Das Rind ist die wichtigste Einkommensquelle für die deutsche Landwirtschaft: 12,6 Millionen Milchkühe, Mastrinder, Zuchttiere, Mutterkühe oder Kälbchen stehen momentan in den Ställen und auf der Weide von Berchtesgaden bis Flensburg. Im Kreis Kitzingen geht die Rinderhaltung jedoch zurück: aktuell werden 16 877 Tiere gehalten, 1522 weniger als noch vier Jahre zuvor.

Sie liefern täglich ihre Milch an die Molkerei, haben aber keinen Einfluss auf den Preis – die Milchviehhalter stehen schon seit langem unter Druck. Mit dem Wegfall der Milchquote im Frühjahr 2015 darf nun jeder so viel Milch produzieren, wie er will. Agrarökonomen sehen damit ein „echtes Entwicklungshindernis“' als beseitigt. Die Quote hätte nur dazu gedient, die kleineren Betriebe am Leben zu halten und das Durchsetzen der Großbetriebe zu verhindern.

Milchmarkt gesättigt

Um am Weltmarkt eine Chance zu haben, schaffte die EU-Kommission die Quote ab, die 30 Jahre lang den Angebotsmarkt regulierte. Doch momentan ist der Milchmarkt gesättigt, der Milchpreis niedrig und die Kosten für Strom, Futter, Landmaschinen und Arbeitskräfte steigen. Gleichzeitig gibt es aber kaum Optimierungspotenzial. Viele sehen dies als Grab für die kleinbäuerlichen Strukturen.

Und wie hat sich unter den Wettbewerbsbedingungen der Tierbestand im Landkreis verändert? Momentan gibt es im Kreis Kitzingen 5557 Milchkühe (Stichtag: 3. November 2015), und damit 608 weniger als im Jahr 2011. Deutschlandweit stehen 4,3 Millionen Milchkühe in den Ställen, rund 94 500 oder 2,3 Prozent mehr als vier Jahre zuvor. Welche gewichtige Rolle die Milcherzeugung spielt, verdeutlicht ein Blick auf die Erlöse: Im Jahr 2012 beliefen sich die Verkaufserlöse für Milch bundesweit auf knapp zehn Milliarden Euro, für Rinder und Kälber auf nur vier Milliarden Euro. In der Schweinehaltung wurden etwa 7,6 Milliarden Euro erlöst und mit der Erzeugung von Eiern und Geflügel rund 2,5 Milliarden Euro (Quelle: Statistisches Bundesamt, Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft).

Größeren Haltungen mit rationalisierter Produktionstechnik wird zukünftig der größte Erfolg zugeschrieben. Die Milchleistung der Kühe, die sich in den vergangenen Jahrzehnten deutlich erhöhte, ist dabei nahezu ausgereizt: eine weitere Steigerung macht die Tiere frühzeitig krank und sie fallen als Milchquelle aus. Die Turbo-Kühe produzieren im Schnitt aber immer noch 8000 bis 9000 Kilogramm pro Kuh und Jahr. Kleinbäuerliche Strukturen hingegen prägen nicht nur die Kulturlandschaften Bayerns, sie haben zugleich einen enormen Werbe-Effekt für die gesamte Milcherzeugung: Die Chinesen ordern gerne Milchprodukte von „glücklichen Kühen“ aus Deutschland.

Züchter, Milchviehhalter, Masttierhalter – in der Rinderhaltung gibt's viele Vermarktungszweige. Einige Landwirte fahren eingleisig, andere versuchen sich am Nebeneinander von Milcherzeugung und Fleischproduktion. Im Kreis Kitzingen standen zuletzt 5557 Milchkühe in den Ställen. Sie machen damit momentan rund 32,9 Prozent des gesamten Rinderbestands aus. Deutschlandweit liegt dieser Anteil im Schnitt bei knapp 34 Prozent.