ÜZ-Strom wird nur minimal teurer

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Paradox: Immer mehr Strom aus erneuerbaren Energieträgern – hier eine Fotovoltaikanlage zwischen Grettstadt und Schwebheim – und auch aus konventioneller Erzeugung macht den ...
Foto: W. Fuchs-Mauder
 

Strom als Ware an der Börse ist im Einkauf billiger geworden. Trotzdem steigt der Strompreis beim regionalen Versorger Unterfränkische Überlandzentrale (ÜZ), wenn auch nur ganz leicht. Was zunächst paradox klingt, erklärt sich beim Blick auf die Strompreisbestandteile 2014 (siehe Grafik). 52 Prozent des Strompreises setzen sich danach aus Steuern und Abgaben zusammen, die der Versorger als fixe Komponenten an den Staat abführen muss.

Strom als Ware an der Börse ist im Einkauf billiger geworden. Trotzdem steigt der Strompreis beim regionalen Versorger Unterfränkische Überlandzentrale (ÜZ), wenn auch nur ganz leicht. Was zunächst paradox klingt, erklärt sich beim Blick auf die Strompreisbestandteile 2014 (siehe Grafik). 52 Prozent des Strompreises setzen sich danach aus Steuern und Abgaben zusammen, die der Versorger als fixe Komponenten an den Staat abführen muss.

Die einzige Schraube, an der der Versorger drehen kann, ist der Beschaffungspreis für den Saft aus der Steckdose. Den Lülsfeldern ist gelungen, den Strom im Jahresdurchschnitt um 0,5 Cent (netto) oder 0,6 Prozent brutto günstiger zu beschaffen. Diesen Vorteil gibt die ÜZ in voller Höhe an ihre rund 55 000 Kunden weiter. Deshalb sinkt der ÜZ-Eintarif in der Kategorie Arbeitspreis von 26,32 auf 25,82 Cent je Kilowattstunde im ÜZ-Eintarif.

Konstante Kosten

Dafür aber steigt der (verbrauchsunabhängige) Grundpreis von 7,94 Euro im Monat auf 10,32 Euro. Das sind 2,38 Euro (28,56 Euro Im Jahr). Grund für diese deutliche Steigerung: Einrichtungen wie Zähler und Netz bringen für den Versorger die konstante Kosten, egal wieviel Strom durchläuft. Weil aber aufgrund der Eigenerzeugung vieler Verbraucher die Strommenge, die durchs Netz und über den Zähler läuft, geringer wird, steigen die Kosten für die Grundausstattung für alle, die ihren Strom noch aus dem ÜZ-Netz der ÜZ beziehen, erklärt Melanie Kaiser-Friedrich. Sie ist bei der ÜZ für den Stromeinkauf mitverantwortlich.

Diese Komponente ist übrigens auch der Grund, warum beispielsweise die Stadtwerke Schweinfurt ihren Stromtarif ebenfalls leicht um 0,62 Cent pro Kilowattstunde beim Arbeitspreis senken, beim Grundpreis aber im Gegensatz zur ÜZ unverändert bleiben können. Grund: Zum einen haben die Schweinfurter ein viel kleineres Netz zu pflegen, zum andern gibt es in einer größeren Stadt mit vielen Mietwohnungen viel weniger Eigenerzeuger als auf dem Land, so dass die alten Relationen noch eher stimmen.

Überangebot an Strom

Die unter dem Strich entstehende Preiserhöhung bei der ÜZ ist aber vor allem auf die wiederum um fast einen Cent auf 6,24 Cent pro Kilowattstunde gestiegene Erneuerbare Energien-Umlage (EEG) zurückzuführen. Durch den Erfolg der Erneuerbaren Energien wird der Großhandelspreis für Strom wie erwähnt immer billiger. Gleichzeitig versuchen die großen Energiekonzerne jedoch, ihre alten Kraftwerke so lange wie möglich weiterlaufen zu lassen. Als Folge gibt es ein Überangebot an Strom, das die Preise an der Strombörse sinken lässt. Dadurch steigt die Differenz zwischen Börsenstrompreis und dem festgelegten Abnahmepreis für Erneuerbare Energien. Diese immer größer werdende Differenz soll durch die EEG-Umlage ausgeglichen werden. Die Konsequenz: Die Umlage steigt kontinuierlich an. Wie die anderen Abgaben erscheint sie im Arbeitspreis.

Beispiele: Für die Standardfamilie mit zwei Kindern, die 4000 Kilowattstunden Strom im Jahr verbraucht, wird die Stromrechnung 2014 im Vergleich zu 2013 ganze 8,16 Euro teurer. Die Arbeitspreis-Veränderung beträgt aufgrund der Veränderung bei Steuern und Netzentgelt 3,60 Euro, die Grundpreis-Steigerung 28,56 Euro. Davon die 24 Euro Energiepreissenkung von 0,6 Euro pro Kilowattstunde abgezogen, ergibt sich der Betrag von 8,16 Euro. Für die elfmal im Jahr fällige Abschlagszahlung bedeutet das eine Steigerung von 0,74 Euro im Monat.

Wer der ÜZ 10 000 Kilowattstunden im Jahr abnimmt, spart sogar 22,44 Euro auf der Jahresrechnung. Noch genauer: Wer mehr als 5720 Kilowattstunden bezieht, bekommt seinen Strom 2014 billiger als 2013, sagt Robert Ruppenstein, der Leiter der Abteilung Vertrieb und Beschaffung.

Diese relaticv moderaten Zahlen veranlassen die ÜZ ihr neues Tarifgefüge mit „ÜZ-Strompreisbremse“ zu überschreiben. Laut dem Internet-Portal verifox sollen die Strompreise bundesweit 2014 durchschnittlich um sieben Prozent steigen. Die ÜZ liegt deutlich unter diesem Satz.

Auch im Vergleich zu benachbarten Versorgern schneidet die ÜZ gut ab. Die vierköpfige Familie mit 4000 Kilowattstunden Stromverbrauch zahlt 2013 bei der ÜZ für ihren Strom 1089 Euro, bei den Stadtwerken Schweinfurt sind es 1147, bei E.ON 1220, beim Überlandwerk Rhön 1167, bei N-ergie (Nürnberg) 1115 und beim WVV (Würzburg) 1172 Euro. Einige überregionale Anbieter freilich sind günstiger: Vattenfall 1024 Euro, stromio 998 oder E wie einfach mit 999 Euro. Die ganz billigen wie Flexstrom (805) Euro oder Energy2day (927 Euro) haben entweder Insolvenz angemeldet oder während des Jahres eine Preisanpassung um 175 Euro gemacht.