Marco Maiberger ist begeistert. „Wir haben einen großen Sprung nach vorne gemacht“, sagt der Leiter der Tourist-Information in Volkach. Schon im letzten Jahr lagen die Übernachtungszahlen über dem Durchschnitt. „Und der Trend geht weiter nach oben.“

Die Zahlen aus dem Landesamt für Statistik untermauern Maibergers Aussage. Insgesamt 86 771 Übernachtungen meldeten die Beherbergungsbetriebe im Landkreis Kitzingen im ersten Quartal 2016. Das sind 13 475 Übernachtungen mehr als in den drei Anfangsmonaten des Vorjahres. Und das spült Geld in die Kassen. Die Statistiker gehen von durchschnittlich 70 Euro pro Übernachtung aus. Damit konnte bisher rundgerechnet 943 000 Euro mehr Umsatz erzielt werden.

„Unsere Gäste wollen ein Wohlfühlprogramm.“

Marco Maiberger

Touristinformation Volkach

An der Mainschleife boomt der Tourismus. Ob Wohnmobilstellplätze, Campingplätze oder Hotels und Pensionen: Gerade in den klassischen Kurzurlaubszeiten wie zur Weinlese oder über Feiertage wie Christi Himmelfahrt strömen die Gäste ins Frankenland. „An Christi Himmelfahrt war hier kein Bett mehr zu bekommen“, sagt Maiberger. Und das will etwas heißen, bei rund 1200 Gästebetten entlang der Mainschleife. Wer zur Weinlese nach Volkach, Sommerach oder Nordheim kommen will, der sollte seine Wunschunterkunft schon im Frühjahr buchen. „Sonst können wir nur noch Klappbetten anbieten.“

In Iphofen, Dettelbach und Kitzingen schaut es ähnlich positiv aus. „Die Zahlen steigen stetig“, informiert Claudia Bellanti von der Tourist-Info (TI) in Iphofen. Im letzten Jahr konnte erstmals die 50 000-Grenze bei den Übernachtungszahlen geknackt werden. Gerade zu besonderen Ereignissen wie der „Letzten Fuhre“ oder an „Brückentagen“ ist die Nachfrage größer als das Angebot. Dank großer Unternehmen vor Ort übernachten auch viele Geschäftskunden in Iphofen. Die Verweildauer liegt bei durchschnittlich 1,9 Tagen.

Ähnlich lange bleiben die Gäste in Dettelbach. „Wir verzeichnen in den letzten drei Jahren einen steigenden Trend“, bestätigt Franziska Lichtenauer aus der dortigen TI. Viele Fahrradfahrer sind dabei, aber auch Wohnmobilisten aus dem In- und Ausland. Die Zahl der Stellplätze am Main soll deshalb um 20 erhöht werden. Bislang finden 35 Wohnmobile in Dettelbach einen Stellplatz.

Die meisten Gäste kommen nach wie vor aus dem Inland in den Landkreis Kitzingen. Fast 45 000 waren es im ersten Quartal 2016. Sie buchten annähernd 72 500 Übernachtungen. Aus dem Ausland kamen fast 11 000 Gäste angereist, die rund 14 000 Übernachtungen buchten. Die Auslandsübernachtungen steuerten damit rund 16 Prozent des Umsatzes bei. In Volkach begrüßten Maiberger und sein Team Gäste aus Holland, Skandinavien, selbst aus China. „Der Auslandsmarkt wächst“, sagt er. „Aber längst nicht so wie der Inlandsmarkt.“ Die globalen Krisen, die Anschläge in beliebten Urlaubsregionen wie Ägypten oder Türkei tragen ihren Teil dazu bei, dass Destinationen im Inland noch attraktiver werden. Gerade für die Generation 50 plus. Deren Wünsche haben sich allerdings radikal verändert.

Ob Tagestouristen oder Urlauber: Die Gäste reisen individueller. Die Zeiten der Busreisen sind nicht ganz vorbei, aber Maiberger hat in den zehn Jahren seiner „Amtszeit“ eine deutliche Änderung bemerkt. „Es wird kleingliedriger und anspruchsvoller“, sagt er. Familienverbünde, Freunde, die zusammen einen längeren Ausflug planen, Vereine und Verbände: Diese Klientel schlägt immer wieder in der Tourist-Info auf. Und hat klare Wünsche: Einen Stadtplan in die Hand drücken und ein paar Tipps für einen Rundgang geben? Diese Zeiten sind definitiv vorbei. „Unsere Gäste wollen ein Wohlfühlprogramm“, weiß der TI-Leiter.

Mit seinen neun Mitarbeitern ist er deshalb beinahe rund um die Uhr für die Gäste da. Gerade an den Wochenenden wird die Tourist-Information belagert.

Das ist einerseits erfreulich, andererseits erhöht sich so auch der Druck. Gerade auf die größeren Häuser kommt laut Maiberger eine große Herausforderung zu: Sie müssen auch in den schwächeren Monaten eine gute Auslastung hinbekommen. Entscheidend seien deshalb innovative Ideen und eine verlässliche Qualität. „Die Bedürfnisse der Gäste werden weiter steigen“, pflichtet ihm Franziska Lichtenauer bei. Informationen zeitnah übers Tablet und Smartphone abrufen zu können, ist nur eine von vielen modernen Herausforderungen. „Wir sollten deshalb nie zufrieden sein.“

Claudia Bellanti freut sich deshalb, dass der Landkreis Kitzingen in den letzten Jahren neue Angebote wie die Traumrunden ins Leben gerufen hat, die den gesamten Landkreis Kitzingen im Fokus haben. „Es ist für uns alle hilfreich, wenn wir ein deutliches Signal aussenden: „Wir sind eine Urlaubsregion.“