Voneinander lernen, miteinander reden

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Alexander Bothe lädt am 5. Oktober zum ersten Depressions-Trialog ins Stadtteilzentrum in der Siedlung ein.
Foto: Ralf Dieter
Psychische Erkrankungen - Burnout
Psychische Erkrankungen betreffen in Deutschland Millionen Menschen. Sie gelten beispielsweise als häufigste Ursache für Frühverrentungen.
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Foto: Julian Stratenschule/dpa

Es sollen Vertreter von jeder Gruppe zu Wort kommen. Die Fachkräfte genau so wie die Betroffenen. Und deren Angehörige ebenso. „Unser Ziel ist es, dass sich alle auf Augenhöhe begegnen“, sagt Alexander Bothe. Zusammen mit seinen Mitstreitern vom Verein „Dieser Weg – Zurück ins Leben“ hat er den ersten Kitzinger Depressions-Trialog organisiert. Termin: 5. Oktober.

Es sollen Vertreter von jeder Gruppe zu Wort kommen. Die Fachkräfte genau so wie die Betroffenen. Und deren Angehörige ebenso. „Unser Ziel ist es, dass sich alle auf Augenhöhe begegnen“, sagt Alexander Bothe. Zusammen mit seinen Mitstreitern vom Verein „Dieser Weg – Zurück ins Leben“ hat er den ersten Kitzinger Depressions-Trialog organisiert. Termin: 5. Oktober.

Alexander Bothe und seine Frau Annika kümmern sich seit Jahren um das Thema Depression, wollen es aus dem Schattendasein herausholen. Er war selbst betroffen, weiß um die Hürden, Schwierigkeiten und Rückschläge, die ein Weg zurück ins Leben mit sich bringen kann. Einmal im Monat bietet er ein Gruppentreffen für Betroffene von Depression an, seine Frau organisiert das separate Treffen für die Angehörigen. Zwischen fünf und zwölf Leute nehmen diese Angebote wahr.

„Es tut gut, über seine Krankheit zu reden.“
Alexander Bothe über die Depression

„Wir haben einen relativ hohen Durchlauf“, erklärt Bothe. Mal geht es einem Betroffenen so gut, dass er nicht kommen will, mal so schlecht, dass er nicht kommen kann. Und es kommen immer wieder neue Menschen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht davon aus, dass weltweit rund 320 Millionen Menschen von Depressionen betroffen sind. In Deutschland gehen die Schätzungen von 4,1 Millionen aus, das sind rund fünf Prozent der Bevölkerung. Immer häufiger sind junge Menschen betroffen. Von Kindern bis zu Senioren können alle Altersschichten betroffen sein. In der Selbsthilfegruppe von Alexander und Annika Bothe variiert das Alter zwischen zwölf und 72 Jahren. Die Ursachen für Depressionen sind ganz unterschiedlich. Mal sind es familiäre Hintergründe wie Missbrauch oder Suchtprobleme, die verdrängt wurden. Mal fühlen sich Menschen nicht ausgefüllt, mal liegt eine Stoffwechselstörung vor. Oft sind es auch genetische Gründe. Männer und Frauen sind in ähnlich großer Zahl betroffen. Einen Unterschied gibt es trotzdem: Den meisten Männern fällt es deutlich schwerer, darüber zu reden. Gerade das will Bothe ändern. Aufeinander zugehen, voneinander lernen: All das helfe den Betroffenen. „Es tut gut, über seine Krankheit zu reden“, sagt er aus eigener Erfahrung.

Beim 1. Kitzinger Depressions-Trialog werden eine Traumapsychologin, eine Opferberaterin und die Angehörige eines Mordfallopfers miteinander ins Gespräch kommen. Die Moderation übernimmt Markus Bock, ein ehemaliger Sportkletterer, der selbst unter einer chronischen Depression leidet. Die Zuhörer dürfen sich in die Diskussion einschalten, Fragen stellen. Vor dem Stadtteilzentrum in der Siedlung, in dem die Veranstaltung stattfindet, wird ein feuerrotes Infomobil der Heiligenfeldklinik Bad Kissingen zum Thema Depression geparkt sein.

Die Veranstaltung soll der Beginn einer Serie sein. Alexander Bothe möchte den Trialog jedes Jahr veranstalten, immer mit einem anderen Schwerpunkt. Im Mittelpunkt sollen psychische Erkrankungen und deren bestmögliche Behandlung stehen. Auf diesem Weg soll auch ein Beitrag dazu geleistet werden, die Stigmatisierung, die nach wie vor vorhanden ist, abzubauen. „Vielerorts fehlt immer noch das Verständnis für die Betroffenen“, bedauert Bothe und erinnert sich an seine ersten Bewerbungen. Aufgrund seiner Erkrankung hat er eine 14-monatige Pause in seinem Lebenslauf stehen. Manche Arbeitsstelle hat der gelernte Koch deshalb nicht antreten können. Die Befürchtung einiger Arbeitgeber: Der Mann ist nicht belastbar. Dabei steht Bothe seit Jahren seinen Mann am Herd und organisiert nebenher die Selbsthilfegruppe, um das Thema Depression aus dem Schattendasein herauszuholen. Mit dem „Trialog“, so ist er überzeugt, hat er das richtige Rezept gefunden.

1. Kitzinger Depressions-Trialog: Freitag, 5. Oktober, 16 Uhr im Stadtteilzentrum Kitzingen, Königsberger Straße 11. Einlass um 15.30 Uhr. Der Eintritt ist frei, Spenden willkommen.

Kontakt: „Dieser Weg – Zurück ins Leben.“ Tel. 09381/717401 (Montag bis Samstag, 19-21 Uhr) oder info@dieser-weg-zurueck.de.