Seit 25 Jahren arbeitet Ludwig Weiskopf im Knauf-Museum Iphofen. Kein Wunder, dass die Frage „Kann uns Herr Weiskopf führen?“ ziemlich oft gestellt wird. Jetzt gibt es mit dem Mann eine Führung der besonderen Art.

Im April 1992 fing Ludwig Weiskopf am Empfang im Knauf-Museum an. Als ihn seine ehemalige Abteilungsleiterin dort entdeckte, hat sie ihn gebeten, sie und ihre Gruppe zu führen. Das war Mitte 1992. „Das hat mir Spaß gemacht und es macht weiterhin Spaß“, bekennt der 69-Jährige. Weiskopf kennt in der Dauerausstellung alle Objekte. Und deren Besonderheiten, die beim „normalen“ Betrachten nicht auffallen, die auch nicht im Katalog stehen. Von solchen erzählt er mit viel Humor. Da ist zum Beispiel das ägyptische Grabrelief des Chaemhat um 1380 vor Christus. Auffallend ist der Halsschmuck und die zweigeteilte Perücke, die die Ohren freilässt. „Er hat aber eine rechte Hand am linken Arm“, macht Weiskopf aufmerksam.

Zuneigung wird gezeigt

Und eine kleine Hand ist es auch, die der dienstälteste Mitarbeiter des Museums auf der Stele des Bildhauers Bak um 1350 vor Christus entdeckt hat. Die Hand gehört Baks Frau, mit der diese zart seine Schulter berührt. „Hier wird das erste Mal Zuneigung gezeigt“, weiß Weiskopf.

Viel hat Weiskopf in den 25 Jahren erlebt. Da war zum Beispiel die ältere Dame, die ihn, nachdem sie schon einige Zeit im Museum verbracht hatte, fragte, wo denn die Briefe seien, die hier zu sehen sein sollen. Wie sich auf Weiskopfs Nachfrage dann herausstellte, hatte die Dame „Briefe-“ statt Reliefsammlung gelesen. Oder der Schüler, der bei der Ausstellung „Schätze aus dem Land der Beduinen“ die Führung störte, bis ihn Weiskopf ermunterte, einmal im aufgebauten Basar von einem Gewürz zu probieren. Er probierte schärfsten Chili. „Danach war er ruhig“, erinnert er sich lachend.

Hilfe beim Auf- und Abbau

Auch beim Auf- und Abbau von Ausstellungen half und hilft Weiskopf mit. Die interessanteste für ihn sei die Maja-Ausstellung gewesen. Natürlich weiß er auch da eine Geschichte. Denn die Gäste zur Eröffnung seien schon im Innenhof gewesen, als „wir oben noch dekoriert und die letzten Stücke in die Vitrinen gestellt haben“.

25 Objekte, eines für jedes seiner Dienstjahre, sind jetzt anlässlich seines Jubiläums in einer interaktiven Führung für das Smartphone zusammengestellt. Damit bedankt sich die Museumsleitung bei Ludwig Weiskopf und lädt Besucher ein, am Jubiläum teilzunehmen.

Dabei wurden laut Museumsleiter Markus Mergenthaler zunächst kleine Filmsequenzen, bei denen Ludwig Weiskopf als Museumsführer im Mittelpunkt steht, erstellt. Im Filmschnitt wurden Details von Objekten aus der Dauerausstellung des Museums zu den Wortlauten des Museumsführers eingesetzt und schließlich entstanden 25 Einzelerläuterungen von maximal 1,5 Minuten.

Mit QR-Codes

Es ist nun möglich, durch das Scannen von QR-Codes die witzigen und zugleich sehr lehrreichen Führungen des Museumsmitarbeiters anzusehen. Die Codes befinden sich vor dem Objekt auf dem Boden. Ludwig Weiskopf ist dadurch auf dem Smartphone ein ganz persönlicher Museumsführer und zeigt den Anwender seine Lieblingsreliefs im Knauf-Museum.