Diesmal dauerte es länger als gewohnt. Viel länger. "Sonst haben wir immer so zwei Wochen überbrückt und dann wieder vier oder sechs Wochen ganz normal gearbeitet", erzählt Robert Zink. "Aber jetzt war es schon extrem." Seit 1980 arbeitet der 54-Jährige beim Steinberger Maschinenbauunternehmen Waltec. Dass sein Arbeitgeber auf Kurzarbeit umstellte, sei in den vergangen Jahren immer mal wieder vorgekommen. "Über einen so langen Zeitraum haben wir das bislang aber noch nie mitgemacht." Erst seit Anfang dieses Monats muss weder Zink noch einer seiner Kollegen weniger Arbeitsstunden leisten, als tariflich vereinbart sind. Nach neun Monaten.

Das Problem: Zwar stiegen in dieser Zeit die freien Stunden, dafür sank aber auch das Gehalt. Denn wenn Angestellte zum Beispiel nur 20 statt 40 Stunden in der Woche arbeiten, bekommen sie auch entsprechend weniger Lohn (siehe Text unten). "Für mich war es finanziell auszuhalten, weil ich ausreichend zurückgelegt habe", erzählt der Maschinenschlosser. "Für jemanden, der gerade ein Haus gebaut und dadurch monatliche Belastungen hat, ist das aber natürlich schon deutlich schwieriger." Seine Kollegen hätten die vergangenen Monate daher auch ganz unterschiedlich erlebt.

Aus dem Rhythmus gerissen

Wie verschieden Kurzarbeit aufgenommen wird, weiß auch der Kronacher Betriebsseelsorger Joey Schneider. Manche würden aus ihrem Rhythmus gerissen, andere seien hingegen schon sehr erfahren mit Kurzarbeit und wüssten, dass diese immer mal wieder auf sie zukomme. "Die gehen ganz sportlich damit um, weil sie wissen, dass sie sich auf ihren Arbeitgeber verlassen können", erzählt er. Im Großen und Ganzen halte er die Kurzarbeit für eine gute Möglichkeit, um die Beschäftigte nicht in die Arbeitslosigkeit schicken zu müssen und konjunkturelle Täler zu überbrücken.

Genauso sieht es auch Robert Zink. Das Gute an der Kurzarbeit sei schließlich, dass durch sie Entlassungen verhindert werden können. "Da bin ich froh, dass es so eine Regelung gibt." Die sieht nämlich vor, dass Unternehmen bei der Arbeitsagentur in konjunkturellen Dürrephasen sogenanntes Kurzarbeitergeld beantragen können. Sind die Auftragsbücher also einmal nicht so voll wie sie sein sollten, um nicht in die tiefroten Zahlen zu geraten, muss ein Arbeitgeber niemanden entlassen. Eine Möglichkeit, die in den vergangenen Monaten nicht nur Waltec nutzte.

Betroffene Branchen

Waren es im April 2018 noch vier Unternehmen, die auf Kurzarbeit umstellten, schoss die Zahl in manchen Monaten bis auf zehn Betriebe in die Höhe. "Das ist ein Zeichen dafür, dass wir uns momentan in einer wirtschaftlichen Abschwungphase befinden", sagt Matthias Klar, Pressesprecher der Arbeitsagentur Bamberg-Coburg.

Von der Kurzarbeit betroffene Branchen sind nach Angaben der Agentur vor allem die Automobil- und Zuliefererindustrie. "Wir sind viel vom Export abhängig, da sehr viele Maschinen ins Ausland geliefert werden", erklärt Zink. "Und wenn die Firmen im Ausland aufgrund der politischen Lage oder Unruhen nicht investieren, kriegen wir das zu spüren."

Auch der Neuseser Automobilzulieferer Dr. Schneider ließ seine Angestellten Anfang des Jahres in seiner Lackieranlage in Tschirn für einige Wochen kürzer arbeiten. Damals sei die Ursache gewesen, dass der Auslauftermin eines alten Programms nicht mit dem Anlauftermin neuer Produkte übereinstimmte, teilt Ria Schuberth, die Pressesprecherin des Unternehmens auf FT-Anfrage mit. Dieser zeitliche Versatz sei dann mit Kurzarbeit überbrückt worden. In deutlich größerem Stil gab es Kurzarbeit bei Dr. Schneider zuletzt während der Weltwirtschaftskrise in den Jahren 2008 und 2009. "Damals war ein massiver Konjunktureinbruch dafür verantwortlich", so Schuberth.

Generell sei die Möglichkeit, in Deutschland Kurzarbeit durchzuführen, ein personalpolitisches Instrument, "um das uns viele Länder beneiden". Zunächst müssen dafür allerdings die nötigen Voraussetzungen geschaffen werden. Dazu gehört unter anderem, Urlaubs- und Überstunden abzubauen und eine Prognose über den voraussichtlichen Zeitraum der Kurzarbeit abzugeben. Insgesamt trage die Kurzarbeit dazu bei, "die Beschäftigung der betroffenen Mitarbeiter zu sichern und den Unternehmen wertvolles Mitarbeiter-Knowhow zu erhalten, bis die ,Durststrecke‘ überwunden ist", betont Schuberth.

Keine Dauerlösung

Derzeit befänden sich bei Dr. Schneider keine Mitarbeiter in Kurzarbeit und aktuell sei in dieser Richtung auch nichts geplant. Es sei aber nicht auszuschließen, "dass Maßnahmen ergriffen werden müssen". Das hänge vor allem vom Abrufverhalten der Kunden ab, das mittlerweile sehr sprunghaft sei.

Sprunghaftes Verhalten hin, schwächelnde Konjunktur her: Zu einer Dauerlösung dürfe Kurzarbeit nicht werden, betont Robert Zink. "Denn ansonsten kann es auch sein, dass sich Kollegen lieber nach einer anderen Arbeitsstelle umsehen", weiß der 54-Jährige. Länger als ein halbes bis ein Dreivierteljahr sollte eine Kurzarbeit-Phase ohnehin nicht dauern, erklärt Betriebsseelsorger Joey Schneider: "Denn sonst kommt man meist nicht umhin, doch zu entlassen." Eine Sorge, die bei Waltec seit Anfang dieses Monats nun aber wohl niemand mehr haben muss.

Kurzarbeitergeld: So viel zahlt die Agentur für Arbeit

Stellt ein Unternehmen auf Kurzarbeit um, verringert sich nicht nur die Arbeitszeit, sondern auch das Gehalt. Um diesen Gehaltslücke auszugleichen, zahlt die Bundesagentur für Arbeit Arbeitnehmern ein Kurzarbeitergeld. Allerdings nicht die volle Höhe des entgangenen Nettolohns, sondern nur 60 Prozent.

Beträgt ein Vollzeitlohn etwa 1400 Euro, der Arbeitnehmer erhält aufgrund der Kurzarbeit aber nur 800 Euro, ergäbe dies eine Differenz von 600 Euro. In diesem Fall würde die Arbeitsagentur 360 Euro Kurzarbeitergeld zahlen. Statt 1400 Euro netto würde der Monatslohn während der Kurzarbeit dementsprechend bei etwa 1160 Euro liegen. Wer Kinder hat, erhält statt 60 Prozent des Nettolohns, sondern sogar 67 Prozent. Weil der Arbeitgeber in der Fürsorgepflicht steht, muss er bei der Agentur für Arbeit Kurzarbeit beantragen. Arbeitnehmer müssen daher keinen Antrag stellen. Es gibt drei Arten von Kurzarbeitergeld:

1. Konjunkturelles Kurzarbeitergeld kann die Arbeitsagentur bei einer schwierigen wirtschaftlichen Entwicklung gewähren. Nämlich dann, wenn vorübergehend nicht genug Aufträge existieren, um alle Angestellten mit Arbeit zu versorgen. Allerdings kann das konjunkturelle Kurzarbeitergeld maximal zwölf Monate bezogen werden.

2. Saison-Kurzarbeitergeld erhalten nur Betriebe des Baugewerbes in der Schlechtwetterzeit. Diese geht von Dezember bis März. Im Gerüstbaugewerbe beginnt sie bereits im November. Gewährt wird das Kurzarbeitergeld bei wirtschaftlich bedingtem Arbeitsausfall oder aus witterungsbedingten Gründen. Finanziert wird das Saison-Kurzarbeitergeld durch die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung.

Transferkurzarbeitergeld kann aus mehreren Gründen beantragt werden. Zum einen, um Entlassungen zu vermeiden, zum anderen, um bei einem Personalabbau die Vermittlungschancen zu verbessern. Die Voraussetzung ist jeweils ein dauerhafter unvermeidbarer Arbeitsausfall.

Quellen: Agentur für Arbeit und www.arbeitsrechte.de