Lediglich die Ratsgremien der Gemeinden Albertshofen, Buchbrunn, Biebelried, Castell, Dettelbach, Mainstockheim, Marktsteft, Rödelsee, Rüdenhausen und Sulzfeld haben sich dafür entschieden, freiwillig einen Euro pro Einwohner ans Tierheim zu überweisen. „Und Rödelsee will darüber hinaus auch noch eine Benefizaktion fürs Tierheim starten“, ist Iris von Crailsheim dankbar. Alle anderen Kommunen aber wollen weniger Kosten übernehmen, manche nur 20 Cent pro Einwohner.
Ein Tierheim ist ein Dienstleister
„Mich nervt es total, dass diese Gemeinden uns als Bittsteller sehen“, sagt Angela Drabant. „Wir sind schließlich deren Dienstleister. Und wir opfern alle viel Freizeit für die Tiere, weil es gar nicht anders geht.“ Iris von Crailsheim bestätigt das: „Unser Team besteht aus Idealisten.“ Drabant selbst hat eine Zweidrittel-Stelle, eine Kollegin ebenso, allerdings hat sie seit Herbst Beschäftigungsverbot, weil sie schwanger ist. Ansonsten gibt es noch einen Mitarbeiter mit einer halben Stelle und zwei Aushilfen fürs Wochenende.
Den oft gehörten Vorwurf, Geld für die Rettung von Hunden aus dem Ausland, etwa aus Tötungsstationen, zu „verschwenden“, wehrt Iris von Crailsheim ab: „Wir trennen ganz strikt zwischen geretteten Tieren und Fundtieren – nur für Letztere kommen die Gemeinden auf. Kein Bürger zahlt also die Rettung eines Tieres aus dem Ausland mit!“
„Obwohl Tierschutz ja nicht an Landesgrenzen Halt macht“, wendet Angela Drabant ein. Sie wünscht sich generell mehr Solidarität, auch innerhalb des Landkreises. „Mal hat die eine Gemeinde mehr Fundtiere, mal die andere. Über Jahre gesehen, gleicht sich das aus.“ Im Schnitt landen pro Jahr 170 Fundtiere aus dem ganzen Landkreis im Tierheim Kitzingen. Jüngster Neuzugang ist eine kleine Yorkshire-Terrier-Hündin, die Anfang der Woche im Wald zwischen Michelfeld und Mainbernheim in einem Karton gefunden wurde. Seit vergangenem Jahr teilen Drabant und ihr Team es den betreffenden Gemeinden mit, sobald ein Fundtier aus ihrem Bereich abgegeben wurde. Die langjährige Tierheimleiterin betont: „Die frühere Fundtierpauschale von 20 Cent hat fast nie ausgereicht, um alle Fundtiere auch wirklich zu versorgen. Die ungedeckten Kosten haben wir aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden gezahlt.“ Um das Tierheim langfristig betreiben zu können, seien 70 Cent pro Jahr und Landkreisbürger das Beitragsminimum der Kommunen.
Deshalb, so Drabant, werden alle Gemeinden die Kündigung erhalten, die diese 70 Cent nicht zahlen. Mit „Kündigung“ meint die Tierheimleiterin, dass das Tierheim dann zwar die Fundtiere dieser Gemeinden aufnehmen würde, „aber nur gegen Erstattung sämtlicher Kosten, die für das entsprechende Tier anfallen“.
Das werde für die Kommunen, die gesetzlich zur Aufnahme von Fundtieren verpflichtet sind, auf jeden Fall teu(r)er: „Sie brauchen dann fachkundiges Personal, das sich Tag und Nacht und auch am Wochenende um Fundtiere kümmert, sie zum Tierarzt bringt und so weiter. Und sie benötigen Räumlichkeiten für die Fundtiere, inklusive Hygiene- und Quarantänestation.“ Und was täte das Tierheim-Team dann? „Wir können auch Tierschutz ohne Tierheim betreiben“, stellt Drabant fest. „Wir müssen nicht die Aufgaben der Stadt und der Kreisgemeinden übernehmen.“ Konkreter wird sie derzeit nicht. Aber sie lässt auch keinen Zweifel daran, dass die derzeitige Situation nicht nur unbefriedigend ist, sondern auch nicht mehr länger tragbar. Die tägliche Arbeit in dem baufälligen Haus soll zeitnah ein Ende haben.
Ein Heim für Tiere: die Kitzinger Geschichte
Beginn: Im Juli 1988 begannen an der Straße Richtung Kaltensondheim die Arbeiten für den Bau eines Kitzinger Tierheims unter der Trägerschaft des 1937 gegründeten Tierschutzvereins Kitzingen und Umgebung. 1989 wurde der einstöckige Bau fertiggestellt. „Ich erinnere mich noch gut daran, wie der damalige Oberbürgermeister Schardt den Hang hat abtragen lassen, um das Tierheim bauen zu können. Wir sollten und wollten eine Auffangstation für verwaiste Tiere aus dem ganzen Landkreis werden“, blickt Tierheim-Leiterin Angela Drabant zurück.
Baufälligkeit: Anfang 2017 zeigten sich Risse an den Wänden und Decken des Tierheims. Das Bergamt stellte fest, dass unterirdische Bergbaugruben dafür verantwortlich sind. Ein neues Domizil muss her. Es soll etwa einen Hektar groß, möglichst weitgehend erschlossen sowie weit genug von einer Bebauung entfernt sein – wegen möglicher Lärmbelästigung durch Hundegebell – und ländlich genug zum Gassigehen. „Wir sind für jedes Angebot dankbar und bitten Gemeinden und Privatpersonen dringend um Angebote oder Hinweise.“ Gesucht wird auch ein Sponsor, eine Firma oder Person, deren Name das neue Tierheim tragen könnte.
Infos: www.tierheim-kitzingen.de