Robert Neußner aus Mainbernheim hat kürzlich etwas gestöbert und eine Liebesgeschichte gefunden, die gut zum Valentinstag passt:
Robert Neußner aus
Mainbernheim hat kürzlich etwas gestöbert – und eine Liebesgeschichte gefunden, die gut zum Valentinstag passen könnte. Der pensionierte Gymnasiallehrer, langjährige Stadt- und Kreisrat und Stadthistoriker gab dem Beitrag die Überschrift „Die Liebe ist eine Himmelsmacht“ – in Anlehnung an ein Duett in der Operette „Der Zigeunerbaron“ von Johann Strauß. Überliefert ist die Liebesgeschichte von Willi Mader, einem exzellenten Kenner der Mainbernheimer Geschichte:
Reizvolle und liebenswerte Tochter
„In der Herrnstraße findet sich ein imposantes Bürgerhaus, als Apotheke 1710 von Hempel erbaut, später dann Wohnsitz der angesehenen Familie Naffz, heute im Besitz der Familie Benjamin und Christiane Burkard. Dass die Familie Naffz zu den begüterten Bürgern Mainbernheims zählte, dafür steht auch deren Grablege, nämlich die Gruft im Mittelgang des Alten Friedhofs am Kreuzweg.
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Carl Heinrich Naffz (geboren 1781, gestorben 1869), Handelsmann, Konditor, Rathsverwandter, Heiligenpfleger und Munizipialrat, hatte eine Tochter Elisabeth Katharina (geboren am 22. Oktober 1804) aus erster Ehe mit Margareta Henriette, geborene Hamann. Als „reizvoll“ und „in ihrer Bescheidenheit liebenswerte Tochter“ wird Elisabeth Katharina beschrieben.
Unsterblich in Lehrer verliebt
Dem Vater war daran gelegen, sie standesgemäß – sprich reich – zu verheiraten. Aber die junge Dame war unsterblich in einen armen Dorfschullehrer verliebt. Dorfschullehrer waren damals wahrlich nicht mit weltlichen Gütern gesegnet, denken wir nur an das Lied „Vom armen Dorfschulmeisterlein“.
Eine solche Verbindung bedeutete natürlich für die verliebte junge Frau einen sozialen Abstieg. Der Vater hatte einen ihm genehmen Bräutigam ausgesucht, ohne zu wissen, dass Elisabeth Katharina schon lange ihr Herz an den jungen Lehrer Georg Kapitzky verloren hatte. Als der Vater von dieser Liebschaft erfahren hatte, war er verärgert.
Er versuchte erst einmal mit dem Appell an die Vernunft der Tochter, diese Liaison mit dem „Habenichts“ aufzugeben. Sie blieb standhaft und ließ den Vater wissen, dass sie auch ohne dessen Einwilligung heiraten werde und auf dessen „vieles Geld verzichte“. Er könne sie enterben.
Versetzung des Lehrers veranlasst
Der Vater beabsichtigte nun, die beiden Liebenden durch Einschaltung von Behörden auseinanderzubringen. Bei der Schulbehörde setzte er durch, dass dieser „geringe Mann“ nach Marktsteft versetzt wurde und so aus den Augen der Tochter verschwinde. Aber all seine Bemühungen halfen nichts.
Obwohl der strenge Vater sie „in Zucht hielt“, gab Elisabeth Katharina nicht nach. Eines Nachts stieg sie aus einem Fenster. Nur mit dem, was sie am Leib trug, flüchtete sie. Mit Todesängsten vor Räubern und Geistern huschte sie im Wald zwischen Mainbernheim und Michelfeld von Baum zu Baum. Am Morgen erreichte sie Marktsteft und den geliebten Georg. Der brachte sie bei Bekannten unter.