Beim Thema Abgaswerte kann sich Frank Stadtelmeyer aufregen. „Da kann man eigentlich nur noch drüber lachen“, sagt der Kfz-Meister. Der VW-Skandal sei ja nur die Spitze des Eisbergs. Abgaswerte würden nur für ganz bestimmte Bedingungen gelten. „Teilweise haben die Fahrzeuge in der Realität den siebenfachen Ausstoß.“

Hinzu kommt Öl im Motorraum. „Kein Motor bleibt heute trocken.“ Doch das werde in die Umweltbilanz gar nicht erst mit eingerechnet. Dabei sei es enorm, wie viel Wasser oder Boden nur ein Tropfen Öl verschmutzen könnte. Umweltschutzpolitik beim Verkehr? Das sei kaum mehr als Augenwischerei.

„Ich möchte von Verbrennern ganz weg“, sagt Stadtelmeyer deswegen. Vor ein paar Jahren sah das noch anders aus. Als er 2009 einen VW-T3 Bulli aus Stuttgart kaufte, wollte er eigentlich einen Tdi-Motor einbauen. Eigentlich. Es gab Probleme. Versicherungstechnisch, mit der Kfz-Steuer. „Irgendwann hat ein Kumpel zu mir gesagt: 'Komm, da machen wir jetzt einen Elektromotor rein!'“ So begann Frank Stadtelmeyers Einstieg in die Elektromobilität.

Praktisch unkaputtbar

Rund 20 000 Euro hat der Umbau schließlich gekostet. Höchstgeschwindigkeit 120 Km/h, Reichweite 70 bis 90 Kilometer. „Das ist eine ganz andere Fahrerei“, schwärmt der Albertshöfer. Der Wirkungsgrad sei viel höher als bei Verbrennern. Dazu seien Elektromotoren praktisch unkaputtbar – einzig an den Batterien hänge es noch. Die seien noch immer zu schwach und teuer. Wegen der noch ausbaufähigen Ladeinfrastruktur müsse man bei längeren Strecken deshalb mehr planen als mit dem herkömmlichen Auto. Doch: „Da gewöhnt man sich dran.“

Stadtelmeyer schiebt ein rotes Hercules-Rad aus dem Schuppen. Auch hier hat er einen Elektromotor eingebaut. „Meine Frau ist früher nie mit dem Rad zur Arbeit gefahren“, erzählt der Kfz-Meister. Mit dem neuen Motor fährt sie jetzt doch. Rund 650 Euro kostet der Umbau eines herkömmlichen Fahrrads zu einem Pedelec laut Bastler Stadtelmeyer. „Insgesamt habe ich jetzt drei unserer Räder umgebaut. “ Weiter hinten im Schuppen steht noch ein City-Roller. „Den hab ich auch noch repariert.“ Einzig den Fiat, der neben dem Bulli steht, den habe er nicht selbst umgebaut. Einen Elektromotor hat der trotzdem – installiert von einer Firma in Hamburg.

Zusammen mit Gleichgesinnten hat Frank Stadtelmeyer eine Interessengemeinschaft Elektromobilität in Kitzingen gegründet. Demnächst soll ein Elektro-Auto-Treffen organisiert werden. Das Ziel: Aufmerksamkeit schaffen und zu einem Sinneswandel in der Gesellschaft beitragen. Denn noch immer gebe es jede Menge Vorurteile.

Das fängt beim Pedelec an: „Als ich vor ein paar Jahren damit gefahren bin, hieß es: 'Was machst du mit so einem Rentnerrad?'“, erzählt der Elektro-Enthusiast. Mittlerweile hat sich das Image der Pedelecs gebessert. Und praktisch ist es allemal: „In sieben Minuten bin ich am Bleichwasen.“

Auch bei den Elektro-Autos gebe es Vorurteile. Zu kompliziert, zu unpraktisch, zu unausgereift. Ihn habe mal jemand gefragt, ob er ein Elektro-Auto vorheizen müsse. „Haben Sie schon mal ihre Bohrmaschine vorgeheizt?“, fragt Stadtelmeyer kopfschüttelnd.

Mitschuld haben Unternehmen

Frank Stadtelmeyer wünscht sich, dass die Menschen bewusster mit den Maschinen und Geräten umgehen. Heute gehe es immer darum, etwas Neues zu haben. „Dabei muss man Altes nicht immer wegschmeißen.“ Seine Räder seien sehr gut gewesen. Hätte er sie nicht selbst umgebaut, sondern neue gekauft, wäre es sicher teurer gekommen, sagt Stadtelmeyer. Doch bisher ist diese Sichtweise noch die Ausnahme. Mitschuld sind für ihn die Unternehmen: Sie wollen eben immer neue Produkte verkaufen und reden den Menschen ein, dass sie eben diese brauchen.

In einem VHS-Vortrag hat Frank Stadtelmeyer kürzlich beide Sichtweisen auch praktisch weiteregeben. „Wie baue ich mein E-Auto selber?“, war dabei die Frage im Innopark Kitzingen. Viele Interessierte seien da gewesen, erzählt Stadtelmeyer. „Das freut mich.“ Manch Besucher sei auch von weiter weg angereist. Einer von ihnen habe vor, ein Solarfahrzeug komplett selber zu bauen. „Mit dem bin ich weiter in Kontakt.“ Er sei gespannt, ob es funktioniert. Vielleicht baut er sich dann selbst auch so etwas. Zuzutrauen wäre es dem Schrauber aus Albertshofen.