Schnell hat sich ein Kreis gebildet. Auf dem Teppich liegen verschiedene Bücher, daneben Teddys, Spielzeugpferde und Kerzenhalter. Symbole für die Inhalte der jeweiligen Bücher. Margret Löther begrüßt die jungen Gäste in der Alten Synagoge. Dessen Förderverein beteiligt sich zum ersten Mal am großen Vorlesetag in Kitzingen.

Die St. Hedwig-Schule hat den Tag vor etwa zehn Jahren ins Leben gerufen. Barbara Lehnert war Vorleserin der ersten Stunde, ihre Kinder gingen einst in die St.-Hedwig-Schule. Seither engagiert sie sich für die Aktion, organisiert in Zusammenarbeit mit Lehrerin Michaela Pfeuffer den Ablauf und spricht mögliche Vorleser an. Dabei kann sie auf treue Engagierte setzen. Gabriele Brunsch hat auch am letzten Freitag wieder in ihrem Papiertheater vorgelesen, Karin Böhm in der Schule, Walter Vierrether im Rathauskeller. In die Schule kamen unter anderem Weinprinzessin Ina Borawski und Gärtnerkönigin Celin Lang. Zum ersten Mal war mit Bernd Günzelmann auch ein Förster mit dabei. Er hätte die Kinder eigentlich am Trimm-Dich-Pfad willkommen heißen wollen. Wegen eines Krankheitsfalles musste der Termin in die Schule verlegt werden. Nicht die einzige Änderung, die Barbara Lehnert kurzfristig organisieren musste.

Buchstabenrallye in der Stadt

Michaela Pfeuffer geht mit ihrer Klasse normalerweise zur Kitzinger Feuerwehr, wegen Corona musste der Termin heuer in die Schule verlegt werden – genauso wie der Termin bei der Polizei. Immerhin: Einige Klassen konnten sich auf den Weg machen und bekamen im Fastnachtmuseum, im Rathaus oder in der Buchhandlung Schöningh spannende Geschichten präsentiert. Anschließend lockte eine Buchstabenrallye durch die Innenstadt. An bestimmten Schaufenstern waren einzelne Buchstaben aufgehängt. Die Aufgabe bestand darin, ein Wort zu finden und die Lösung in einen Karton zu werfen. Anfang dieser Woche werden die Gewinner gezogen.

„Unsere Kinder lernen gerade das Lesen“, erinnert Grundschullehrerin Michaela Pfeuffer. Der Vorlesetag bietet ihnen dafür einen ganz besonderen Anreiz. Einen, den sie daheim nicht immer erhalten. Barbara Lehnert denkt gerne an ihre eigene Kindheit zurück, als ihr die Oma für eine gute Note ein Buch schenkte – und es in einem gemütlichen Zimmer im Dachboden vorlas. „Beim Vorlesen gerät die Fantasie viel mehr ins Schwelgen als beim Blick aufs Handy“, sagt sie.

Appell an alle Eltern

Auch Hofrat Walter Vierrether engagiert sich aus Überzeugung. Er war schon immer ein eifriger Leser. „Als Schüler habe ich alle Karl May Bücher regelrecht verschlungen“, erinnert er sich. „Für mich ist Lesen wie Kino im Kopf.“ Vierrether ist nicht nur jährlich beim Vorlesetag der St. Hedwig-Schule dabei, sondern engagiert sich seit seinem Renteneintritt 2016 auch als „Vorlese-Pate“ für die Städtische Bücherei. „Ich kann nur an alle Eltern appellieren, ihren Kindern Bücher zu schenken oder in der Bücherei welche zu leihen“, sagt der ehemalige Leiter der Touristinfo In Kitzingen. „Lesen macht Spaß. Das Vorlesen auch!“

Wichtige Kulturtechnik

Wie aufmerksam und gespannt die Kinder zuhören, war in der Alten Synagoge gut zu beobachten. Zwei Klassen aus der St. Hedwig-Grundschule und eine Klasse aus der St.-Martin-Schule hatten sich im Gotteshaus verteilt. Die Fördervereinsmitglieder Marita Schwab und Irma Karl sowie die Vorsitzende Margret Löther lasen den Kindern an unterschiedlichen Orten spannende und lehrreiche Geschichten vor. „Lesen ist unsere wichtigste Kulturtechnik“, erklärte Margret Löther ihre Motivation. „Dabei passiert tief in uns selbst etwas.“ An der Mimik und Gestik der kleinen Zuhörer war leicht abzulesen, wie richtig die Lehrerin an der Erich-Kästner-Schule mit dieser Aussage liegt.