darüber auf, wieso sein Programm normalerweise so abrupt und eben ohne Zugabe endet. Die Fairness sei ein Grund, und jener "Waterloo-Abend", als aus den Zuschauerrängen zwei Stunden lang "kein Lachen, kein Klatschen, kein Nix" zu hören gewesen sei. Erst nach dem Auftritt habe ihn der Veranstalter darüber informiert, "dass durch einen unglaublichen Zufall nur Stumme und Einarmige im Publikum gesessen waren".

Wer den Auftritt von Günter Grünwald verpasst hat, der muss sich etwas in Geduld üben, denn weitere Gastspiele in der Region sind zwar geplant, aber noch nicht terminiert. Als Überbrückung sei allen die Sendung "Grünwalds Freitagscomedy" ans Herz gelegt, die erstmals am 7. März 2003, also vor genau zehn Jahren, ausgestrahlt wurde. Nächster Sendetermin ist am heutigen Freitag ab 22.30 Uhr im Bayerischen Fernsehen.