50 Euro pro Monat sparen für die Rente: "Natürlich können wir das", findet Kanzler Merz

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Gegenüber inFranken.de sieht der Sozialverband die Merz-Aussage kritisch und stellt seine Sicht auf den Umfang der gesetzlichen Rentenversicherung in Frage.

Einfach mal 50 Euro pro Monat sparen für die eigene Rente. Etwas für die private Altersvorsorge unternehmen. Geht es nach Bundeskanzler Friedrich Merz sollte das doch kein Problem sein. Beim Wahlkampfabschluss der baden-württembergischen CDU in Ravensburg hatte er laut der Deutschen Presse-Agentur (dpa) vor allem junge Menschen aufgefordert, sie sollen doch  frühzeitig etwas ansparen.

Merz: "Wir müssen dafür sorgen, dass die Menschen früh genug beginnen, für ihr Alter auch zu sparen. Und dann sag bitte niemand: Das könnten wir ja nicht. Natürlich können wir das." 

Merz sieht wichtigsten Punkt bei der eigenverantwortlichen Altersvorsorge

Für den Bundeskanzler dreht sich beim Thema Rente immer viel zu viel um die Haltelinie oder eben die Rentengarantie. Merz: "Wir diskutieren hier über 48-Prozent-Haltelinie, bis 2031 oder bis 2032, oder für immer oder für nie." Für ihn ist etwas anderes viel entscheidender.

Man müsse "nur mit kleinen Beträgen früh genug anfangen und darf es nie unterbrechen" Und Merz hat laut dpa-Bericht eine ganz konkrete Vorstellung dazu. Merz: "Und wenn Sie mit 50 Euro im Monat anfangen, dann haben Sie eine sechsstellige Altersversorgung, wenn Sie dann mit 65, 68 in den Ruhestand gehen."

Im Koalitionsvertrag habe man mit der SPD bereits vereinbart, dass man nicht mehr allein auf die gesetzliche Rentenversicherung schaue, sondern auch auf die kapitalgedeckte betriebliche und kapitalgedeckte private Altersversorgung. Merz hatte auch bereits im Oktober 2025 in einer TV-Sendung bei der ARD darauf verwiesen, dass man den Menschen mehr "abverlangen" müsse

Sozialverband sieht Merz-Aussage durchaus kritisch

Beim Sozialverband VdK hat man durchaus einen kritischen Blick auf die Aussagen von Bundeskanzler Merz. Auf Nachfrage von inFranken.de hat sich VdK-Präsidentin Verena Bentele dazu geäußert: "50 Euro im Monat zu sparen, ist grundsätzlich sinnvoll, solange man es sich leisten kann. Dass der Bundeskanzler ein privates Sparkonto aber als Alternative zur gesetzlichen Rente darstellt, wirft für mich die Frage auf, ob Friedrich Merz den Umfang der gesetzlichen Rentenversicherung ausreichend im Blick hat."

Für Bentele ist private Altersvorsorge mehr, als "einfach ein Geldbetrag, den man im Alter aufbraucht". Sondern die gesetzliche Rentenversicherung sichert in ihrem Umfang "Monat für Monat den Lebensunterhalt von rund 21 Millionen Menschen, zahlt Erwerbsminderungsrenten und ermöglicht Rehabilitationsmaßnahmen".

Bentele: "Sie regelt bei Scheidungen den Versorgungsausgleich und sichert Witwen und Witwern den Lebensunterhalt. Zudem wird die gesetzliche Rente jährlich an die Lohnentwicklung angepasst und schützt so vor einem vollständigen Inflationsverlust. Sie wird Monat für Monat lebenslang gezahlt, unabhängig davon, ob jemand 80 oder 100 Jahre alt wird."

CDU-Politiker sieht es anders: Nachhaltigkeitsfaktor ist der größte Hebel

Gerade aber auch die Haltelinie, die Merz ins Spiel gebracht hatte, bleibt für andere in seiner Fraktion durchaus ein wichtiger und richtungsweisender Punkt. 

Zuletzt hatte sich erneut  Johannes Winkel, Vorsitzender der Jungen Union, mit klaren Worten dazu geäußert. Zu der Haltelinie gehört auch immer der Nachhaltigkeitsfaktor. Und der ist für Winkel der große Hebel um Milliarden Euro zu sparen, wie er gegenüber der Neuen Osnabrücker Zeitung erklärte: "Man könnte allein mit dem Nachhaltigkeitsfaktor und klaren Prioritäten Dutzende Milliarden im Jahr sparen für Sozialleistungen, die teilweise keiner braucht und die Leute teilweise gar nicht wollen."

Vorschaubild: © Boris Roessler/dpa