Erwartungsvoll und ein klein wenig zaghaft drücken sie die mit Panzerglas versehene Eingangstür zur Polizeiinspektion Kronach auf. Vier Jugendliche zwängen sich zusammen mit ihrer Lehrerin und stellvertretenden Schulleiterin der Mittelschule Oberes Rodachtal in Steinwiesen, Sabine Söllner, in den schmalen Eingangsbereich. Keiner von ihnen hat dieses Gebäude jemals betreten und so ist das Gefühl doch ein wenig mulmig.

Doch als Polizeihauptkommissar (PHK) Andreas Müller die Tür öffnet und sie ins Gebäude lässt, ist die Nervosität bereits wieder verflogen. Diesen Polizisten kennen sie ja gut genug. Als Ausbilder für ihre Buslotsentätigkeit war er in den vergangenen Wochen mehrmals in der Schule. Gelernt haben sie bei ihm viel. Adrian Schön aus Wolfersgrün, Bastian Kräußling aus Birnbaum, Jan Föhrweiser aus Neufang und Maurice Wilhelm aus Marktrodach, alle aus der 7.
Klasse, sind die neuen Schülerlotsen bzw. Buslotsen an der Mittelschule in Steinwiesen. Offiziell in ihr Amt eingeführt wurden sie in der Polizeiinspektion Kronach von PHK Andreas Müller und den Leiter der Inspektion, Polizeirat Uwe Herrmann.


Ausweis und Warnweste

Ausweis und Warnweste als erkennbares Zeichen ihres Amts überreichte Müller jedem einzelnen und war sichtlich stolz auf "seine" Jungs. Als kleine Belohnung führte er sie durch die Wache und erklärte die einzelnen Bereiche, wobei der Zellentrakt im Keller sicher noch einige Zeit in Anspruch genommen hätte, wäre da nicht die Zeit knapp geworden.

Polizeirat Uwe Herrmann lobte die Einsatzbereitschaft der Siebtklässler. "Ihr habt Eure theoretische Prüfung geschafft, aber nun müsst Ihr Euch im täglichen Einsatz bewähren und ein Gespür dafür entwickeln, wie ihr Problemsituationen lösen könnt und euch Autorität verschaffen, damit die Mitschüler Euch akzeptieren und auf Euch hören", gab ihnen Herrmann mit auf den Weg.

Für PKH Andreas Müller wird diese Aufgabe aber nicht einfach zu den Akten gelegt und Schluss. Nein, er ist auch noch als Ansprechpartner da, wenn Schwierigkeiten auftreten oder Fragen da sind. "Wenn irgendwas nicht funktioniert, sprecht mit Euren Lehrern oder mit uns", schärfte er den vier Jungs ein. Es ist schon eine Notwendigkeit, solche Lotsen einzusetzen. Gerade das Gerangel an der Bushaltestelle oder im Bus hat schon oft unerwünschte Wirkungen gezeigt. Ein klein wenig Disziplin in den Schulbus alltag zu bringen, aufzupassen, dass gerade den jüngeren Mitschülern nicht übel mitgespielt wird und auch die älteren mal in ihre Schranken zu weisen, dafür wurden die neuen Lotsen ausgebildet.


Störenfried besänftigt

Adrian Schön aus Wolfersgrün erklärt, dass sie schon darin geschult worden sind, wie man mit den anderen umgeht, wie man sie anspricht. "Ich war schon in so einer Situation, da hab ich versucht, ruhig zu bleiben und hab den Störenfried mit an meinen Platz im Bus genommen, dann war Ruhe", berichtet er. Wenn die Konflikte natürlich zu groß werden, dann sollte sich der Buslotse schon Hilfe suchen, bei den Lehrern oder dem Hausmeister. "Ihr könnt immer zu mir oder Hausmeister Harry kommen, wenn die anderen wirklich nicht auf Euch hören wollen.

Das hat nichts mit Petzen zu tun. Das ist einfach eine Frage der Sicherheit", erklärte stellvertretende Schulleiterin Sabine Söllner. Sie bat auch darum, dass sie ihre Warnwesten anziehen sollen, wenn sie im Dienst sind, um Missverständnisse gar nicht erst aufkommen zu lassen. Sie war stolz darauf, als Klassenlehrerin der 7. Klasse solche verantwortungsbewussten Jungen in ihrer Klasse zu haben.

Darauf sind Adrian, Bastian, Jan und Maurice selbst stolz. "Wir freuen uns, dass wir es geschafft haben, wir wollen ein Vorbild sein, damit nicht so viel Blödsinn im Bus getrieben wird", erklärten sie übereinstimmend.