In zehn Minuten ist alles vorbei, woran Raphael Schardt aus Mitwitz dreieinhalb Monate lang gearbeitet hat. So schnell hat der Beamer das Video "Sturm auf Kronach" an die Wallmauer geworfen. Der Titel bezieht sich auf den Dreißigjährigen Krieg, als die Schweden die Stadt Kronach jahrelang belagerten. Doch auch darüber erzählt die Stadtführerin ja auch nur ein paar Sätze. Mehr Zeit bleibt nicht beim Rundgang durch die Altstadt.

Und viel Zeit haben die Besucher von "Kronach leuchtet" bei ihrem Rundgang durch die illuminierten Gassen und durch die Festung Rosenberg ebenfalls nicht, wollen sie an einem Abend alle 35 Lichtpunkte "abarbeiten". Die Objekte werden in ein ganz besonderes Licht getaucht.

Auf der Festung reiht sich Hingucker an Hingucker. Ein Traum für jeden Fotografen. Und derer gibt es viele. Und "der Hammer" unter den sehenswerten Illuminationen ist laut Organisator Klaus Metzler die Videoproduktion von Raphael Schardt. Der Mitwitzer studiert an der Uni Braunschweig Multimediadesign mit Schwerpunkt Film und Animation und reicht den "Sturm auf Kronach" als seine Bachelor arbeit ein. Seit vergangenem Oktober hat er viel Zeit für das Zehn-Minuten-Video investiert. Zuerst hieß es, Quellenstudium im Stadtarchiv betreiben, dann musste das Drehbuch geschrieben werden, wobei das Vernageln der feindlichen Kanonen durch Kronacher Männer und das darauf folgende Schinden dieser Tapferen sowie der Einsatz der mutigen Frauen bei der Stadtverteidigung Schwerpunkte des Videos bildeten. Ein Musiker, der die Filmmusik komponierte, war zum Glück rasch gefunden. Das Rohmaterial für das Video umfasst sieben Gigabyte!

Unter Freunden

Doch die Präsentation der Bachelorarbeit in einem solchen Rahmen wie bei "Kronach leuchtet" hätte Raphael Schardt alleine nicht schultern können. Hier kam ihm die Freundschaft zum Sohn von Rotary-Präsident Rolf Hering zugute. Herings Sohn studiert in Münster Musik und stellte auch den Kontakt zu einem Studenten her, der sich auf Filmmusikern spezialisiert hat.

Jeder Präsident verwirklicht ein besonderes Projekt, das ihm am Herzen liegt - und Rolf Hering plädierte für den "Sturm auf Kronach". Schon seit Jahren schwebte ihm ein derartiges Projekt vor. Und mit Raphael Schardt hatte er einen Gleichgesinnten gefunden. Die Kronacher Rotarier unterstützten das Projekt mit 7200 Euro. Alleine die Hälfte davon verschlingt die Leihgebühr für einen Ferrari unter den Beamern. Der bringt es auf einen Lichtstrom von 12.000 Ansi-Lumen. Zum Vergleich: Ein Bürobeamer schafft 800 bis 1000 Ansi-Lumen. Wobei Ansi für die Norm American National Standards Institute steht. Man braucht ein so lichtstarkes Gerät, weil die grauen Wallmauern viel Licht schlucken und die Projektionsfläche zehn mal 20 Meter beträgt. Dafür kostet dieser 100 Kilo schwere Licht-Ferrari auch die Kleinigkeit von 60.000 Euro. Er wurde extra mit einer Weitwinkel-Optik ausgestattet, weil der Abstand zwischen den Mauern im Wallgraben eigentlich zu klein für ein so großes Bild ist.

Bei einer Reihe von Tests suchte man nach dem richtigen Beamer, der optimalen Optik und dem passenden Platz für die Präsentation. Und so steht Raphael Schardt jeden Abend von 21.15 Uhr bis Mitternacht neben dem Beamer und spielt den "Sturm auf Kronach" fast nonstop ab. Das Interesse ist riesig. Selbst am verregneten Samstag standen zwischen 22 und 23 Uhr ständig mehr als 100 Besucher vor der Wallmauer.