Die Projektarbeit im Förderverein ehemalige Synagoge wurde im Corona-Jahr 2020 unermüdlich vorangetrieben, wie die alte und neue Vorstandsvorsitzende Margret Löther anlässlich der Jahresversammlung in ihrem Bericht schilderte. Mussten auch einige öffentliche Veranstaltungen verschoben oder modifiziert werden, gelang es doch, die Gedenktage 27. Januar und 9. November 2020 mit einem Konzert und einer Beleuchtungsaktion der deutschen Gedenkstätten bzw. einem Lichterspaziergang vom Deportationsdenkmal am Rosengarten zum Landwehrplatz regelkonform zu würdigen.

Der Jüdische Friedhof Rödelsee wurde an mehreren Sonntagen, dem Tag des offenen Denkmals und dem traditionellen Friedhofspflegetag für Einzelbesucher offen gehalten, ebenso Büro, Archiv und Bibliothek immer nach Anmeldung. Viel Anklang fand die Ausstellung „Der Spurenfinder – Michael Schneeberger und das jüdische Erbe in Bayern“, die am europäischen Tag der jüdischen Kultur im September eröffnet werden konnte.

Großen Raum nahmen die Planungen, Arbeitsgespräche und Mittelanforderungen für das Dauervorhaben Netz Jüdischer Friedhof Rödelsee ein, in dem zwölf bis 15 Landkreisgemeinden, aus denen früher auf den Rabbinatsfriedhof beerdigt wurde, ihre jüdische Geschichte neu kommunizieren können. Vor allem mit Mitteln aus dem europäischen Förderprogramm "Leader" und dem einmaligen großzügigen Fonds aus dem jüdischen Jubiläumsjahr „321 – 2021: 1700 Jahre Judentum im deutschsprachigen Raum“ sollen unter anderem eine eigene Homepage, ein virtueller Rundgang über den Friedhof und Infopunkte in den Ortschaften geschaffen werden.

Erstmalig in der Vereinsgeschichte unterstützte ein Praktikant die Vereinsführung. Adrian Döhring, der mittlerweile mit einer Promotion an der Uni Würzburg begonnen hat, setzte sich neben praktischen Einsätzen vor allem für die Digitalisierung der Archivalien ein.

Die Kassenprüfer Frieda Neußner und Peter Hess bestätigten Kassier Romuald Kutschera eine einwandfreie Kassenführung, sodass die Wahlleiter Richard Scharnagel und Karl Wolf die Entlastung des bisherigen Vorstands und Dank in Vertretung der Mitglieder für die geleistete Arbeit aussprechen konnten.

Vor den Neuwahlen bedankte sich die Vorsitzende bei allen Aktiven, vor allem bei der scheidenden langjährigen stellvertretenden Vorsitzenden Doris Frank und der Beirätin Gerlinde Wagner. Hervorgehoben wurde deren Kompetenz und Engagement, die beide dem Förderverein auch weiterhin in anderer Funktion zur Verfügung stehen werden.

Bei den schriftlichen Neuwahlen wurden sämtliche Positionen einstimmig bestätigt und vergeben: Margret Löther, 1. Vorsitzende; Irma Karl, stellvertretende Vorsitzende; Romuald Kutschera, Kassier; Werner Kappelmann, Schriftführung; Frieda Neußner, Kassenprüferin; Peter Hess, Kassenprüfer; Claudia Dündar-Meier, Doris Frank, Margrit Endreß, Claudia Gonschorek, Ellen Klaus, Marita Schwab (Beirätinnen), Jesko Graf zu Dohna (Beirat). Die Vorsitzende hob die Freiwilligkeit der ehrenamtlichen Tätigkeit hervor, bei der die Einzelnen nach ihren zeitlichen Möglichkeiten, aus unterschiedlichen beruflichen Positionen und Lebensphasen heraus und vor allem mit individuellen Stärken und Qualifikationen die Ziele des Vereins verfolgen können.

Für die anwesenden Mitglieder und die am Netzwerk beteiligten Gemeinden sprach Bürgermeister Burkard Klein, Rödelsee, dem vorherigen und dem neuen Vorstand seinen Dank für das Engagement aus. Er betonte vor allem die bisherige stets förderliche Kooperation zwischen Verein und Marktgemeinde und die besondere Verbundenheit durch den jüdischen Friedhof. Dass gerade der Aufbau des Netzwerks und die Umgestaltung des Friedhofsvorplatzes zu einem strukturierten Ort der Wahrnehmung und Information nicht nur Geld, Energie, Idealismus und Zeit abverlangen, durfte von ihm an dieser Stelle unbedingt erwähnt werden, ist ihm dieser außergewöhnliche Ort auf dem Grund seiner Gemeinde offensichtlich eine Herzensangelegenheit.

Bürgermeister Klein würdigte auch den jahrelangen Einsatz von Maja Schmidt vom Regionalmanagement/LAG Z.I.E.L. e.V. am Landratsamt Kitzingen, die mit immer konstruktiven Vorschlägen den Aufbau und die Finanzierung des Netzwerks in Gang hält und zwischen Ehrenamtlichen, Behörden und Gemeindevertretungen vermittelt.

Neben der laufenden Ausstellung „Jüdische Portraits. Fotografien von Herlinde Koelbl“ hoffen die Verantwortlichen, das öffentliche Veranstaltungsprogramm mit einem Konzert des Jewish Chamber Orchestra Munich“ am 22. September um 19.30 Uhr und dem Friedhofspflegetag am 1. Oktober, stets unter Einhaltung der Pandemieregeln, fortsetzen zu können. Weitere freiwillige Helfer und Helferinnen, gern auch Schulklassen, dürfen sich ab 9 Uhr der Arbeitsgruppe anschließen.