Herbert Doppels Faszination zur Flößerei ist 30 pralle Ordner dick. Das stattliche Archiv mit zusätzlich einigen tausend Fotos aus dem Alltagsleben der Dorfgemeinschaft Neuses und ihrem ausgeprägtem Vereinsleben ist das Lebenswerk des 69-Jährigen.

Ganz entscheidend beeinflusste die Musik Herbert Doppel, der sich in jungen Jahren in den Dienst der Flößerknabenkapelle stellte. Mit seinem Flügelhorn erlebte er in den Nachkriegsjahren eine durchaus spannende Erfolgsgeschichte. Im In- und Ausland waren die Neuseser ein gerne gesehener Klangkörper. Bis zu 40 Buben standen im Flößeroutfit auf der Bühne und sorgten so für großes Aufsehen. Auch heute noch erinnert man sich gerne an die musikalischen Reisen nach Italien, Belgien, England, Frankreich und Luxemburg. Mit diesen eindrucksvollen Begegnungen wurden enge Bande der Völkerfreundschaft geknüpft. In Erinnerung geblieben sind aber auch die mehrfachen Auftritte beim Kronacher Freischießen.

Allerdings hielt dieser rasante Höhenflug nur bis 1968 an, erinnert sich Doppel. Denn die Knaben wurden älter, hatten dann andere Interessen. Ein Neuanfang scheiterte im Jahre 1970 - ein Kulturgut ging damit verloren. Unvergessen bleibt, so der Archivar, der musikalische Leiter Adolf Seubold, der sich enorme Verdienste um die Flößerkapelle erworben hat. Gerne denkt er an das Jahr 1962. Höhepunkt der seinerzeitigen Italienreise war das Konzert vor Papst Paul VI in Castel Gandolfo, dem Sommersitz des kirchlichen Oberhauptes, vor 6000 begeisterten Besuchern.

Bei dieser außergewöhnlichen musikalischen Erfolgsbilanz ist es kaum verwunderlich, dass Herbert Doppel dazu eine umfassende Dokumentation schuf. Die Auftritte im Ausland waren für den Neuseser etwas ganz Besonderes. Die internationale Presse und vor allem das Fernsehen feierten geradezu überschwänglich die Auftritte der Jungmusikanten aus dem Frankenwald. Und all dies ist umfassend in der Doppel-Dokumentation verewigt worden.

Einen hohen Stellenwert während der langjährigen Archivarbeit nimmt die Flößerei in Neuses ein. Dieser Berufszweig hat die Dorfgemeinschaft über Jahrhunderte entscheidend geprägt. Dazu zählen aber auch die örtlichen Mühlen, in denen die Wasserkraft der Rodach zum Sägen von Brettern und Balken genutzt wurde. Ein Muss für den Archivar war die Beteiligung an den Aktivitäten des Neuseser Floßvereins. Dazu zählen vor allem die touristischen Floßfahrten auf der Rodach von der Zollschere zum ehemaligen Landesgartenschaugelände.

Unvergessen bleiben zwei Ereignisse in jüngerer Zeit. Die große Mainfloßfahrt am "Tag des offenen Denkmals" im Jahre 2008 mit dem 70 Meter langen und 5,30 Meter breiten "Hallstadter Stück" von Kemmern nach Bischberg. Das "60-Tonnen-Gefährt"- zusammengesetzt aus acht Floßböden - wurde von 30 Flößern aus Wallenfels, Friesen, Unterrodach und Neuses gelenkt. Diese Attraktion habe, so erinnert sich der Neuseser, tausende Zuschauer angelockt. Ein weiterer Höhepunkt sei dann 2011 der Bau einer Floßbrücke über den Altarm des Mains anlässlich der Gartenschau in Kitzingen unter Beteiligung der Frankenwaldflößer gewesen. Für die Durchführung seien immerhin 51 Fichtenstämme benötigt worden.

Neuses, das 1323 im Urbar des Hochstifts Bamberg erstmals erwähnt wurde, kann auf ein aktives Vereinsleben zurückblicken. Mitglied ist Herbert Doppel neben den Flößern und Musikanten auch bei der Feuerwehr, beim SV Neuses, beim Fischereiverein, bei der Soldatenkameradschaft sowie beim Stammtisch "Neusiche Hannla". Viele Jahre stand der Neuseser als Fahnenträger der Soldatenkameradschaft zur Seite. Nach wie vor archiviert und dokumentiert Doppel die dörflichen Aktivitäten. Fasziniert ist er vor allem vom Wandel des einstigen Flößerdorfs zur Industriegemeinde.

Mit der Einweihung des Bahnhofs im Jahre 1896 fand der Beginn einer neuen Zeit für die Dorfgemeinschaft statt.

Die Einwohnerzahl war von 800 im Jahre 1930 auf 1400 im Jahre 1950 gestiegen. Mit dem Bau der Wollspinnerei und Weberei im Jahre 1948/49 neben der Hummendorfer Brücke wurde eine neue Ära eingeleitet. Immerhin konnten 300 neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Dann kamen die Eisengießerei Karl Sperber (1955/56), das Kunststoffwerk Dr. Franz Schneider 1958 und viele andere mehr.

Herbert Doppel: "Heute verbindet man mit dem Namen Neuses automatisch das Bild des malerischen Flößerortes mit Flößerbrunnen, Kirche, Kapelle und Martern, schließlich aber auch mit dem Bild eines vielschichtigen Industriepotenzials."