Zwölf Tische stehen in dem Seminarraum im Loewe-Verwaltungsgebäude. Daran nehmen ab sofort 22 Studierende Platz. Dass der auf 24 Personen ausgelegte Raum schon so schnell an seine Grenzen gebracht wird, hatte anfangs wohl kaum einer der Verantwortlichen zu hoffen gewagt. Für den neu ins Leben gerufenen Studiengang "Zukunftsdesign" war zunächst mit etwa 15 Teilnehmern kalkuliert worden. Am Mittwoch fiel nun der offizielle Startschuss - und nicht nur die Teilnehmerzahl sorgte dafür, dass immer wieder das Wort "spannend" fiel.


Kreative Unruheherde

"Mir sind schon Ideen durch den Kopf geschossen", stellt Ivonne Scholl-Engelhardt fest und spricht zum Beispiel von Robotern, die älteren Menschen zur Hand gehen könnten. Sie steht bereits mitten im Berufsleben und fällt als Zweigstellenleiterin der Kronacher Wefa daher nicht unbedingt ins Raster für einen Studiengang. Ebenso wenig wie ihr Kollege Heinz Rembur, mit 59 Jahren sogar nur der zweitälteste Teilnehmer. Daneben sitzt mit Palash Agrawal ein junger Inder, der seit zweieinhalb Jahren in Deutschland lebt. Er hat bei Dr. Schneider in der Industrie seinen Arbeitsplatz gefunden.

Andere junge Erstsemester sind im Marketing oder im Personalwesen tätig. Ältere Studierende berichten vom Leben als Freiberufler, Physiker oder Unterrichtender an einer FOS.
Der Präsident der Hochschule Coburg, Michael Pötzl, strahlt bei der Vorstellungsrunde übers ganze Gesicht. Von einem derart alters-, geschlechter- und berufsgemischten Studiengang erwartet er einen Schmelztiegel für Neues. "Es ist nichts unmöglich, man muss sich nur auf den Weg machen", fordert er die Studierenden auf, "kreative Unruheherde" zu sein.

Pötzl weist auf die Chancen hin, die der praxisorientierte Studiengang in Kronach bieten könne, der deutschlandweit einmalig sei. "Was wir hier machen, steht in keinem Lehrbuch drin, dafür gibt es keine Blaupause", betont er. Der von der Hochschule Coburg durchgeführte Master-Studiengang solle den Blick früher als andernorts nach vorne richten, um Entwicklungen einschätzen zu können und Innovationen zu wecken.


Impulsgeber für die Region

IHK-Vizepräsident Hans Rebhan ist sehr beeindruckt, wie schnell das Studiengang-Projekt mit Leben erfüllt wurde. Durch dieses besondere Angebot und den daraus resultierenden Austausch solle die Region gestärkt werden. "Die Resonanz zeigt, dass man auf dem richtigen Weg ist." Einen Impuls für eine Innovationsregion erhofft sich MdB Hans Michelbach (CSU) vom Studiengang. Der Erfolgsweg der Hochschule Coburg werde nun nach Kronach fortgeführt. Besonders lobt Michelbach den Mut von IHK und Hochschule, Neues zu wagen: "Man hat gesagt, wir wissen wie es geht." Herausgekommen sei ein Meilenstein.

Michael Pötzl hofft nun auf einen "spannenden Prozess" und viele konkrete Ideen. Und er wünscht sich, dass es eines Tages heißt: "Wow, das kommt aus Kronach? Warum nicht!"