Anfang des Jahres hatte Prichsenstadts Bürgermeister René Schlehr für einen Paukenschlag gesorgt: Er trat sowohl als Ortsvorsitzender der CSU zurück und gleichzeitig aus der Partei aus. Seine Begründung: Zum einen war er mit der Landespolitik nicht mehr einverstanden, zum anderen fehlte ihm der Rückhalt im Ortsverband. Teilweise sei, so Schlehr, sogar gegen ihn und die Verwaltung gearbeitet worden.

In der Jahreshauptversammlung (JHV) am Donnerstagabend wählten die 14 anwesenden Mitglieder des CSU-Ortsverbandes (von 57) den bisherigen Kassierer Fabian Uhl einstimmig zum neuen Ortsvorsitzenden. Zweiter Vorsitzender ist jetzt Michael Eckhof (einstimmig), die Schriftführung übernimmt mit einer Enthaltung Alfons Saugel (ehemals zweiter Vorsitzender). Neben Eckhof ist auch Prichsenstadts ehemaliger Bürgermeister Adolf Falkenstein Mitglied des Vorstandes, er ist bei einer Enthaltung der neue Kassierer. Bis auf Falkenstein sitzen die drei Vorstandsmitglieder für die CSU auch im Stadtrat.

Geräuschlose Hauptversammlung

Die Versammlung im Weingut Wagner verlief recht geräuschlos. Saugel ließ die vergangenen zwei Jahre Revue passieren, und das war schnell erledigt. Wegen der Corona-Pandemie hatten zahlreiche Versammlungen und Treffen schlichtweg ausfallen müssen, die turnusgemäße JHV mit Neuwahlen musste 2021 ausfallen und wurde nun nachgeholt. Daher ist der neue Vorstand auch nur ein statt zwei Jahre im Amt, nächstes Jahr wird erneut gewählt.

Schwerpunkt von Saugels Rückblick war der Austritt von Schlehr aus der Partei. Nach wie vor sei dieser Rücktritt für alle überraschend gewesen, so Saugel. Dass ein Politiker mit der Landespolitik nicht einverstanden sei, sei seine Sache. Die Politik im Ortsverband beschrieb Saugel mit "eigentlich harmonisch". Natürlich dürfe man auch mal anderer Meinung sein, und es gäbe im Stadtrat auch keinen Fraktionszwang. Aber von einer "Rechtsbeugung", wie es Schlehr in seiner damaligen Begründung angegeben habe, könne man nicht reden.

Hinsichtlich der Baugebiete in Prichsenstadt stellte Saugel fest, dass es potentielle Bauwerber eher nach Prichsenstadt denn in die Ortsteile ziehen würde. "Da sind wir auch gut aufgestellt mit den Ärzten und der Schule."

Dank an frühere Stadträte

Letztlich sprach Saugel auch dem (nicht anwesenden) ehemaligen Vorsitzenden und Schriftführer Harald Eger seinen Dank aus. "Er war 24 Jahre im Rat gesessen, eine tolle Leistung", sagte er. Der (anwesenden) Ursula Reiche sprach Saugel für zwölf Jahre als Stadträtin seinen Dank aus: "Sie war immer die bestinformierte Rätin gewesen."

Gern hätten sich die Mitglieder, wie in der Vergangenheit, beim Spargelessen getroffen. Das könne man bald nachholen, versprach Saugel. "Corona hat seinen Schrecken verloren, wir können endlich wieder raus", schloss er seinen Rückblick. Recht kurz war auch der Bericht von Kassier Fabian Uhl und der Interims-Schriftführerin Hella Hofmann (Harald Eger hatte sein Amt vor dem Versammlungstermin niedergelegt) – Corona hatte nunmal so gut wie alles lahmgelegt.