"Da hat's heute früh schon dreimal beinahe gekracht. Und dann wurde gehu..." - der Mann aus der Kronacher Siedlung hat noch nicht ausgesprochen, als das nächste Hupkonzert beginnt. Ein Audifahrer wollte vor der Baustelle auf der B 173/303 einfädeln, und dabei hätte es fast gescheppert. Dass die Arbeiten für die neue Radwege-Unterführung eine Etage höher beim mal mehr, mal weniger rollenden Verkehr für Unmut sorgen, ist nicht neu. Von ganz anderer Qualität scheint nun jedoch der Hilferuf der Geschäftsleute.

Hohe Einbußen

"Mit Corona wurden wir schon einmal getroffen", erklärt Herbert Müller, "und jetzt passiert das schon wieder". Der Betreiber einer Lottostelle im Umfeld der Bauarbeiten macht sich bereits nach rund zwei Wochen ernsthafte Sorgen um seine berufliche Zukunft. 3000 Euro in der ersten Woche, 5000 Euro in der zweiten Woche - was an Umsatz in der Kasse fehle, sei extrem. Doch viele Kunden möchten den Stau an der Baustelle vermeiden und geben ihren Schein einfach woanders ab.

Er würde sich daher wünschen, dass möglichst in Schichten gearbeitet wird, um die Baudauer einzudampfen. Er habe von mehr als einem Gesprächspartner gehört, dass das andernorts bei ähnlichen Maßnahmen ganz normal sei.

Existenziell ist das Problem für den benachbarten Hagebaumarkt zwar nicht, aber auch dessen Geschäftsführer Eric Bienlein-Karst versichert: "Wir merken die Arbeiten massiv im Umsatz - gerade nach der Corona-Situation." Damals hätten sich solche Arbeiten problemlos durchführen lassen. Doch gerade jetzt, wo das Geschäftsleben wieder Fahrt aufnehme, lasse man den Händlern die Baustelle samt Ampelschaltung vor die Füße fallen. "Wer nimmt diesen Umweg schon in Kauf?", fragt Bienlein-Karst mit Blick auf Staus in den Stoßzeiten und der weggefallenen Abbiegespur, die zur Wende am Kreisverkehr zwingt. Und was ihn besonders ärgert: "Es gab vorab keinerlei Kommunikation. Wir haben von den Bauarbeiten aus der Zeitung erfahren." Mit etwas mehr Absprache, ist er überzeugt, wären bessere Lösungen möglich gewesen.

Drei auf einen Streich

Harald Beetz, Geschäftsführer der Foodbox, sieht es ähnlich. 20 bis 25 Prozent Umsatzeinbußen registriert er, seit gebaut wird. Wer nicht unbedingt hin müsse, vermeide momentan eben die Fahrt nach Fröschbrunn. "Man hört's von den Leuten", betont er, dass er sich so etwas nicht zusammenreimt. Und wenn er dann sehe, dass auf kurzer Entfernung parallel noch zwei Bundesstraßen-Baustellen in Gundelsdorf und beim Kronacher Schützenplatz laufen, zweifelt er an der Zeitplanung der Straßenbauer. Da bleibt ihm nur ein kleiner Seitenhieb: "Ist das umweltschonend, wenn wir jetzt alle im Stau stehen?"

Es gibt aber auch die anderen Stimmen, die Händler, die sich mit der Baumaßnahme arrangieren können. Einer davon ist Fressnapf-Betreiber Michael Schmölzing. "So wie die Baustelle gelöst ist - viel besser geht's doch nicht", findet er. Und so umständlich sei der Umweg über den Kreisel ja auch nicht. Allerdings relativiert er seine Sichtweise. Bei ihm würden die Umsätze passen, weil er nicht den Druck durch Mitbewerber spüre, wie mancher in der Nachbarschaft. Anders könne die Sache aussehen, sollten sich die Arbeiten bis ins Weihnachtsgeschäft hineinziehen.

Ähnlich geht es Martin Renz. Wer zu ihm ins Bike Center Dressel komme, der habe den Fahrradkauf in der Regel mittelfristig geplant, sagt der Geschäftsführer. Außerdem habe sein Laden einen weiten Kundenkreis. Und wenn ein Kunde erst einmal in Kronach sei, dann nehme er auch die Wartezeit an der Baustelle in Kauf.

Dabei profitiere das Bike Center durchaus auch vom schönen Wetter. Der Kunde wolle jetzt unbedingt sein Rad und nicht noch wochenlang warten, stellt Renz fest. Folglich passe der Umsatz. Zu früh in Sicherheit will sich der Geschäftsführer aber nicht wiegen. "Wir müssen erst mal schauen, was passiert, wenn das Wetter mal zwei Wochen schlecht ist. Dann kann sich das drehen. Dann eilt es dem Kunden ja nicht mehr."

Das sagt das Staatliche Bauamt Bamberg zur Situation

Die Probleme auf der B 173/303 bei Fröschbrunn beschäftigen auch das zuständige Staatliche Bauamt Bamberg. Pressesprecherin Sabrina Hörl erklärt die Situation. Gewerbetreibende aus dem Baustellenumfeld klagen über ausbleibende Kunden. Sind Sie mit solchen Sorgen konfrontiert worden?

Sabrina Hörl: Das Staatliche Bauamt Bamberg und die Verkehrsbehörde am Landratsamt Kronach sind sich der Einschränkungen bewusst. Aufgrund der örtlichen Gegebenheiten konnte nur eine dreispurige Behelfsumfahrung errichtet werden.

Diese Verkehrssituation im Baustellenbereich wird laufend beobachtet und nachjustiert, um die Ampelschaltung bestmöglich an das Verkehrsaufkommen anzupassen. Die bereits vorgenommenen Anpassungen an der Ampelschaltung und der Dauer der Grünphasen haben bereits eine deutliche Verbesserung des Verkehrsflusses bewirkt.

Bisher hat das Staatliche Bauamt Bamberg keine Beschwerden der ansässigen Gewerbetreibenden erhalten. Die für die Baumaßnahme zuständigen Behörden und die beteiligten Firmen sind sehr bemüht, die Belastungen für die betroffenen Anlieger so gering wie möglich zu halten.

Vor allem die Dauer der Baustelle bereitet Sorgen. Wie sieht der Zeitplan dafür aus?

Laut Bauvertrag soll der Verkehr bis Mitte Dezember wieder auf die ursprüngliche Fahrbahn zurückverlegt werden. Die Straßenbaufirma arbeitet mit Hochdruck daran, die Maßnahme so zügig wie möglich fertigzustellen.

Wären ein Schichtbetrieb oder Nacht-/Wochenendarbeiten ein Ansatz für eine Beschleunigung?

Für die bauvertraglich vereinbarte Einhaltung der Fertigstellung ist die Baufirma eigenverantwortlich tätig. Der baulich angesetzte Zeitraum für die Realisierung der Maßnahme ist sehr knapp bemessen, um die Dauer der Einschränkungen so kurz wie möglich zu halten. Technologisch bedingt gibt es immer wieder Zeiträume, in denen kein Bauarbeiter auf der Baustelle zu sehen ist. Beispielsweise, weil Materialien vor dem nächsten Arbeitsschritt erst aushärten müssen, Fertigteile produziert und geliefert werden müssen, um eingebaut werden zu können, oder es wetterbedingte Unterbrechungen gibt, wenn witterungsempfindliche Materialien verbaut werden. Auch sind bestimmte Arbeitsabläufe nur nacheinander möglich.

Gibt es Hilfen für Geschäftsleute in derartigen Situationen?

Vor und bei der Durchführung derartiger Straßenbaumaßnahmen wird versucht, die Belange aller Beteiligten und insbesondere der Anlieger bestmöglich zu berücksichtigen und die Beeinträchtigungen so gering wie möglich zu halten. Mögliche Ausgleichsansprüche sind im Bundesfernstraßengesetz geregelt.

Der Anwendungsbereich der Vorschrift wird sehr eng gezogen. Der Anlieger hat grundsätzlich alle Maßnahmen zu dulden, die notwendig sind, um eine Bundesstraße in einem ordnungsgemäßen Zustand zu erhalten oder den weitergehenden Bedürfnissen des Verkehrs anzupassen. Deshalb sind Beeinträchtigungen durch Straßenbauarbeiten prinzipiell entschädigungslos hinzunehmen, selbst wenn sie sich über einige Zeit hinziehen. Der Anlieger, der aus der Verbindung zur Straße Vorteile zieht, muss in gewissem Umfang Nachteile in Kauf nehmen, die sich aus deren Unterhalt beziehungsweise Ausbau ergeben.

Wie zufrieden ist Ihr Amt mit dem bisherigen Ablauf der Arbeiten?

Die Baumaßnahme verläuft nach Plan. Die bauausführende Firma VSTR und das Bauamt arbeiten eng zusammen, damit der Bauablauf schnellstmöglich abgewickelt werden kann.

Unsere Zeitung wurde in diesem Zusammenhang mit Beschwerden konfrontiert, dass zeitgleich in Gundelsdorf Schwierigkeiten durch die dortige Baustelle (B 85) entstanden sind.

Für die direkten Anlieger ist die Anfahrt bis auf einige wenige Tage, in denen Asphaltierungsarbeiten stattfinden, weiterhin möglich, auch die Aufrechterhaltung des Kindergartenbetriebes konnte weitestgehend sichergestellt werden. Ab Mitte dieser Woche wird mit der Herstellung des Planums und einigen Vorarbeiten begonnen. Die Asphaltierungsarbeiten sind in der Woche vom 5. Oktober vorgesehen. Aus Sicherheitsgründen sind die Arbeiten leider nur unter Vollsperrung durchzuführen. Die bisherigen Arbeiten verlaufen planmäßig, so dass die Vollsperrung nach aktuellem Kenntnisstand ab dem 17. Oktober aufgehoben werden kann.