Ein mit einem roten Herz verzierter Reißverschluss öffnet sich und gibt den Blick auf die Thüringer Warte frei. Die Zacken sehen wie Menschen aus, die nun zu sich finden. Der Hintergrund ist in warmen Orange-Rot-Tönen gehalten. Das Bild trägt den Titel "Einblick verbindet".

Geschaffen wurde es von der - teils in Spanien, teils in Goldkronach beheimateten - Malerin Sonja Schmidt, Künstlername "Mariposa" (spanisch für Schmetterling).


Unterschiedliche Perspektiven

Ihr Werk steht auf den ersten Blick im Gegensatz zu den Schwarz-Weiß-Collagen von Martin Ludwig mit eingefügten dokumentarischen Momentaufnahmen. Doch beide weisen auf ein historisches Ereignis hin, das das Leben der Deutschen bis heute veränderte: Die Grenzöffnung.
Wie unterschiedlich diese künstlerisch interpretiert werden kann, zeigt die ebenso beeindruckende wie nachdenklich stimmende Ausstellung, die derzeit im Ludwigsstädter Rathaus zu sehen ist.

Am 3. Oktober 2015 jährte sich die Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten zum 25. Mal. Das Jubiläum nahmen die Mitglieder der internationalen Künstlergruppe "4 Elements", Sonja Schmidt, Carina Scherbel, Sigrid Hanke, Eva Homanner-Fink, sowie Kursleiter Martin Ludwig und die beiden Gastmalerinnen Ann Kathrin Fischer und Kathrin Nowitzki zum Anlass, sich mit dem Thema künstlerisch auseinanderzusetzen.

Dabei entstand ein berührender "Bilderbogen" deutscher Geschichte, in ganz unterschiedlichen künstlerischen Formen und Ausdrucksweisen. Leuchtend bunt oder schwarz-weiß, abstrakt oder real - So verschieden die Techniken, Stile und Farben auch sind, ob sie auf eigenen Erinnerungen beruhen oder der Vorstellung entspringen: Es sind Bilder, die wohl niemanden kalt lassen.


Jahrestag in farbigen Bildern

Ludwigsstadts Bürgermeister Timo Ehrhardt freute sich, zur Ausstellungseröffnung insbesondere seinen Amtskollegen Sven Mechtold aus Probstzella wie auch politische Vertreter der beiden Kommunen begrüßen zu können. Sein weiterer Willkommensgruß galt den anwesenden Künstlerinnen wie auch Kursleiter Martin Ludwig. Dieser war bereits vor einiger Zeit schon einmal mit einer Solo-Ausstellung im Ludwigsstädter Rathaus vertreten gewesen, dessen Eingangsbereich auch einige - von der Stadt erworbene - Bilder von ihm zieren.


Ein seltenes Motiv

"Das Thema hat mir sofort gut gefallen", blickte Ludwig auf die in diesem Zusammenhang erstmals im Frühling geführten gemeinsamen Gespräche zurück.

Der Fall der Mauer werde in der Kunst nicht so häufig dargestellt. Einigen Mitgliedern hätte das Thema zugesagt, andere wiederum hätten dessen künstlerische Umsetzung als weniger interessant empfunden.

"Die Mitglieder von ,4 Elements' sind zwischen 25 und 78 Jahren alt", erklärte der Kursleiter. Umso spannender und interessanter sei ihre unterschiedliche - künstlerische wie auch "menschliche" - Herangehensweise an die Ereignisse, die einige als Zeitzeugen hautnah erlebt hätten, während andere sie noch nicht bewusst hätten miterleben können.

Auch aufgrund der derzeitigen Ereignisse sei das Thema aktueller denn je. Es sei wichtig, die Vergangenheit nicht in Vergessenheit geraten zu lassen und sie jungen Menschen zu vermitteln.

Die Ausstellung ist noch bis zum 31. Oktober im Rathaus zu den allgemeinen Geschäftszeiten Montag bis Donnerstag von 9 bis 17 Uhr und freitags von 9 bis 12 Uhr zu sehen. Im Anschluss soll sie eventuell in Probstzella ausgestellt werden. Stimmungsvoll umrahmt wurde die Vernissage von Jerry Senfluk aus Lauenstein. Der aus Prag stammende Musiker gehört zur Spitzenklasse europäischer Swing-Klarinettisten. Lange in England zu Hause, war er aber auch zeitweise in Berlin und in vielen Ländern als Solist tätig.