Nachdem der Rewe-Markt in der Industriestraße schließen will, zieht nun der E-Center nach. Doch während Rewe seinen Markt nach Ruppen verlagert, scheint es derzeit für Edeka in Kronach keine Zukunft zu geben.

Auf Anfrage teilte die Edeka-Unternehmensgruppe Nordbayern-Sachsen-Thüringen mit, dass der Mietvertrag in der Industriestraße im Oktober dieses Jahres auslaufen wird. "Die Geschäftsleitung geht auf Grund der anhaltend angespannten wirtschaftlichen Situation des Marktes nicht davon aus, den Mietvertrag zu verlängern", heißt es in dem Antwortschreiben an unsere Zeitung. Dennoch sieht Edeka in Kronach nach wie vor Potenzial "für einen frische-orientierten Edeka-Markt". Allerdings scheint diese Aussage in Widerspruch zu der aktuellen Entscheidung zu stehen.


Belegschaft ist informiert

Jedenfalls wurde die Belegschaft laut Edeka bereits über die bevorstehende Schließung informiert. Für die circa 30 Mitarbeiter wird demnach versucht, "einen Arbeitsplatz in den umliegenden Märkten zu finden". Sollte dies nicht gelingen, werde ein Sozialplan in Kraft treten. Die Marktleitung selbst wollte zur Situation und zur Personalstärke keine Stellung nehmen. Allerdings zeigte sich beim Gang durch den Laden, dass sich die Mitarbeiter nichts anmerken lassen und den Betrieb wie gewohnt fortsetzen wollen.

Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein erklärte, von dieser Entwicklung bereits gewusst zu haben: "Uns ist es seit ein paar Tagen bekannt." Dass dadurch ein Problem entstehen könnte, davon geht er nicht aus. Dementsprechend zeigte er sich hinsichtlich einer Folgenutzung optimistisch: "Wir stehen in gutem Kontakt zum Eigentümer und zu möglichen Nutzern." Allerdings betonte der Bürgermeister, dass die Stadt nur als Vermittlerin auftreten könne, nachdem sie nicht Eigentümerin sei.


Nachfolge-Lösung zeichnet sich ab

Eigentümerin ist die Kronacher SSE Verwaltungs-GmbH, deren Geschäftsführer Jens Schick bereits von Bemühungen um eine Nachfolge-Lösung sprach. SSE sei gerade dabei, entsprechende Planungen fertigzustellen. Es gebe mehrere Interessenten, die eine ähnliche Verwendung des Gebäudes anstrebten wie bislang Edeka. "Es wird definitiv eine Nachnutzung geben", unterstrich Schick. "Es wird also keine Lücke entstehen. Der Bereich wird nicht irgendwann leer stehen." Nahtlos wird der Übergang allerdings nicht erfolgen, denn "voraussichtlich werden wir den Markt umbauen", so der Geschäftsführer.

SSE wurde hinter den Kulissen auch schon als Interessent für das Rewe-Grundstück nebenan gehandelt. Eine große Lösung mit beiden Nachbargrundstücken wird es aber nicht geben, wie Schick auf Nachfrage feststellte. Zum einen sei der Fonds, dem das Rewe-Gelände gehört, nicht zu einem Verkauf bereit. Zum anderen sei eine vom Fonds angestrebte gemeinsame Nutzung der Flächen aus Schicks Sicht nicht praktikabel.

Edeka ist seit mehr als 15 Jahren im jetzigen Marktgebäude angesiedelt. In dieser Zeit haben sich auch andere Geschäfte unter dem Dach des E-Centers eingefunden. Ein Bäcker, eine Lotto-Stelle, ein Bekleidungsgeschäft und ein Billigwaren-Markt sind dort zu finden. Was aus ihnen wird, kann Schick nicht sagen. Diese Händler seien Mieter von Edeka, nicht von SSE. Und Edeka habe vertraglich die Übergabe eines leeren Gebäudes festgelegt.


Mieter warten auf Stellungnahme

Auch Marita Oppelt weiß noch nicht, wohin die Reise geht. Sie führt die Lotto-Stelle im E-Center und hat erst am Donnerstag über Dritte von der bevorstehenden Schließung erfahren. Dass ein großer Konzern wie Edeka die Mieter nicht zeitgleich mit der eigenen Belegschaft über eine solche Situation informiert, findet sie seltsam. Offiziell habe Edeka sie bisher noch gar nicht über die Schließung in Kenntnis gesetzt. Für den Fall, dass ein Umzug bevorstehe, sei dies aber aus organisatorischen Gründen dringend notwendig. Ebenso merkwürdig findet sie das Verhalten des Konzerns in anderer Hinsicht: "Lässt man eine Kreisstadt wie Kronach wirklich so Knall auf Fall ohne Edeka-Markt?"