Die Ausbildung 2020 ist gestartet - mit Masken, mit Kurzarbeit, mit unsicheren Perspektiven für Unternehmen. Verpasst jetzt also die "Generation Corona" einen erfolgreichen Start in ihre berufliche Laufbahn? "Definitiv nein!", stellt der Kronacher Berufsberater Jürgen Reinhold fest. Niemandem müsse Bange davor sein, dass die Firmen heuer vor der Ausbildung zurückschrecken.

775 Ausbildungsplätze wurden im aktuellen Berufsberatungsjahr (seit Oktober 2019) gemeldet - ebenso viele wie 2018 und nur 5,5 Prozent weniger als im Vorjahr (820). Bewerber für diese Stellen gab es bis zum Stichtag 417.

Auszubildende zeigen Zuversicht für ihre Zukunft

Manuel Fischer und Philipp Erhardt haben bei der Sparkasse Kulmbach-Kronach (neun neue Auszubildende) und der Maschinenbau-Firma Weber (zwölf neue Auszubildende) in Kronach ihren Berufseinstieg nach Wunsch realisieren können. Sorgen darum hatten sie sich trotz der Pandemie nicht gemacht. "Ich hatte schon im November die Zusage bekommen. Somit glücklicherweise noch vor Corona", stellt Philipp Erhardt fest, dass die Weichen für die Ausbildung oftmals frühzeitig gestellt werden.

Auch der 19-jährige Manuel Fischer, der IT-Systemmanagement erlernt, hatte sich schon vor der Corona-Welle um seine berufliche Zukunft gekümmert - und selbst während der Hochphase der Pandemie "keine Bedenken, dass etwas nicht klappen könnte". Er habe ständig Kontakt zu seinem Ausbildungsleiter gehalten und sich gut informiert gefühlt.

In der Krise eine Chance sehen

Seinen Job angetreten hat er nun inmitten der Pandemie-Situation. Trotzdem bleibt er weiterhin positiv gestimmt: "Ich sehe Corona für meine Ausbildung vor allem als Chance. Denn gerade IT-Berufe sind in dieser Zeit wichtiger denn je. Die Sparkasse arbeitet ständig an bestehenden und neuen digitalen Lösungen. Durch die Corona-Krise werde ich sofort stark in die Praxis mit eingebunden und kann die Digitalisierung aktiv mitgestalten."

Ehrhardt geht ebenfalls davon aus, dass seine Ausbildungszeit wegen des Virus' anders als üblich verlaufen wird. Aber auch der angehende Mechatroniker findet eine positive Herangehensweise: "Ich habe das Glück, in meinem Beruf die Abstandsregeln gut einhalten zu können und deshalb nicht wie in anderen Berufen den ganzen Tag Masken tragen zu müssen."

Folgen der Pandemie spiegeln sich im Alltag wider

"Natürlich hat das Corona-Virus Auswirkungen auf den Berufsalltag und somit auch auf die Ausbildung, wo gerade dem persönlichen Anlernen eine hohe Bedeutung zukommt", bestätigt Ausbildungsleiter Jan Fischer von der Sparkasse die Erwartungen der beiden Auszubildenden. Hygieneregeln spielten in einer sehr sozial interaktiven Branche eine große Rolle.

Dass bei allen Versuchen, den Alltag so normal wie möglich zu gestalten, das Miteinander erschwert wird und viele Regeln schon den Start in den Beruf verändern, stellt auch die Firma Weber fest. Doch heißt es dort mit Blick auf die ungewohnten Ansprüche für die Ausbildung: "Durch gute Organisation lässt sich vieles umsetzen." Und für Jan Fischer gibt es keinen Zweifel: "Trotz Corona erleben unsere Auszubildenden einen normalen Arbeitsalltag."

Das sagt die Agentur für Arbeit

Das Ausbildungsjahr 2020 wird sicher kein normales werden. Dass die Betriebe wegen Corona bei den Einstellungen der Lehrlinge radikal auf die Bremse treten und am Ende massenweise Bewerber auf der Straße stehen werden, ist nach Ansicht der Agentur für Arbeit Bamberg-Coburg jedoch nicht zu erwarten.

Kontakt zu Schulen und Firmen

"Das ,Schiff‘ hatte noch richtig Schwung vom letzten Jahr", stellt der Kronacher Berufsberater Jürgen Reinhold fest. Für die Phase des aktuellen Ausbildungsstarts seien viele Weichen schon vor Monaten gestellt worden, weshalb es auch keinen Einbruch bei den Ausbildungsstellen gegeben habe. Beim Start ins Berufsleben sind "daher die meisten Bewerber im glücklichen Hafen angekommen." Die Agentur habe dafür auch den ganzen Sommer über einen besonders engen Kontakt zu Schulen und Betrieben gehalten.

Doch auch wer jetzt noch nicht fündig wurde, habe keinen Grund, den Kopf in den Sand zu stecken, wie Pressesprecher Matthias Klar ergänzt. "Der Ausbildungsstart wird sich heuer bis Weihnachten hinziehen", ist er überzeugt, dass zeitnah noch mehr Bewerber ins Jobleben finden können.

Wer etwas später dran ist, der müsse sich wegen der dann schon gestarteten Berufsschule keine großen Sorgen machen. Was bis dahin behandelt wurde, lasse sich durchaus noch gut nachholen. Die Berufsschulen hätten diese Situation genau im Blick.

Spekulieren macht keinen Sinn

52 Bewerber seien noch übrig, 281 Ausbildungsstellen noch unbesetzt, nennt Klar den aktuellsten

Zwischenstand vom Kronacher Ausbildungsmarkt. Daher sei durchaus noch eine gute Auswahl an Ausbildungsstellen vorhanden. Reinhold ergänzt: "Wer das Bull's Eye - also den absoluten Wunschberuf - treffen will, der hat's jetzt schon schwer. Bei artverwandten Berufen haben die Bewerber aber noch gute Chancen."

Das Corona-Loch scheint heuer also auszubleiben. Weiter in die Kristallkugel möchte Matthias Klar nicht schauen ("Spannend wird, was mit dem nächsten Jahrgang passiert"). Die Arbeitsagentur könne nur bestehende Entwicklungen und Zahlen bewerten, was darüber hinausgehe, bleibe wissenschaftlichen Studien überlassen. Alles andere wäre aus seiner Sicht unseriös. Denn im Moment könne keiner absehen, wie es 2021 mit dem Virus und der Wirtschaft weitergehen wird.