Am Anfang war da dieser Plan: Die Stadt Marktsteft bringt neues Leben in ihren alten Hafen. Ein Teil der Anlage - etwa 30 Prozent des zur Verfügung stehenden Platzes in einer großen Industriehalle - will der Landkreis nutzen, um eine Umweltstation zu errichten. Ein Prestigeprojekt mit dem Fokus auf Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE).

So weit das Vorhaben, das im Mai 2019 auf den Weg gebracht wurde. Mit viel gutem Willen, einigen Versprechungen und einem klaren Zeitplan: Im Herbst 2021 kann die Umweltstation an den Start gehen. Die Zeit ging ins Land, es kamen Verzögerungen und Corona, es holperte, die Nerven fingen an, blank zu liegen. Marktsteft zog sich mehr und mehr den Unmut vieler Kreisräte. Es gab Fristen, Ultimaten - und nie einen wirklichen Startschuss für das Projekt.

Eine unendliche Geschichte inzwischen. Und so stand das Thema am Montagnachmittag bei der jüngsten Sitzung des Umweltausschusses des Landkreises erneut auf der Tagesordnung. "Umweltstation - aktueller Sachstand" lautete der Tagesordnungspunkt, der es in sich hatte. Ausgeteilt wurde ein schriftlich ausgearbeiteter Vorschlag der Verwaltung, in dem es um einen möglichen Projekt-Stopp ging: Der Landkreis schlägt vor, dass Marktsteft noch einmal genau nachdenken soll, ob der Plan "Alter Hafen" noch realisierbar ist. Oder ob  die Sache nicht jetzt schon kostenmäßig aus dem Ruder zu laufen droht, wobei die Corona-Auswirkungen die finanzielle Situation noch einmal zusätzlich verschärfen könnten.

Nicht auf Biegen und Brechen

Wobei der Landkreis anbietet, sich an den bisher entstandenen Planungskosten zu beteiligen. Das Signal war klar: Die Sache muss nicht auf Biegen und Brechen durchgezogen werden, um am Ende womöglich im "Schwarzbuch der Steuerzahler" zu landen, wie Josef Mend (Freie Wähler) betonte. Allein bei den Kostenschätzungen hatte es zuletzt schon erstaunliche Sprünge gegeben: Von 5,6 Millionen Euro ging es auf gut 7,3 Millionen Euro. 

Damit lag zum einen ein Ausstiegs-Szenario auf dem Tisch. Gleichzeitig aber auch so etwas wie ein Plan B: Wenn Marktsteft an der Erneuerung des Hafengeländes festhält, würde der Landkreis so verfahren: Man wartet ab, siedelt das mögliche Büro für die Umweltstation zunächst in einem leer stehenden Büro in Kitzingen an und steigt erst wieder ein, wenn Marktsteft so weit alles auf den Weg gebracht hat und das Gesamtkonzept umgesetzt wird.

Damit war die Diskussion auch schon eröffnet. Landrätin Tamara Bischof merkte an, der Vorschlag solle Marktsteft signalisieren, dass ein Rückzug kein Beinbruch sei. Es gehe um eine "Handreichung": Jetzt sei der letzte Zeitpunkt, alles noch einmal zu bewerten. Marktsteft stehe vor vielen Pflichtaufgaben - da passe eine Kür womöglich nicht in die Zeit. Durch den Vorschlag sei jetzt erste einmal "der Druck raus".

Vieles schief gegangen

Für die CSU zeigte sich Otto Hünnerkopf "irritiert", dass der Vorschlag aus dem Nichts während der Sitzung kam. Timo Markert und Friedrich Haag als weitere CSU-Redner ließen keinen Zweifel daran, dass man an dem Projekt Umweltstation in Marktsteft unbedingt festhalten wolle.

Dagegen erinnerten SPD und Freie Wähler daran, dass bisher vieles gründlich schief gegangen sei und man sich eine andere Zusammenarbeit mit der Stadt Marktsteft erwartet habe. Es fehle nach wie vor "eine seriöse Finanzplanung", betonte Josef Mend. Und für die SPD wies Robert Finster auf das inzwischen fehlende Vertrauen hin und darauf, dass man schon geraume Zeit die Faxen dicke habe.

Lebhafte Diskussion

Die ebenso ausführliche wie lebhafte Diskussion endete schließlich in zwei Beschlüssen, die jeweils mit 10:3 angenommen wurden: Zum einen regt der Landkreis an, dass die Stadt Marktsteft ihr Projekt am Alten Hafen noch einmal überdenken soll. Werde das Vorhaben gestoppt, beteiligt sich der Landkreis an den bisherigen Planungskosten. Gehe es weiter, müsse der Stadtrat klar sagen, dass Marktsteft alle möglichen ungedeckten Kosten vollständig übernimmt.

Und: Der Landkreis stoppt seine Planungen für die Umweltstation erst einmal so lange, bis Marktsteft mit der Umsetzung seiner Pläne für die 70 Prozent der restlichen Fläche so weit ist. Ob das in zwei oder fünf Jahren ist, spielt erst einmal keine entscheidende Rolle, da der Landkreis als Zwischenlösung erst einmal ein Büro für das BNE-Projekt in der Kitzinger Innenstadt sucht.